Die Waschmaschine hat mindestens so viel zur Emanzipation der Frau beigetragen wie die Antibabypille.
Die Waschmaschine, so schreibt das Haushaltswarenfachblatt Osservatore Romano, habe mindestens so viel zur Emanzipation der Frau beigetragen wie die Antibabypille. Das stimmt. Besonders im Vatikan, wo die Pille ja leider verboten ist. Nur Waschmaschinen sind erlaubt. Leider gibt es im Vatikan kaum Frauen, die davon profitieren könnten.
Die Erfindung der "Rührflügelmaschine" haben wir ausgerechnet einem Theologen zu verdanken. (© Foto: ddp)
Anzeige
Außerhalb des Vatikans indes können Frauen Beruf und Karriere - dank Erfindung der Waschmaschine - wie auf Knopfdruck miteinander verbinden. Die durch formvollendete Wasch- und Schleuderprogramme gewonnene Freizeit leben emanzipierte Frauen heutzutage gerne in Biomärkten, Dschungelcamps oder Wellnessoasen aus. Womöglich sogar nach regelmäßiger Einnahme von Antibabypillen.
Dass es so weit kommen konnte, haben sie einem Theologen (keinem Katholiken leider, sondern einem Protestanten) zu verdanken: Jacob Christian Schäffern aus Regensburg war es, der die Rührflügelmaschine, den Archaeopteryx aller Zentrifugalautomaten, erfand. Seine 1767 gefertigte Schrift "Die bequeme und höchstvortheilhafte Waschmaschine" gilt noch heute als Meilenstein der Installateur-Prosa.
Giulia Galeotti, Professorin für Zeitgeschichte und Autorin des Artikels im Osservatore Romano, sieht in den Ur-Ur-Ur-Enkeln der schäffernschen Erfindung ein Symbol für die heutige Familie. Auch diese fliege schließlich manchmal auseinander, "als sei ihr Zusammenhalt in eine Schleuder geraten", schreibt Galeotti.
Vorsicht! Diese Bemerkung könnte - im Zusammenhang mit weiblicher Emanzipation geäußert - als subtile Kritik an Waschmaschinen und den durch sie gewonnenen weiblichen Freiheiten verstanden werden. Na, wo seid ihr, ihr Alice Schwarzers und Elke Heidenreichs? Warum gibt es keine Maischberger-Sondersendung zum Thema? Mit Heike Makatsch und Petra Gerster? Und wo ist die saure Gurke wegen Frauenfeindlichkeit an Signora Galeotti? Gibt es denn keinen Aufschrei, keine Empörung?
Nein, gibt es nicht. Und warum? Weil längst auch die Männer waschen, kochen, putzen, bügeln. Und das nicht nur im Vatikan.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 13.03.2009/vs)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Und wem verdankt nun die Frau all die schönen Lebens- und Emanzipationserleichterer?
Genau, dieser verachtenswerten, eher ekligen und auf jeden Fall defizitären Kreatur, die vom Spiegel unlängst im Titel als "Eine Krankheit Namens Mann" bezeichnet wurde.
Sie hat neben der Erfindung der Waschmaschine - einen Großteil zur technischen Evolution beigetragen, die uns allen das Leben erleichtert.
Wer Interesse hat etwas zu Lesen, das im Niveau die Waschküche verlässt und eine sachliche Bestandsaufnahme der Situation liefert, dem sei das Buch "Was vom Manne übrig bleib" von Walter Hollstein ans Herz gelegt. Hollstein lehrt als Professor für politische Soziologie in Berlin, ist Gutachter des Europarates für Geschlechterfragen und Träger des Deutschen Sachbuchpreises.
Hollstein erörtert, ohne in die übliche Abrechnungsmentalität zu verfallen, die schwerwiegenden Konsequenzen, die die Stereotypen und Diffamierungen gegen Männer hervorrufen.
Die Frankfurter Stadträtin für Frauen, Sylvia Schenk, forderte einmal den Perspektivwechsel und die Abkehr von der Diskriminierungen gegen Männer: "Ein Mehr an Chancen für Frauen muss einhergehen mit einem Mehr an Chancen für Männer."
Bislang wurde in der emanzipatorischen Diskussion ja weder das Problemverhalten von Frauen noch die Benachteiligungen von Männern erörtert. Wenn sich Männer verändern sollen, dann nur, damit sie für Frauen noch komfortabler sind.
Von Interesse dazu auch der Artikel aus dem heutigen SPON:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,612997,00.html