Nachrichtenagentur dapd stellt erneut Insolvenzantrag

Wenige Wochen nach der vermeintlichen Rettung folgen ernüchternde Meldungen: Ende Januar schien die Zukunft der dapd noch gesichert, nun stellt die Nachrichtenagentur erneut einen Insolvenzantrag. Der Deutsche Journalisten-Verband reagiert mit Unverständnis.

Beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ist ein erneuter Insolvenzantrag der Nachrichtenagentur dapd eingegangen, wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigte.

"Unvorhergesehene strukturelle Schwierigkeiten, die ihre Ursachen in der vorangegangenen Insolvenz haben" hätten Geschäftsführer Ulrich Ende zu Nachverhandlungen gezwungen "und führten dazu, dass Investoren trotz vertraglicher Verpflichtung bisher nicht einzahlten", hieß es dazu in einer Presseinformation der Nachrichtenagentur. Die Mitarbeiter seien am Nachmittag in einer Betriebsversammlung informiert worden.

Nach Informationen des Branchendienstes Newsroom.de hatte Geschäftsführer Ende von den zugesicherten vier Millionen Euro seiner Investoren nur 1,5 Millionen Euro erhalten.

Die neue dapd Nachrichten GmbH war erst am 1. Februar als Vollagentur mit den Basisdiensten Politik, Wirtschaft und Panorama, den zwölf Landesdiensten sowie den Themendiensten und Auslandsberichten gestartet. Fotodienste und Videoangebote ergänzen dieses Angebot. Der Neubeginn war als zuverlässige Perspektive gewertet worden.

"Wir haben es geschafft, die dapd in kurzer Zeit aus der Insolvenz zu übernehmen und ein verlässliches und gleichwertiges Angebot für die Kunden zu entwickeln. Dieses werden wir in Zukunft weiter verbessern", hatte Ende zum Neustart erklärt.

Anfang Dezember hatte das Amtsgericht Berlin Charlottenburg für die dapd das erste Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet, nachdem der vormalige Eigentümer Martin Vorderwülbecke nicht länger bereit war, das defizitäre Geschäft des Unternehmens zu finanzieren. 299 der 515 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe waren von diesen Insolvenzanträgen betroffen. Es folgten Entlassungen, mehrere Geschäftsbereiche wurden in die Abwicklung gegeben.

Der Deutsche Journalisten-Verband reagierte nun mit Unverständnis darauf, dass dapd erneut einen Insolvenzantrag stellt. Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken sprach in einer Mitteilung von einem erneuten "Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiter. Nach Monaten der Unsicherheit haben sie nun endlich wieder daran geglaubt, eine Perspektive zu haben." Nun seien die Investoren in der Pflicht.

In der Mitteilung der dapd hieß es, der ehemalige Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma werde mit der vorläufigen neuen Insolvenzverwalterin Dr. Petra Hilgers "kooperativ zusammenarbeiten, um den Schaden für alle Beteiligten gering zu halten und nach einer neuen Lösung suchen".