"Game of Thrones" "Es ist nützlich, wenn man einen Drachen hat"

Am Sonntag startet die neue Staffel. Weil niemand weiß, was darin passiert, werden die Medien kreativ - und befragen zum Beispiel Armee-Experten zur besten Strategie, den Eisernen Thron zu erobern.

Von Karoline Meta Beisel

Blöd für Journalisten, wenn gerade ein Großereignis stattfindet, über das sie weniger erzählen können, als Leser und Zuschauer wissen wollen. Nach großen Unglücksfällen werden oft sehr viele Worte darüber verloren, dass man noch nichts weiß. Bei einer Papstwahl wird stundenlang berichtet, dass über der Sixtinischen Kapelle noch kein Rauch zu sehen ist. Und bei dem Trubel um Jan Böhmermanns Erdoğan-Gedicht hat so mancher irgendwann einfach selbst heiße Luft verbreitet.

Nun ist die TV-Serie Game of Thrones keine Staatsaffäre und auch nur zu einem geringen Maß religionsstiftend. Das Problem aber ist dasselbe: Von Sonntag an läuft auf dem US-Sender HBO die sechste Staffel (in Deutschland bei Sky), Millionen wollen wissen, wie es weitergeht. Aber außer Barack Obama - offenbar wirklich der mächtigste Mann der Welt - durfte bisher kaum jemand die neuen Folgen sehen. Obama aber hält dicht, auch wenn eine Journalistin gerade versucht, ihn zur Herausgabe seiner Links oder DVDs zu zwingen. Per Informationsfreiheitsgesetz.

Das Klickbedürfnis der Fans muss also auf anderem Weg befriedigt werden, gerne auch kreativ. Das Magazin 1843, ein neuer Ableger des Economist, erklärt, warum die Königinmutter Cersei Lannister dringend einen Schuldenberater braucht (sie hat einen Kredit bei der Eisernen Bank von Braavos nicht zurückgezahlt, weil sie lieber ihre Flotte erneuern wollte). Einen ähnlichen Ansatz hatte im vergangenen Jahr schon das Wirtschaftsmagazin Forbes gewählt, als es die Frage stellte, warum das fiktive Königreich Westeros eigentlich keine Zentralbank hat, und welche Institution sich dafür eignen würde (die Nachtwache von Westeros, weil sie einigermaßen neutral ist und sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt).

Der angesehene Guardian ließ am Donnerstag den Chefstrategen der britischen Armee erklären, wie die rivalisierenden Clans aus Game of Thrones den Eisernen Thron des fiktiven Königreichs Westeros erobern könnten. Er empfiehlt, dem Gegner den Kampfesmut zu nehmen: "Es ist nützlich, wenn man einen Drachen hat." Er vergleicht das Szenario mit Chemiewaffen, bei denen es auch nicht so sehr um den tatsächlichen Schaden gehe, sondern vor allem um die Angst der anderen: "Dem Gegner muss klar sein, dass er nicht gewinnt, damit er gar nicht erst versucht, zu kämpfen", schreibt Brigadegeneral Roly Walker in seinem Gastbeitrag.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet von Studenten der TU München, die per Algorithmus vorhersagen, welche Serienfigur als nächstes sterben muss: der kindliche König Tommen Baratheon, 97 Prozent Sterbewahrscheinlichkeit, gefolgt von Stannis Baratheon (96 Prozent) und der Drachenprinzessin Daenerys Targaryen (95 Prozent). Das US-Nachrichtenportal vox.com vergleicht die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten mit Figuren aus der Serie: Donald Trump passe demnach am besten in die machthungrige Familie Lannister, ebenso Hillary Clinton, die genau wie die Königinmutter Cersei Lannister eine mächtige Frau in einer von Männern dominierten Welt sei. Bernie Sanders erinnere dagegen an Mance Rayder, den König jenseits der Mauer, der auf das etablierte System in Westeros pfeift.

Spiegel Online bespricht das Backbuch "Game of Scones" (Untertitel: "Back dir den Wolf"), beantwortet aber nicht die Frage, wie sich der Verzehr auf den Body- Mass-Index auswirken würde, den der Münchner Till Hesse für die Figuren aus der Serie ausgerechnet hat (von mageren 19,6 für Cersei Lannister bis 36,1 beim rundlichen Samwell Tarly).

Die Süddeutsche Zeitung ist von derlei Anflügen natürlich vollkommen frei. Hier wird nur berichtet, was die anderen so machen.