Ende von DVB-T Luft nach oben

Schon wieder müssen Fernsehzuschauer mit einer Antenne in neue Technik investieren. Die Sender wollen ihrem Publikum mehr bieten, doch in vielen Regionen wird das Angebot nie ankommen.

Von Claudia Tieschky

Der Mann auf dem Plakat mit dem froschgrünen Anzug ist ein Albtraum, und nicht nur wegen der Clownfarbe, sondern weil er behauptet: "Ihr TV-Bild ist bald weg!". Das ist, als Botschaft an die Welt, eine ziemlich froschgrüne Behauptung. Denn richtig ist, es wird in der Nacht zu Mittwoch das bisherige digitale (DVB-T) in vielen Ballungsräumen abgeschaltet, nach und nach folgen alle Regionen. Das TV-Bild der allermeisten Menschen ist aber deswegen nicht weg, sondern da, wo es immer ist. Denn nur neun Prozent der Haushalte nutzen überhaupt die sogenannte Terrestrik (siehe Grafik).

Antennenfernsehen war früher einmal der einzige Weg für Fernsehen, heute ist es eine recht besondere Veranstaltung. Nicht nur, weil die Freunde der angeblich so einfachen Antenne jetzt schon zum zweiten Mal gezwungen sind, sich eine neue Technik anzuschaffen. Schon vor neun Jahren mussten Zuschauer, die nicht auf Kabel oder Satellit umstiegen, sich eine neue Ausstattung zulegen: einen Receiver oder einen Fernseher, der DVB-T-tauglich war. Jetzt haben sie das Spiel schon wieder. Diesmal sollen sie umrüsten auf die Neuheit DVB-T2, was so kaugummiartig klingt, dass Fachleute nur "T2" sagen.

Auf dem Wendelstein befindet sich der höchstgelegene Standort zur Übertragung terrestrischer TV- und Radiosignale.

(Foto: Rohde & Schwarz)

"T2" also hat viele Vorteile, es wird aber einen wesentlichen Nachteil behalten: Antennenfernsehen in voller Schönheit ist eine Erscheinung in Großstädten und Ballungsgebieten, mittelgroße Städte sollen jetzt dazukommen. Auf dem Land aber sind die öffentlich-rechtlichen Sender oft die einzigen, die über Antenne zu empfangen sind. Das wird mit der neuen Technik zwar besser werden, aber eine Versorgung des ländlichen Raums insgesamt mit Privatfunk kommt auch mit T2 nicht.

Generell gibt es die Privaten über Antenne nicht mehr kostenlos, ein Abo bei der Betreiberplattform Freenet TV kostet nach einer Einführungszeit pro Gerät monatlich 5,75 Euro. Dafür kommen RTL, Pro Sieben und viele andere Sender in HD.

Nur eben nicht überall. Das Empfangsgebiet von Freenet TV werde nach wirtschaftlichen Grundsätzen ausgebaut, erklärt ein Sprecher des Netzbetreibers Media Broadcast. Kommerzielle Programme könnten nur dort Sendernetze in Auftrag geben, wo "die Refinanzierung der Verbreitungskosten durch entsprechende Werbeerlöse gesichert ist." Diese Werbeerlöse wiederum berechneten sich auf der Basis der Nutzer von Antennen-TV in einem Gebiet.

Es gebe "leider einige vergleichsweise dünn besiedelte Regionen in Deutschland, welche einen wirtschaftlichen Ausbau zum Empfang von Freenet TV nicht zulassen". Zuletzt konnten demnach nur 60 Prozent der Einwohner Privatsender über DVB-T empfangen, bei T2 sollen es bis Ende 2018 knapp 80 Prozent sein. Es lohnt sich, bei www.freenet.tv einen Test mit der eigenen Postleitzahl zu machen. Allerdings müssen auch solche Zuschauer technisch umrüsten, die nach wie vor nur öffentlich-rechtliches TV bekommen - oder sie steigen um auf Kabel, Satellit oder Web.

Die neuen Abo-Kosten hätten nichts mit dem Netzausbau zu tun, sondern mit dem Aufwand der HD-Ausstrahlung, erklärt eine Sprecherin von Pro Sieben. Nutzer von DVB-T hätten eine "hohe Affinität zu unseren Programmangeboten". RTL ist überzeugt, der Antennenempfang in HD trage zur Attraktivität des Senderangebots bei.

Lob kommt auch von der Politik. Mit DVB-T2 HD werde die Terrestrik besser, sagt Heike Raab, die zuständige Staatssekretärin des in der Rundfunkpolitik federführenden Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Dass die Geräte von DVB-T nicht mit T2 kompatibel sind, sei einer der Gründe, warum man mit der Einführung von T2 in Deutschland bis jetzt gewartet habe.

Der Wechsel hat übrigens auch den Hintergrund, dass ein Teil der bisher vom Rundfunk genutzten Frequenzen im Juni 2015 von der Bundesnetzagentur an die verschiedene Mobilfunkbetreiber versteigert wurde - für die stattliche Summe von knapp 5,1 Milliarden Euro. Statt Rundfunk gibt es dort jetzt mobiles Breitband.