Umstrittener Beitrag Selbstjustiz-Justiz

Nun ermittelt die Bremer Oberstaatsanwaltschaft gegen RTL, ob der Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt - doch der Sender weist weiterhin alle Vorwürfe von sich.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Erst lief bei RTL eine Doku über Pädophilie. Dann griffen zehn Männer einen Mann an, den sie im Film erkannt haben wollten, der darin aber gar nicht zu sehen war. Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft, ob sie auch gegen RTL ermitteln soll.

Von Hans Hoff

Während die Bremer Staatsanwaltschaft in einem Fall von Selbstjustiz Vorermittlungen gegen RTL aufgenommen hat und Oberstaatsanwalt Frank Passade zufolge prüft, ob der Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt, weist man im Sender weiterhin alle Vorwürfe von sich, ein RTL-Beitrag habe einen Fall von Selbstjustiz zu verantworten. "Wir sind der Überzeugung, dass wir unserer Sorgfaltspflicht in vollem Umfang nachgekommen sind", sagt Sprecher Matthias Bolhöfer. Am vergangenen Dienstag waren etwa eine halbe Stunde nach einem in Bremen spielenden Bericht des RTL-Magazins Punkt 12 über Pädophile, die sich im Netz an Kinder heranmachen, bis zu zehn Männer in die Wohnung eines Mannes eingedrungen und hatten ihn so zugerichtet, dass er zeitweise in Lebensgefahr schwebte. Inzwischen hat sich einer der mutmaßlichen Täter der Polizei gestellt.

RTL verurteilt solche Selbstjustiz, sieht sich selbst aber nicht als Auslöser derselben. "Das Opfer war zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der Berichterstattung - weder in Bild noch in Ton", sagt Bolhöfer. Man habe zudem keinerlei Hinweise auf Straßen oder Hausnummern gegeben. Nicht einmal Bremen als Stadt sei genannt worden.

Ein weiterer Mann, der im Beitrag vorkam und dem von den verdeckten Rechercheuren des Senders auffälliges Verhalten unterstellt wurde, sei in der Sendung zudem bis hinab in Bauchnabelhöhe verpixelt worden. Diesem Mann ist das Team des Senders wohl gefolgt, hat ihn dann aber aus den Augen verloren. Explizit entlastet wurde er im Beitrag allerdings nicht.

Dies geschah inzwischen durch die Staatsanwaltschaft, die deutlich machte, dass weder das Opfer der Selbstjustiz noch der angeblich auffällig agierende Mann etwas mit jenem Pädophilen zu tun haben, der sich während eines Chats im RTL-Film an eine vermeintlich 13-Jährige herangemacht hatte. Dieser sei in Chats immer noch aktiv, worauf RTL die Polizei noch einmal hingewiesen habe, heißt es dazu im Sender. Zudem habe man das Rohmaterial vom Dreh umgehend der Polizei zur Verfügung gestellt und den elfminütigen Film auch aus dem Netz genommen.