Siegfried Rauch Seriös und wagemutig

Der Schauspieler war viel mehr als nur der knorrige Kapitän, der die Geschicke des "Traumschiffs" lenkte. Nun ist er mit 85 Jahren gestorben.

Von Hans Hoff

Wenn es nun immer wieder heißt, der Traumschiff-Kapitän sei gestorben, dann geht das an der Wirklichkeit ein paar Meilen vorbei. Wer Siegfried Rauch reduziert auf den Job am Ruder des ZDF-Unterhaltungsdampfers, der verkennt, dass der 1932 in Landsberg am Lech geborene Schauspieler weit mehr war als nur der knorrige Typ, der die Geschicke an Bord der MS Deutschland lenkte.

Rauch war so etwas wie eine Institution, immer da, wenn man jemanden brauchte, der mit Stimme und Statur gleichzeitig Seriosität und Wagemut auszustrahlen wusste. Rauch, der seine Karriere in den Fünfzigerjahren am Theater begonnen hatte, signalisierte Zuverlässigkeit und war zur Stelle, wenn man einen Doktor oder einen Kommissar oder eben auch einen amtlichen Schurken brauchte.

Er hatte den Halunken in billigen Sechzigerjahre-Kinokrimis ebenso drauf wie den Sanitätsgefreiten oder den Lehrer. Rauch konnte alles und zeigte keine Scheu, sich auch in überschaubar anspruchsvollen Produktionen zu verdingen. Weltweite Beachtung errang er, als er im US-Kinoklassiker Le Mans beim mörderischen Autorennen den Gegenspieler von Steve McQueen gab. Ein Jahr später musste sich Rauch dann in einem frühen Tatort als Mörder durch Zürich jagen lassen, bevor er als Detektiv in Dr. Med. Mark Wedmann - Detektiv inbegriffen und als Kommissar in Bitte keine Polizei ermitteln durfte.

Einen kleinen Höhepunkt erreichte seine Karriere, als er die Hauptrolle in der ZDF-Serie Es muss nicht immer Kaviar sein übernahm. Zwar fand Johannes Mario Simmel, der Autor der Romanvorlage, die filmische Umsetzung wenig gelungen, aber das störte einen wie Rauch nicht, der in jener Zeit über Unterbeschäftigung kaum klagen konnte. Zum Ende des Jahrzehnts stand er gar neben Pierre Brice in der Serie Mein Freund Winnetou als Old Shatterhand vor der Kamera, was natürlich prima zu seiner robusten Ausstrahlung passte, der wenig erfolgreichen Produktion aber nicht so recht auf die Sprünge helfen konnte.

In den Achtzigern wurde es, was die Rolleninhalte anging, ruhiger bei Rauch. Er spielte neben Maria Schell den Familienvater in der Vorabendserie Die glückliche Familie, stattete Derrick mal einen Besuch ab und wurde Anfang der Neunziger zum Leiter der Bergwacht in der Serie Wildbach, wo sich Abenteuer und Vorabendromantik die Hand gaben. 52 Folgen plätscherte der Wildbach so vor sich hin, bevor Rauch sich kurze Zeit später für jene Aufgabe entschied, die seinen Ruf entscheidend prägen sollte.

1999 heuerte er auf dem Traumschiff an, der Inkarnation der deutschen Fernsehglückseligkeit, wo Harald Schmidt zufolge Drehort immer vor Drehbuch geht und die Palmen oft wichtiger sind als die Geschichten, die darunter spielen. Rauch legte seinen Kapitän Paulsen als Respektsperson mit Herz an und spielte sich ins nationale Fernsehgedächtnis. Als er 2013 von Bord ging, blieb er auf seine Art immer derjenige, der die Dinge lenkte, nun dann eben wieder in den Bergen, wo er bis in die jüngste Zeit dem Bergdoktor mit Rat und Tat zur Seite stand.

Im Januar hat Rauch in einem kleinen Videoclip zum Bergdoktor noch seine Einstellung skizziert. "Das Wichtige ist, dass man authentisch bleibt, dass man so ist, wie man ist, und so diese Rolle rüberbringt", sagte er und setzte nach: "Ich hoffe, dass es noch eine Weile weitergeht." Ein Wunsch, der nun leider nicht in Erfüllung geht.

Siegfried Rauch ist am Sonntag in seinem Wohnort Untersöchering bei München bei einem Sturz gestorben. Er wurde 85 Jahre alt.