Roger Moore "James Bond ist überflüssig geworden"

Roger Moore, Filmheld und Unicef-Botschafter, über seinen Einsatz gegen das Töten und Ungleichheit - sowie über James Bond und den Fall der Mauer.

Von F. von Kempis

Der britische Schauspieler Roger Moore wurde an der Seite von Tony Curtis in der TV-Serie "Die Zwei" bekannt. Kultstatus errang er in den siebziger Jahren mit seinen sieben Filmen als "James Bond". Seit seinem Ausstieg aus dem Filmgeschäft engagiert er sich als Unicef-Botschafter für Kinder, außerdem ist der 81-Jährige für die Tierschutzorganisation Peta aktiv.

Roger Moore; AFP

Roger Moore wird überall erkannt - eigentlich schlecht für einen Spion.

(Foto: Foto: AFP)

sueddeutsche.de: Sir Roger Moore, als James-Bond-Darsteller war der Umgang mit einer Waffe für Sie das Normalste der Welt. Wie sieht es im wirklichen Leben aus?

Roger Moore: Schon als ich noch Bond-Filme gedreht habe, mochte ich Waffen nicht. Ich mag das Geräusch nicht. Jetzt weiß ich, was sie der Welt antun und es gefällt mir überhaupt nicht. Waffen werden ja nur durch Gier geschaffen, irgendjemand schlägt da immer Profit draus. Den Aspekt kann ich nicht leiden.

sueddeutsche.de: Eine harte Einstellung für einen ehemaligen Bond-Darsteller ...

Moore: ... Mein eigenes Leben hat nach James Bond eine Wende genommen. Die Rolle der Waffe in der Sportwelt gefällt mir überhaupt nicht. Tiere aus "Sport" zu erschießen, ist mir zuwider. Ich kann auch nicht verstehen, wie man vom humanen Töten von Tieren sprechen kann - wenn man doch ganz offensichtlich etwas tötet. Das ist nicht sehr human.

sueddeutsche.de: In der Konsequenz glauben manche, getötete Tiere nicht essen zu wollen. Sind Sie Vegetarier?

Moore: Nein, aber ich gehe auch nicht raus und schieße ein Tier ab. Bedauerlicherweise zeigt unser physikalischer Aufbau, dass wir als Pflanzen- und Fleischfresser leben sollten. Wir können zwar Gras essen, aber wir brauchen eben auch Fleisch. Aber ich esse nicht viel davon, da ich nicht glaube, dass zu viel rotes Fleisch gesund ist. Bei Foie gras (deutsch: Stopfleber; Anm. d. Red.) hört es allerdings für mich auf, das ist einfach zu grausam.

sueddeutsche.de: Sie sind nicht nur ein Verteidiger der Tiere, sondern sind auch als Unicef-Botschafter für Kinder unterwegs. Wie wichtig ist Ihnen Ihr soziales Engagement?

Moore: Ich denke, wenn man einmal gesehen hat, wie das Leben in den Entwicklungsländern ist, dann merkt man, dass all solches Engagement viel wichtiger ist, als Filme zu machen. Wenn man erst einmal gesehen hat, was eine Dürre anrichten kann, was Armut den Menschen antut, wie sich fehlende Ausbildung auswirkt und wie sich Krankheiten aufgrund von Unwissen und fehlender Bildung verbreiten.

sueddeutsche.de: Spielt Ihre Berühmtheit keine Rolle dabei?

Moore: Ich bin natürlich sehr dankbar, dass ich Filme und Fernsehen gemacht habe. Das macht mich zu einem Teil einer bestimmten Plattform, die über die Belange der Kinder dieser Welt redet. Wäre ich irgendjemand, würde es ja niemanden interessieren, was ich erzähle.

sueddeutsche.de: In Ihrem neuen Buch beschreiben Sie den Wandel der Figur von James Bond. Wie sehen Sie die Entwicklung vom Gentleman zur Killermaschine, den Bond im Film durchlaufen hat?

Moore: Ich mag die ganze Gewalt eigentlich nicht, aber das heißt ja nicht, dass es dem Publikum nicht gefällt. Die Leute mochten es ganz offensichtlich. Mir persönlich hat Daniel Craigs Performance als Bond aber sehr gut gefallen.

sueddeutsche.de: Wie kommt diese Entwicklung Ihrer Meinung nach zustande?

Moore: Die einzelnen Bonds ändern sich natürlich. Unterschiedliche Schauspieler spielen sie in unterschiedlichen Zeiten. Sean Connery hat Bond zum Beispiel mehr oder weniger so gespielt wie der Autor Ian Fleming ihn geschrieben hat. Bis auf den schottischen Akzent. Dann kam ich und ich hielt Bond nie für den glaubwürdigsten aller Spione.

sueddeutsche.de: Was meinen Sie damit?

Moore: Denken Sie einmal darüber nach: James Bond wird weltweit in jeder Bar erkannt, jeder Barkeeper weiß, dass er seinen Martini geschüttelt, nicht gerührt haben will. Einen Spion sollte doch eigentlich keiner kennen, oder?

sueddeutsche.de: Wie sahen Sie denn "Ihren" Bond?

Moore: Also, ich habe Bond immer mehr für den Humor der Figur gespielt. Ich fand, das Ganze war oft wie ein Cartoon-Strip. Allein all die unmöglichen Situationen, aus denen er sich herauswindet.

sueddeutsche.de: Wie sieht das Geheimnis eines erfolgreichen Bond-Films aus?

Moore: Der Erfolg liegt meiner Meinung nach darin, dass das Publikum dabei nicht betrogen wird. Es gibt wunderbare Drehorte, glamouröse Frauen, Action und Gefahr - und für mich war es eben immer Action mit einem bisschen mehr Humor dazu.

sueddeutsche.de: In Deutschland wird in diesem Jahr 20 Jahre Mauerfall gefeiert. Was bedeutete dieses Ereignis für Sie, als Darsteller eines Protagonisten im Kampf zwischen Ost und West?

Moore: Ich denke, es ging mir, wie es allen nach dem Fall der Mauer ging. Das bedeutete einen großen Wechsel, den Anfang vom Ende für das sowjetische Reich, die Freiheit für Länder wie Ungarn oder Rumänien. Mit dem Fall der Mauer ist eine Figur wie James Bond aber eigentlich überflüssig geworden.