Preisverleihung Gute Seiten

Innovativ und inspirierend: Das Foto zeigt ausgestellte Sonderausgaben von Freie Presse und SZ.

(Foto: Georg Wendt/dpa)

Bei den Lead Awards in Hamburg wurde deutlich, wie überraschend viele gute, innovative und sogar inspirierende Medien-Erzeugnisse es gibt. Die "Süddeutsche Zeitung" wurde als "Zeitung des Jahres" geehrt.

Von David Pfeifer

Es war dann doch wieder ein bisschen Pfahlhocken für Medienschaffende: die Verleihung der Lead Awards in den Deichtorhallen in Hamburg. Aber nach einer stundenlangen Preisverleihung ohne Getränke war man immerhin beseelt davon, dass es doch überraschend viele gute, innovative und sogar inspirierende Medien-Erzeugnisse gibt.

Lead-Award-Chef Markus Peichl, der jeden Kandidaten in jeder Kategorie vorstellte, hatte sich den Entertainer Friedrich Liechtenstein auf die Bühne geholt, der den Abend mit Bonmots auflockerte. Tatsächlich ist man in einigen Medienhäusern weiterhin eher besorgt, vor allem in den Redaktionen, in denen drastisch gespart wurde und das durchaus zu Verlust von Qualität und Relevanz führt. Die narzisstische Kränkung durch den Verlust der einstigen Bedeutung verleitet viele Medien dazu, sich gleich selber schlechtzureden. Da tut es ganz gut zu sehen, wie viel Kreativität und Relevanz trotzdem vorhanden sind. Die begleitende Ausstellung ist beeindruckend.

"Manchmal bringt die Not ja auch besonders gute Ideen hervor" vermutete Peichl, bevor er noch einmal betonte, dass der Lead Award der einzige Medienpreis in Europa sei, bei dem die Teilnehmer sich nicht selber bewerben können, sondern von einer unabhängigen Jury gesichtet und bewertet werden.

Das Publikum, das nur aus Fachleuten bestand, klatschte dann nicht pflichtschuldig, sondern tatsächlich begeistert für die klugen und lustigen Erich-Kästner-Illustrationen, die Christoph Niemann für das Zeit-Magazin gemacht hat. Für den Sonderbeitrag der Berliner Boulevard-Zeitung BZ, die den letzten Auschwitz-Prozess eindringlich und sensibel aufgearbeitet hat, und auch für das Fleischesser-Pornoheft Beef, das als "Magazin des Jahres" ausgezeichnet wurde.

Auch für die Mitarbeiter dieser Zeitung lohnten sich Anreise und Aushalten. Es gab Auszeichnungen für die SZ-Sonderausgabe zur Ausstellung des Fotografen Robert Frank. Das SZ Magazin wurde für seine Titelseite geehrt, die nur eine Handy-Nummer zeigte (es ging um Neugier). Und wegen ihrer Selbsterneuerungskraft durch die Layout-Reform und die SZ am Wochenende wurde die Süddeutsche Zeitung als "Zeitung des Jahres" geehrt.