Neue Sportsendung Kneipenabend mit Kindskopf

"Eine Liga für sich": Sky 1 probiert es mit Sport-Comedy. Dafür wird ein britisches Vorbild nach Deutschland übertragen. Die erste Folge erinnert eher an einen Kneipenabend in Bottrop-Boy.

Von David Denk

So eine Pressekonferenz ist eine gute Möglichkeit, Neuigkeiten loszuwerden - oder die Überbleibsel der letzten Weihnachtsfeier. So wurden die Journalisten bei Sky am vorigen Mittwoch mit Vanillekipferl, Zimtsternen und Dominosteinen verköstigt. Allerdings schmeckten die für die Jahreszeit erstaunlich frisch. Vielleicht wurden sie eigens gebacken, um die Gäste wie vor Weihnachten in Stimmung zu bringen - für das präsentierte Format Eine Liga für sich - Buschis Sechserkette, moderiert von Sky-Neuzugang Frank Buschmann.

Von der kommenden Saison an wird der 52-Jährige, der zuletzt mit Ran NFL die Sportart American Football in Deutschland popularisierte, bei Sky Fußballspiele kommentieren, in Bundesliga wie Champions League, doch wer Buschmann verpflichtet, tut gut daran, nicht nur den Ballsportexperten in ihm zu fordern, sondern auch den Kindskopf. In "Deutschlands erster Sport-Comedy-Show", wie Buschmann die Adaption des britischen A League of Their Own beschreibt, kann er seinem Spieltrieb freien Lauf lassen.

Das Vorbild sei "die erfolgreichste Show bei Sky 1 in UK", sagt Christian Asanger, Vice President Entertainment Channels bei Sky Deutschland - ganz so hoch sind die Erwartungen in Buschmann nicht, aber es wäre aus Sicht des Senders schon nett, wenn er den seit dem Start des Pay-Kanals Sky 1 im November eingeschlagenen Kurs halten könnte. "Unsere Eigenproduktionen sind die meistgesehenen Sendungen bei Sky 1", sagt Asanger und meint Unterhaltungsshows wie Masterchef und Xaviers Wunschkonzert, "und deswegen machen wir in dieser Richtung auch weiter".

In Eine Liga für sich treten zwei Quiz-teams gegeneinander an, jeweils angeführt von einem Ex-Profi wie Stefan Kretzschmar, Stefan Effenberg oder Lothar Matthäus. Ständige Mitglieder sind Vox-Moderatorin Panagiota Petridou und Comedian Matze Knop. Anders als beim britischen Original, erzählt Buschmann, sei die Sendung nicht komplett durchgeskriptet. "Ich will von den Sportlern, dass sie sie selbst sind."

Guckt man in die erste Sendung rein, ist man sich hinterher gar nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee war. Das Format ist so chaotisch wie zäh: Die Teams müssen Fußballern deren Tattoos und Hunde zuordnen, zwischendurch imitiert Matze Knop Jogi Löw und Oliver Kahn, und alle quasseln wie alkoholisiert durcheinander und nehmen sich selbst oder einander hoch. Fernsehen wie ein Kneipenabend in Bottrop-Boy - ganz kurzweilig, aber am Ende schwirrt der Kopf von so viel notorisch launigem Dauergefrotzel.

Buschmann ist Profi genug, um zu wissen, dass er sich mit Eine Liga für sich nicht für einen Grimme-Preis empfiehlt - aber auch sensibel genug, um ein bisschen drunter zu leiden, dass ein Grenzgänger zwischen TV-Sportjournalismus und Unterhaltung es Kritikern hierzulande nur schwer recht machen kann. "Fußball und Humor passen viel besser zusammen, als das immer so besprochen wird", findet er und hofft umso mehr auf die Akzeptanz der Zuschauer, "denn für die machen wir den Zirkus ja schließlich".

Eine Liga für sich, Sky 1, 20.15 Uhr.