Neues Magazin Ich und mich

Viermal jährlich soll Zeit Doctor, ergänzt um eine wöchentliche Seite im Blatt, die medizinische Neugier der Leser befriedigen.

Gesundheit ohne Ende: Die neue Beilage "Zeit Doctor" ist schön gestaltet und befriedigt ein Interesse, das andere Verlage mit ihren Angeboten schon längst bedienen. Die wichtigste Frage, die das Heft aufwirft, wird allerdings nicht beantwortet.

Von Kathrin Zinkant

Wie schade, eigentlich. Da bekommt man so ein neues, anmutiges Heft über das unheimlich wichtige Thema Gesundheit in die Hand gedrückt - und fragt sich doch zuallererst: Warum mit C? Warum schreibt die Zeit ihr neues Magazin Zeit Doctor nicht ganz normal mit K?

Erstaunlich spät ist die Zeit auf den Gesundheitszug der großen Medienhäuser aufgesprungen, andere Verlage setzen schon seit Jahren oder sogar Jahrzehnten auf das schier unerschöpfliche Interesse des gesundheitsbewussten Lesers - und damit auf die wirtschaftliche Kraft der anzeigenbewussten Arzneimittel- und Kosmetikindustrie. Stern Gesund leben, Focus Gesundheit, Focus Diabetes, Bild Besser Leben - selbst der Spiegel hat mit Spiegel Wissen einen Titel auf dem Markt, der so extrem auf Gesundheit und Wohlgefühl fokussiert ist, dass er auch als "Spiegel Gesundheit" durchgehen würde. Und nun, endlich, kommt Zeit Doctor dazu. Mit C. Kaufen muss man das Heft nicht extra, es liegt der Wochenzeitung alle drei Monate bei und wird durch eine wöchentliche Seite im Blatt ergänzt. Und auf den ersten Blick setzen sich die Hamburger wunderbar ab von der knalligen Optik des Fitness-Mainstreams, das Heft ist komplett durchgestaltet mit schönen Illustrationen, hübschen Zeichnungen und einem luftigen, klaren Layout; allein vom Hinsehen fühlt man sich also umsorgt, wenn nicht gar ein bisschen gesünder. Aber es gibt auch was zu lesen, und da wird es knifflig. Gesundheitsthemen sind aufgrund ihrer viralen Verbreitung nur noch selten exklusiv. Und weil die reale, harte Medizin oft deprimierend und noch öfter deprimierend schwer zu verstehen ist, wird es bei den weichen Themen langsam eng. Man muss sich also etwas einfallen lassen, um die kundigen Leser nicht zu langweilen. Das Rezept von Zeit Doctor fasst Chefredakteur Giovanni di Lorenzo so zusammen: "Wissen ist das beste Beruhigungsmittel, wenn man krank ist - und hilft dabei, gesund zu bleiben." Das lässt sich vielseitig interpretieren, in der redaktionellen Realität versucht man es mit einer Mischung aus Faktenboxen und subjektiver Perspektive, also ganz viel "ich" und "mich". Was erlebe ich im Krankenhaus? Was erlebe ich, wenn mein Kind im Krankenhaus ist? Was bedeutet erhöhter Blutdruck für mich? Leser, die etwas weniger eng um sich selbst kreisen und an Debatten in der Medizin interessiert sind, könnte das auf Dauer ermüden. Allgemeinplätze wie "Stress schadet dem Immunsystem" oder die ewige Nörgelei an der Grippeimpfung helfen nicht weiter. Eine gute Idee dagegen: Das Kollegengespräch dreier Ärzte aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die über das Für und Wider eines Eingriffs diskutieren. Hier: über den Herzkatheter, der in Deutschland auffallend beliebt ist. Ob persönlich betroffen oder nicht: Man lernt dabei viel Neues.

Schaut man sich die Anzeigen im ersten Heft an, ist davon auszugehen, dass Zeit Doctor zumindest dem Verlag freie Atemwege beschert. Die Wochenzeitung hält ihre Auflage aktuell, das soll natürlich so bleiben. Man darf sich als Leser dennoch wünschen, dass in einer Ausgabe, in der ein journalistischer Beitrag auf die sozialpsychologische Wirkkraft weißer Zähne hinweist, etwas weniger offensichtlich für elektrische Zahnbürsten und Bleichpasten geworben wird.