Sportmuffel Keine faulen Ausreden!

"Morgen bestimmt", "Wenn es nicht regnet". Vor Bewegung drückt man sich gern. Ein Sportpsychologe erklärt, wie man den Schweinehund überwindet.

Von Bettina Hensel

Professor Hans Eberspächer ist emeritierter Professor für Sportpsychologie an der Universität Heidelberg. Ihn beeindrucken Ausflüchte vor dem Sport wenig. Der Berater von Profisportlern ist der Meinung: Training kann so einfach zur Gewohnheit werden wie das tägliche Zähneputzen.

Nach getaner Arbeit darf man sich gern langmachen.

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suedeutsche.de: Es gibt viele schöne Ausreden, um sich erfolgreich vor sportlicher Betätigung zu drücken. Zu den häufigsten gehört: Ich bin derzeit beruflich so stark eingebunden - heute schaffe ich es einfach nicht mehr ins Fitnessstudio. Lassen Sie das als Argument durchgehen?

Professor Eberspächer: Da gilt der Satz der Sätze: Alles, was ich morgen mache, ist nicht gemacht. Keine Zeit zu haben, ist die billigste Münze, um sich von Verpflichtungen freizukaufen. Dazu zwei Fragen und zwei Feststellungen: Welches ist Ihr wichtigstes System? - Ihr Körper. Wie viele Minuten pro Woche ist Ihnen das System wert? - Hoffentlich mehr, als Sie für Ihr Auto aufwenden.

sueddeutsche.de: Sie sprechen von Minuten. Sollte man denn nicht mindestens fünf Stunden pro Woche Sport treiben?

Prof. Eberspächer: Bereits drei Minuten Bewegung am Tag lohnen sich. Das ist wie beim Sparen. Es rentiert sich schon, einen Euro am Tag in die Sparbüchse zu werfen, um später davon zu profitieren. So hat auch regelmäßiges Training Vorteile: Sie fühlen sich vitaler, belastbarer und können sich bei der Bewegung von den Anstrengungen des beruflichen Alltags erholen.

sueddeutsche.de: Drei Minuten am Tag - das klingt paradiesisch, insbesondere für Bewegungsmuffel und Untrainierte. Wie setzt man das in die Praxis um?

Prof. Eberspächer: Ich empfehle jedem, das körperliche Training in den Alltag zu integrieren. Bevor ich dusche, kann ich ein paar Liegestütze machen oder im Stand fünf Minuten laufen. Das kann zur Routine werden wie das tägliche Zähneputzen. Wichtig ist, die sportliche Bewegung nicht mit einer Ausnahmesituation zu assoziieren. Regnet es zum Beispiel gerade in Strömen, darf ich nicht denken: "Oh, da muss ich jetzt aber meinen inneren Schweinehund überwinden, um ins Fitnessstudio zu gehen." Man sollte es einfach tun.

sueddeutsche.de: Das Bild des inneren Schweinehunds wird von Sportexperten gern bemüht.

Prof. Eberspächer: Davon halte ich nichts. Ich muss ja meinen Schweinehund auch nicht überwinden, um mich zu duschen, zu kämmen oder meinen Körper zu pflegen. Ebenso sollte die tägliche Bewegung bei jedermann zur Gewohnheit werden.

sueddeutsche.de: Können Sie uns Tricks verraten, wie man als Einsteiger mit wenig Aufwand schon etwas Gutes für sich im Alltag tun kann?

Prof. Eberspächer: Ganz einfach: Treppen hoch! Neulich übernachtete ich während eines Kongresses in einem Kurhotel. Nach dem Frühstück standen viele grauhaarige Menschen vor einem Aufzug wie ein Schwarm Bienen vor dem Flugloch. Dabei hätten sie das ein oder andere Stockwerk langsam zu Fuß hochgehen können. Man ist nie zu alt dafür, sondern nur zu faul - sofern man gesund ist. Wenn man die Belastung noch etwas erhöhen will, kann man auch zügig hochlaufen oder sogar noch eine Stufe beim Treppensteigen auslassen.

sueddeutsche.de: 60 Prozent aller Deutschen klagen über Rückenschmerzen. Gibt es dagegen auch eine kleine Übung für den Alltag?

Prof. Eberspächer: Ja, zum Beispiel können Sie morgens nach dem Aufwachen versuchen, im Liegen die Wirbelsäule auf die Matraze zu drücken - vom Steißbein bis zum Hals. Diese Übung kann man auch auf dem Boden machen, das ist eine phantastische Kräftigung.

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