Fernsehfilm Sommerhaus, 20 Jahre später

In der kammerspielartigen Liebesgeschichte "Zwei" mit Hauptdarstellern, die zu den talentiertesten ihrer Generation gehören, bekommt die erste Liebe eine zweite Chance.

Von David Denk

Kann ein Film gut sein, in dem ein Mann mit ausgebreiteten Armen in einem Kornfeld steht, eine Frau in ihrer Landhausküche Marmelade einkocht und beide zusammen zu "Creep" von Radiohead durchs Wohnzimmer hopsen? Ja, das geht - wenn die Geschichte stärker ist als diese Klischees. Wie bei Zwei.

Zwei beginnt mit einem Gedankenspiel: Was, wenn diese eine frühe große Liebe nicht so abrupt geendet hätte? Und was wäre, wenn man die Chance bekäme, daran anzuknüpfen? Etwa 20 Jahre nach Fionas plötzlichen Verschwinden laufen sich Martin Meitner, Sohn aus gutem Hause und Familienvater, und eben jene Fiona, das frühere Au-pair-Mädchen der Meitners und Single, in einer Hotelbar wieder über den Weg. Natürlich in einer Hotelbar: dem perfekten Ort für eine Auszeit vom eigenen Leben, an dem vieles möglich erscheint. Auch Sex mit der Ex. Dazu kommt es allerdings erst später, im Wochenendhaus der Meitners an der Ostsee, in das die beiden sich spontan absetzen.

Mit dem Wochenendhaus, einer stolzen Bädervilla, wird der dritte Hauptdarsteller von Zwei eingeführt, die Kulisse, vor der Martin und Fiona eine zweite Chance bekommen. "Als ich das erste Mal hier war, da dachte ich: In so einem Haus möchte man Weihnachten aufwachen", sagt Fiona. "Ja, war auch immer schön hier Weihnachten", entgegnet Martin. "Da konnten wir immer so tun, als wären wir die Familie, die wir den ganzen Rest des Jahres dann gar nicht waren." Sie sind ein ungleiches Paar: Sie ist nach der Schule in die Londoner Musikszene geflüchtet, er begrub seine Träume von der Bandkarriere und stieg in die Firma des Vaters ein. An Rebellion hat er nicht viel mehr zustande gebracht als ein Tattoo am Oberarm.

Zwei ist ein Kammerspiel, das alleine getragen wird von Hans Löw und Katharina Marie Schubert, zwei der begabtesten deutschen Schauspieler ihrer Generation. Der Zuschauer erlebt sie in drei Stadien: im ersten Überschwang des Wiedersehens, als aufgefrischt verliebtes Paar und nach einer abermaligen Trennung. Zumindest einer der beiden ist immer im Bild, meistens beide. Mutig fürs deutsche Fernsehen, in dem man eine kurze Pause von bestimmten Darstellern oder Figuren ja schon manchmal ganz gut gebrauchen kann.

Eine "erwachsene Liebesgeschichte" wollte Regisseurin Ariane Zeller nach dem gemeinsam mit ihrem Ehemann Frank verfassten Buch erzählen. Das ist ihr gelungen: Zwei ist ein Kleinod von einem Fernsehfilm - nicht perfekt, aber besonders: klug, mit lebensnahen, aber nicht neunmalklugen Dialogen, und Figuren, die einem immer nur so sehr auf die Nerven gehen wie sie sich selbst bisweilen.

Am erfreulich offenen Ende lässt Martin mit der Ostseevilla, in der er die letzten Jahre gelebt hat, auch einen Teil seines familiären Ballasts hinter sich. "Wie verabschiedet man sich von einem Haus?", fragt Fiona vor der Tür. Darauf Martin: "Gar nicht, man geht einfach."

Zwei, ARD, 20.15 Uhr.