US-Presse Wa-Po-Leaks

Die Strategie von Jeff Bezos, seine "Washington Post" umfassend ins Netz zu bringen, scheint aufzugehen: Dank Twitter weiß man jetzt sogar, woran der Eigentümer der Traditionszeitung unter der Dusche denkt.

Von Karoline Meta Beisel

Jeff Bezos' Strategie, die Washington Post so vollständig und umfassend wie möglich ins Netz zu bringen, geht auf: Beim Redaktionsbesuch des Amazon-Chefs dokumentierten Redakteure via Twitter, was Bezos hinter verschlossenen Türen sagte. Und das ist auch für Außenstehende interessant. Zum Beispiel, was er über Präsidentschaftskandidat Trump denkt: "Mein Angebot, Donald ins All zu schießen, steht", zitiert Nachrichtenredakteurin Rebecca Sinderbrand den Eigentümer ihrer Zeitung. Oder was er vom Redaktionssitz hält: "Ich habe ehrlich keine Ahnung, wie Ihr hier leben könnt, Leute" (ebenfalls Rebecca Sinderbrand). Auch zur Zukunft der Washington Post äußerte sich Bezos: "Ich gehe davon aus, dass sich die Post noch für eine Weile im Investment Modus befinden wird" - was Bezos' Meinung nach aber nicht dasselbe sei, wie unprofitabel zu sein (notiert Meinungsseiten-Redakteur Mike Madden). Seine Kollegin Alyssa Rosenberg fand Bezos Aussage zitierenswert, dass es für die Washington Post gesünder sei, "wenig Geld von vielen Lesern" zu bekommen als andersherum. Redakteurin Lisa Bonos notiert den Satz, dass es die gedruckte Post "noch lange" geben werde. Lokalreporterin Lori Aratani will gar etwas von einer "Spanne von zehn bis 20 Jahren" gehört haben. Und dann verriet Bezos noch, wo er sich die ganzen schlauen Gedanken über die Zeitung macht (erneut Mike Madden): "Unter der Dusche denke ich sehr viel an die Washington Post."