Vom 9. August an geht es erst einmal mit den X-Diaries weiter - der ersten Dokusoap mit Reality-Anmutung auf RTL2, deren Drehbücher jedoch von vorneherein von Autoren geschrieben wurden. RTL fährt damit am Nachmittag gute Erfolge ein. Und die Senderchefs können auch ruhig schlafen: Beim ohnehin offen abgekartetem Spiel sind böse Überraschungen mit widerspenstigen Mitspielern auszuschließen. Zuletzt war die RTL-Dokusoap Unterm Hammer ins Gerede gekommen und flugs abgesetzt, weil die Protagonisten im Nachhinein behaupten, dass es der Sender mit der Wiedergabe der Wirklichkeit nicht so genau nahm. Auch das kann man von RTL lernen.

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Eine Krise der Reality-Formate, die bei der Kölner Mutter zu zunehmend mauen Quoten für einstige Leistungsträger wie Die Super Nanny oder Die Ausreißer führte, fürchtet Starke nicht. Wie viel Fun in Frauentausch steckt und ob es wirklich Freude bereit, sich von Herbst an mit der Rückkehrerin Verona Pooth als Engel im Einsatz zu bewähren, bleibt allerdings dahingestellt. "Überall wo 'It's Fun' draufsteht, soll auch 'It's Fun' drinstecken", sagt Starke und lächelt Einwände über sein durchaus eigenwilliges Verständnis von Unterhaltung und Lebensfreude weg. Bei RTL2 reicht "Fun" eben vom Big Brother-Voyeurismus bis hin zu grenzwertig inszenierten Schönheits-OPs in der Dokusoap Extrem schön.

"Bei Sat1 lautet der Werbeclaim 'Color Your Life'", kommentiert Starke leicht sarkastisch. "Und dabei steckt dort auch nicht in jedem Format Farbe."

Doch ist es nicht reichlich zynisch, den Zuschauern zur besten Sendezeit entstellte Gesichter zu präsentieren und das Leid der Betroffenen werbewirksam auszuschlachten? "Extrem schön ist streng genommen ein Helptainment-Format", rechtfertigt sich Starke. "Es geht um Menschen, die in welcher Form auch immer mit ihrem Aussehen Probleme haben." Und dabei spielt der Sender den Samariter: "Wir bieten ihnen eine Möglichkeit, ihr Aussehen zu verändern oder zeigen Hilfestellungen auf, wie sie in Zukunft ihr Leben positiver gestalten können." Bei den Quoten liegt die Schnippel-Soap verlässlich zwischen acht und zehn Prozent Marktanteil in der Werbezielgruppe. Im Herbst geht es laut Senderchef weiter.

Auch Big Brother wurde im Handstreich bis Anfang August verlängert. Ob Senderchef Starke nicht manchmal versucht ist, angesichts der guten Quoten die Schmuddel-Schau kurzerhand endlos, wenigstens aber bis Jahresende auszudehnen? Natürlich nicht, lacht Starke. "Bei einer aufwendigen Produktion wie Big Brother ist es nicht möglich, so kurzfristig einzugreifen", sagt er. Das Verlängern war angeblich schon von längerer Hand geplant, selbst wenn es für alle Beteiligten, auch im Container, überraschend kam.

Dass es aber nach der zehnten Staffel schon rasch wieder eine Big Brother-Fortsetzung geben wird, ist so gut wie ausgemacht. "Das werden wir entscheiden, wenn diese Staffel erfolgreich zu Ende gegangen ist", lautet die offizielle Sprachregelung. Angesichts der "zweistelligen Rendite", die RTL2 laut Senderchef erwirtschaftet, kann er derartige Entscheidungen entspannt angehen. Für ihn selbst hat der neue Werbeclaim "It's fun", der prominent in seinem Chefbüro prunkt, schon längst nichts Beschwörendes mehr. "Ich habe Spaß an meinem Job", sagt Starke. "Aber das hat ausnahmsweise einmal nichts mit dem Werbeclaim zu tun."

An seinen Umgangsformen und dem gewinnenden Auftreten hätte Big Brother-Omi Anne sicher nichts auszusetzen.

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(sueddeutsche.de/berr)