Die Zeiten, in denen die reichen Alten ein genügsames Leben führten, sind offenbar vorbei. Viel lieber geben sie ihr Geld für einen Lebensabend in Luxusdomizilen aus.
Als Rita Herle 75 Jahre alt wurde, wollte ihr eine Freundin das Leben im Altersheim schmackhaft machen. Die beiden Damen fuhren in ein Seniorenstift der Barmherzigen Brüder, sie sahen sich das Haus an, und die Freundin lobte den schönen Ausblick auf die Bäume vor dem Fenster. Frau Herle jedoch war nicht zu begeistern. "Weißt du, was das für Bäume sind", sagte sie erbost zur Freundin. "Das ist das Gestrüpp vom Friedhof gegenüber." Und sie hatte noch Weiteres zu beanstanden: "Erstens: Wo soll ich hier meinen Wagen parken? Zweitens: Es gibt keinen Golfplatz in der Nähe."
Anzeige
Nein, ein Zuhause, in dem es nach gescheuerten Linoleumböden riecht und wo der Tod gleich nebenan wohnt, das kam für Rita Herle nicht in Frage. Stattdessen entschied sie sich für einen Lebensabend in Eleganz und mit Alpenkulisse. Wenige Monate später zog sie in die Seeresidenz Alte Post am Starnberger See - ein Luxusdomizil für betuchte Senioren. Hier ist Frau Herle mit der Aussicht sehr zufrieden: Auf der einen Seite ihres Appartements liegt das Seeufer, weiter rechts beginnen die Berge. Die drei Golfplätze in der Umgebung kann sie leider nicht mehr nutzen, seit ihre Lunge so schwach geworden ist, doch bei schönem Wetter schiebt sie ihren Rollator in den Aufzug und fährt zum hauseigenen Seegrundstück hinunter.
Seniorenresidenzen wie die Alte Post in Seeshaupt gibt es in Deutschland inzwischen mehr als ein Dutzend. Sie sind das Upgrade des Altenalltags - kostspielig, aber mit jeder Menge Extras: Wenn Frau Herle danach ist, kann sie beim Roomservice Kaffee bestellen, das Dampfbad in der mediterranen Wohlfühllandschaft besuchen oder am "Heiteren Gedächtnistraining" teilnehmen. Mittags bekommt sie im Restaurant mit Panoramablick ein Vier-Gänge-Menü serviert.
Im Jugendstilsaal der Residenz finden Lesungen, Kabarettabende und Konzerte statt. Gediegene Events, die ihr das Gefühl geben, "dass das Leben nicht einfach so vorbeihuscht". Dafür zahlt sie gerne mehr als doppelt so viel wie in einem normalen Altersheim.
Vermögende Rentner gab es in Deutschland schon immer. Neu ist, dass sie ihr Geld auch ausgeben möchten. Die Zeiten, in denen die reichen Alten ein genügsames Leben führten, während sich auf dem Konto das Vermögen zu Gunsten der Erben mehrte, sind offenbar vorbei.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...