Zwangsversteigerung des Spreeparks Der Spreepark ist nur noch Kulisse

Nach der Pleite in Berlin packte Norbert Witte in einer Nacht- und Nebel-Aktion seine Fahrgeschäfte in Container und schickte sie nach Südamerika. "Spreepark heimlich nach Peru verschickt", titelten die Berliner Zeitungen, "uns bleibt nur das rostige Riesenrad". Doch auch in Lima hatte die Familie kein Glück. Pia Witte ging entnervt zurück nach Deutschland. Norbert Witte blieb mit Sohn Marcel dort - und stürzte vollends ab.

Um doch noch irgendwie an Geld zu kommen, ließ er sich auf ein Drogengeschäft ein. 167 Kilogramm Kokain wollte er 2004 nach Deutschland schmuggeln, Stoff im Wert von etwa vier Millionen Euro, versteckt in einem Fahrgeschäft - dem "Fliegenden Teppich". Witte wurde erwischt und vom Berliner Landgericht zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Sein damals 20-jähriger Sohn Marcel, der die Frachtpapiere unterschrieben haben soll, wurde in Peru zu 20 Jahren verurteilt. Norbert Witte kam nach vier Jahren vorzeitig frei, Marcel sitzt immer noch. Pia Witte trennte sich von ihrem Mann.

Nur vom Spreepark trennte sich bisher keiner der Familie so richtig. Pia Witte ist offiziell Vertragsinhaberin, das Insolvenzverfahren wurde mangels Masse eingestellt. Ihr neuer Lebensgefährte hat mit seiner Sicherheitsfirma den Wachschutz für das Gelände übernommen. Seit zwei Jahren ist der Park an den Wochenenden für Führungen geöffnet, man kann auch mit einer kleinen Eisenbahn einmal rund ums Gelände fahren. Tochter Sabrina Witte verkauft Kaffee und Bratwurst. Und Norbert Witte wohnt dort in einem Wohnwagen.

Der Spreepark ist nur noch Kulisse. Für junge Menschen, die dort am Wochenende hinfahren, um die Ästhetik des Verfalls zu fotografieren und die Bilder vor dem Hochladen ins Netz noch mit einem schicken Retro-Effekt bearbeiten. Für Spaziergänger, die sich an ihre Kindheit in der DDR erinnern. Für Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich einmal mit seiner Frau auf einem umgestürzten Plastiksaurier fotografieren ließ. Für zahlreiche Mode-Shootings, für Filmaufnahmen, für Theaterprojekte, für Popkonzerte. Es steckt halt so hübsch viel Symbolik und Allegorie in einem verlassenen Vergnügungspark.

Wie es mit dem Spreepark weitergehen wird, das weiß niemand so genau. Seit elf Jahren kann sich kein Investor so richtig begeistern, den Erbbaurechtsvertrag zu übernehmen. Der geschätzte Verkehrswert beträgt 1,6 Millionen Euro. Bei der Auktion an diesem Mittwoch müsste mindestens die Hälfte des Wertes geboten werden. Der neue Eigentümer muss dann die Forderungen des Finanzamts zahlen, aber nicht die 15 Millionen Euro Schulden, die die Wittes gemacht haben. Dafür darf das Grundstück bis 2061 genutzt werden. Die Stadt hat zur Auflage gemacht, dass das Areal weiterhin ein Freizeit- oder Kulturpark bleiben muss.

Seitdem aber trotzdem einmal das Wort "Luxus-Bebauung" als Gerücht über eine mögliche Zukunft auftauchte, haben sich - darauf kann man sich in Berlin verlassen - zwei Bürgerinitiativen gegründet. Eine will, dass der Senat den Vertrag übernimmt, um das Grundstück vor Spekulanten zu schützen. Die andere will lieber selbst kaufen und hofft, das Geld nun über Spenden aufzutreiben. Was die Initiative dann mit dem Gelände anfangen will, wissen ihre Gründer noch nicht so genau, ein Natur-Bio-Park ist eine erste Idee.

Für Familie Witte wird es wohl keine zweite Runde geben. Der fliegende Teppich ist endgültig gelandet.