ARD-Reihe Schweiz am Stück

Ungeschnitten: die Schweizer Kommissare (Delia Mayer, Stefan Gubser).

(Foto: Daniel Winkler/dpa)

Der "Tatort" aus Luzern probiert eine Episode ohne jeden Schnitt und erinnert damit an einen der großen deutschen Kinohits der vergangenen Jahre.

Von Katharina Riehl

Das Verhältnis der deutschen Krimireihe Tatort zu ihrem Schweizer Außenposten in Luzern ist traditionell ein kompliziertes, vor allem weil die Fälle fast immer mit einer Trägheit daherkommen, die anhand kultureller Unterschiede eigentlich nicht mehr zu erklären ist. Wenn in Luzern ermittelt wird, ist der Hämeanteil der Twitterkommentare im Tatort-Heimatland gerne noch ein bisschen höher als an einem Durchschnittssonntag - und die Einschaltquote ein bisschen niedriger.

Jetzt aber will man es beim Schweizer Rundfunk offenbar wissen, und hat für seinen neuen Fall nicht nur ein weiteres Mal den Kinoregisseur Dani Levy (Alles auf Zucker) verpflichtet, sondern setzt auch sonst alles auf Kunst. Die vor einigen Tagen abgedrehte Episode mit dem nachweislich falschen Titel "Alte Männer sterben nicht" kommt ohne einen einzigen Schnitt aus, vier Mal wurde der Film mit einer Kameraeinstellung am Stück aufgenommen (zweimal auf Hochdeutsch, zweimal auf Schweizerdeutsch), was schon insofern wagemutig klingt, weil man sich bislang beim Tatort aus der Schweiz eher ein paar schnellere Schnitte gewünscht hätte als gar keine.

Die Idee jedenfalls soll natürlich an Victoria erinnern, einen der größten deutschen Kinohits der vergangenen Jahre, von Sebastian Schipper in Berlin gedreht, sie erinnert aber auch an das letzte künstlerische Experiment der Tatort-Reihe. Der SWR ließ ausgerechnet die Figuren aus Ludwigshafen ohne ein Drehbuch aufeinander los. Der erste improvisierte Tatort in der Geschichte bekam zwar die gewünschte Aufmerksamkeit, aber nicht die gewünschte Zuneigung. "Der schlechteste Tatort aller Zeiten" titelte Bild gewohnt volksnah nach Sichtung des Lena-Odenthal-Krimis, attestiert dem Schweizer Konzept-Tatort nun aber voller Zuversicht einen größeren Wagemut als dem ein oder anderen deutschen Tatort. Gesichtet wird im Frühjahr 2018.