Kolumne: Mein Bauch gehört mir Am Stichtag fett!

Trotz eines unglaublichen Zwischenspurts sind die geplanten 15 Kilo noch nicht runter - unser Autor ist immer noch zu dick. Aufgeben ist jedoch nicht! Es muss weitergehen.

Von Jürgen Schmieder

Es war im Januar, als ich mir in den Kopf gesetzt habe, bis zum meinem Geburtstag 15 Kilo abzunehmen. Die aufmunternden Worte der Kollegen ("Dafür bist du viel zu faul und verfressen!") und die verständnisvollen Briefe der Leser ("Wenn Sie so weitermachen, können Sie schon mal beim Leichenbestatter einen Termin ausmachen!") haben mir sehr geholfen.

Mein Bauch gehört mir!

"Der nimmt ja gar nichts ab!" - von wegen!. Nur nicht so schnell wie geplant. Rom brauchte Zeit zum Aufbau, ich brauche Zeit zum Abbau.

(Foto: Foto: iStock-Photos)

Der Stichtag für Projekt 15 kam nun schneller als erwartet. Da diätet man so fröhlich vor sich hin, plötzlich sagt unser Produktmanager "Mensch, Du hast doch am 21. Juni Geburtstag, oder? In acht Tagen ist es soweit!" Acht Tage? Ach herrje! Plötzlich war ich aufgeregt wie damals vor dem Abschlussball des Tanzkurses in der zehnten Klasse. Nur ging es damals nicht ums Abnehmen, sondern darum, keine blöde Figur zu machen, wenn ich zum ersten Mal in einen Anzug gequetscht werde und eine Frau mit einstudierten Tanzschritten beeindrucken muss.

Ist die Zeit schnell vergangen! Diese Woche habe ich neben nervösem Herumhibbeln vor allem damit zugebracht, eine persönliche Liste zu erstellen mit den Diäten, die mir aufgefallen sind. Hier ist sie:

Die lustigste Diät: Mit Bier zum Idealgewicht Mal ehrlich: Kann es eine schönere Diät geben als jene, bei der man am Samstagmorgen ein Bier zapft, in seiner Hosentasche eine Taxi-Rechnung über 20 Euro findet und beschließt, dass wildfremde Menschen plötzlich beste Freunde sind?

Die erotischte Diät: Strippen fürs Traumgewicht Nur zwei Sätze: 1.) Carmen Elecra vollführt in einem Video ein Strip-Aerobic-Programm. 2.) Meine Frau hat es auch ausprobiert.

Die ungewöhnlichste Diät: Hypnotisier mir das Fett weg! Sagen wir es so: Da sorgt einer mit einem Fingerschnippen dafür, dass ich einschlafe. Dann kniet er vor mir und flüstert mir Dinge ins Ohr: "Du hast keine Lust mehr auf Süßigkeiten, Du willst einen leckeren Salat." Klingt komisch? Isses auch!

Die coolste Diät: Ich bin ein Joystick Ich bin der Tasmanische Teufel, der wie verrückt vor einem Fernseher herumhoppelt und dabei Übungen ausführt, die ein Computer-Trainer diktiert. Prima Sache. Denn nebenher kann man den Freunden mal zeigen, wie der Fred-Feuerstein-Shuffle beim Bowlen funktioniert und dass die Tennis-Rückhand auch an der Konsole funktioniert. Dass man sich dabei für die Nachbarn zum Horst macht, ist egal. Ich bin ja drei Wochen später umgezogen.

Ziel verfehlt - macht nix, es geht weiter

So, die 25 Wochen sind nun also vorbei. Ich habe insgesamt acht Kilo verloren (siehe Tabelle), das Körperfett um 5,8 Prozentpunkte reduziert, den Body-Mass-Index um 3,6 Punkte. Da sage ich: tolle Wurst. Denn das große Ziel wurde eindeutig verfehlt.

Das Problem dabei ist, dass ich von meinen Kollegen und Freunden immer noch gehänselt werde. Stellen Sie sich das mal vor: Heute morgen kommt der Geschäftsführer in mein Zimmer und sagt: "Alles Gute zum Geburtstag. Ich habe mit ein paar Leuten über deine Diät gesprochen. Die haben gesagt: Der nimmt ja gar nichts ab!" Und geht aus dem Zimmer. Einfach so. Der Produktmanager vergleicht mich inzwischen nicht mehr mit einem Klavier, sondern mit einem Kontrabass.

Nein, das kann ich nicht auf mir sitzen lassen! "Projekt 15" geht weiter - es dauert eben ein wenig länger. Rom brauchte Zeit zum Aufbau, ich brauche Zeit zum Abbau. Deshalb wird verlängert. Aber was tun?

Jetzt kommen Sie ins Spiel, liebe Leser: Durch Ihre Post bin ich auf zahlreiche Diäten gestoßen, von denen ich vorher noch nie gehört hatte. Da gibt es die Boot-Camp-Diät von Billy Blanks, dem Hollywood-Sternchen-Trainer mit Faible für militärische Sprechweise. Der verspricht, jemanden wie mich innerhalb von sieben Tagen fit zu bekommen - oder er gibt einem das Geld zurück. Halt schon mal einen Scheck bereit, Billy, ich bin wild entschlossen.

Dann gibt es Extrem-Mountain-Biking in der Schweiz. Eine Woche lang soll ich radeln, bis die Waden krachen - und das auch noch mit ärztlicher Anleitung. Es gibt die Nike-plus-Diät, bei der ich per iPod gegen Menschen aus London und Tokio antreten kann. Jeder Schritt wird gespeichert, die Geschwindigkeit, der Trainingserfolg.

Und dann gibt es freilich noch "Shaky", den Wundersaft des Art Directors der Süddeutschen Zeitung. Ach ja: Jemand hat mir die Handy-Diät vorgeschlagen. Ich habe keine Ahnung, was das sein könnte, aber versuchen sollte man das doch einmal.

Ich finde: Diese Diäten gehören ausprobiert. Und da ich meinen Kollegen diesen ersten Triumph nicht gönne, muss ich einfach weitermachen.

Hier geht's zur Tabelle mit den Ergebnissen, dem Gewichts-Check und anderen Informationen: