Pornoheft für Mädchen Nackte Jungs von nebenan

Zwei Kölnerinnen sind in eine Marktlücke gestoßen: Ihr Jungsheft zeigt ganz normale Männer - mit und ohne Hose und noch mehr. Für Frauen, die das sehen wollen.

Von Mirja Kuckuk

Wenn Tim sich auszieht, hat das etwas Lustiges. In T-Shirt und mit nackten Beinen steht er da in der kahlen Wohnung, am Fenster, und raucht erstmal eine. Die Abendsonne wirft zwar einen Schatten auf seine Hüfte, aber den tannengrünen Baumwollslip sieht man trotzdem. Seine Absicht ist klar, und deshalb erscheint auch dieses verschmitzte Lächeln auf seinem Gesicht: Er wird gleich ohne Hose dastehen und sich dabei fotografieren lassen.

Jungsheft

Das Jungsheft ist immer auf der Suche nach Jungs, die sich trauen. Denn so inkognito bleibt hier keiner.

(Foto: Foto: Jungsheft)

Dort, wo die meisten Halt machen würden, machen die Models im Jungsheft weiter. Sie lassen nicht nur die Unterhose fallen, sondern legen sich auf ihre Wohnzimmercouch und halten ihren erigierten Penis in die Kamera. Klingt logisch, es ist ja auch ein Pornoheft. Nur: Die Models sind ausschließlich Laien. Typen, denen man täglich im Treppenhaus begegnet oder die in der Supermarktschlange hinter einem stehen.

Wenn Tim sich sein Poloshirt vom Leib reißt, wirkt er dabei nicht überaus sexy, aber so natürlich, dass sich der Betrachter direkt bei ihm in der Wohnung wähnt. Womit wir bei der Philosophie des Jungshefts wären: "Wann sehen wir schon mal ganz normale Typen nackt?", fragt Elke Kuhlen, eine der Herausgeberinnen. "Doch nur, wenn es schon zu spät ist: Wenn wir neben ihnen im Bett liegen!"

Gelangweilt von den Frauenzeitschriften mit ihren Schmink- und Flirttipps und enttäuscht vom Playboy-Pendant Playgirl, haben sich Elke und Nicole Rüdiger ihr Wunsch-Magazin selbst entworfen. "Wir sind ohne jegliche wirtschaftliche Überlegung gestartet, haben einfach unser Sparkonto geplündert und möglichst viele Freunde animiert mitzumachen", erzählt die 28-Jährige, die bei einem Kölner Festivalveranstalter arbeitet.

2005 erschien die erste Ausgabe des Pornohefts in Handtaschenformat. Erst hieß es Lecker, dann Glück, beim Namen der aktuellen, vierten Ausgabe soll es nun bleiben. Die Freizeit befreundeter Grafiker, Fotografen, Ideengeber und ausziehwilliger Freunde steckt in dem glänzendem DIN-A5-Heft. Je nach Zeit- und Geldbudget der Macherinnen erscheint es in einer Auflage von 2000 Exemplaren.

Doch wollen Frauen das wirklich sehen, wenn Sebastian und Jonathan zu Hause auf dem Sofa an ihrem besten Stück rumspielen? "Wir sind erst einmal ganz subjektiv von unseren Wünschen ausgegangen", gibt Elke zu. "Natürlich gibt es Freundinnen, die das überhaupt nicht anspricht, aber wir haben genügend Leserinnen, die uns ermuntern, weiterzumachen." Und da Frauen sich nicht ausschließlich für Sex interessieren, gibt es unter anderem Interviews mit "coolen Frauen" (zu denen zählt Rockband-Masseurin Dr. Dot) oder mit Musikern wie den Elektronik-DJs International Pony.

Auch wenn sich die Hobby-Chefredakteurinnen manchmal den Marketingtopf eines Verlagshauses wünschen, um auch die "interessierte Studentin in Kiel" mit ihrem Heft zu erreichen, genießen sie doch die pure redaktionelle Freiheit: "Wir erklären Themen wie 'Ausfluss' und lassen Jungs von ihren liebsten Stellungen erzählen."

Es waren eben jene Jungs, die sich von Elke und Nicole auf Partys zum Mitmachen überreden ließen, die irgendwann nach einem "Mädchenheft" für den Mann fragten. Gefragt, getan: Seit dem 1. April gibt es das Giddy-Heft, das sein will wie die Jungsversion. Erfrischend abseitig, ohne in der Schmuddelecke zu landen, und mit Models, die auf eine beschönigende Photoshop-Pose verzichten.