Insolvente Nachrichtenagentur dapd stellt Betrieb ein

Alle Verhandlungen blieben erfolglos: Die innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal insolvent gemeldete Nachrichtenagentur dapd stellt offenbar zum Ende der Woche ihren Betrieb ein.

Für die Mitarbeiter der insolventen dapd kommt es zum Äußersten: Die Nachrichtenagentur plant die Einstellung des Betriebes, wie es auf der dapd-Webseite heißt. Insolvenzverwalterin Petra Hilgers gab die Entscheidung, die sich schon in der vergangenen Woche angedeutet hatte, bei einer Betriebsversammlung von dapd in Berlin bekannt. Die Nachrichtenagentur stellt die Belieferung ihrer Kunden bereits am Donnerstag um 17 Uhr ein. Bisherige Verhandlungen zu einer anderen Lösung seien erfolglos gewesen.

Michael Konken, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, nannte die Entscheidung der Insolvenzverwalterin eine "Katastrophe für die Redakteure und freien Journalistinnen und Journalisten von dapd". Außerdem forderte Konken die anderen Nachrichtenagenturen auf, Beschäftigungsmöglichkeiten für die ehemaligen dapd-Mitarbeiter in ihren Häusern zu prüfen. Diese hätten eine zweite Chacne verdient.

Beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg war Anfang März ein erneuter Insolvenzantrag der Nachrichtenagentur eingegangen. "Unvorhergesehene strukturelle Schwierigkeiten, die ihre Ursachen in der vorangegangenen Insolvenz haben" hätten Geschäftsführer Ulrich Ende zu Nachverhandlungen gezwungen "und führten dazu, dass Investoren trotz vertraglicher Verpflichtung bisher nicht einzahlten", hieß es dazu in einer Presseinformation der Nachrichtenagentur.

Die neue dapd Nachrichten GmbH war erst am 1. Februar als Vollagentur mit den Basisdiensten Politik, Wirtschaft und Panorama, den zwölf Landesdiensten sowie den Themendiensten und Auslandsberichten gestartet. Fotodienste und Videoangebote ergänzen dieses Angebot. Der Neubeginn war als zuverlässige Perspektive gewertet worden.

"Wir haben es geschafft, die dapd in kurzer Zeit aus der Insolvenz zu übernehmen und ein verlässliches und gleichwertiges Angebot für die Kunden zu entwickeln. Dieses werden wir in Zukunft weiter verbessern", hatte Ende zum Neustart erklärt.

Erstes Insolvenzverfahren im Dezember 2012

Anfang Dezember hatte das Amtsgericht Berlin Charlottenburg für die dapd das erste Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet, nachdem der vormalige Eigentümer Martin Vorderwülbecke nicht länger bereit war, das defizitäre Geschäft des Unternehmens zu finanzieren. 299 der 515 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe waren von diesen Insolvenzanträgen betroffen. Es folgten Entlassungen, mehrere Geschäftsbereiche wurden in die Abwicklung gegeben.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken, hatte angesichts des zweiten Insolvenzantrags von einem erneuten "Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiter" gesprochen. Die dapd hatte mitgeteilt, der ehemalige Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma werde mit der vorläufigen neuen Insolvenzverwalterin Dr. Petra Hilgers "kooperativ zusammenarbeiten, um den Schaden für alle Beteiligten gering zu halten und nach einer neuen Lösung suchen".

Bereits Mitte März war jedoch bekannt geworden, dass die dapd ihr einstiges Prestigeprojekt, den Fremdsprachendienst, einstellen muss.