Kinder und der Tod "Was macht der Opa denn im Himmel?"

Wie kann man Kindern den Tod vertrauter Menschen erklären? Auf jeden Fall sollte das Thema kein Tabu sein, sagen Fachleute.

Von Eric Hofstiepel

Bei einem Trauerfall in der Familie stehen Eltern vor der schwierigen Frage, wie sie ihren Kindern den Tod erklären sollen.

Die Töchter des ehemaligen Regierungssprechers Peter Boenisch auf dessen Beerdigung.

(Foto: Foto: dpa)

Manche versuchen aus gut gemeinter Rücksicht ihrem Kind einen größtmöglichen Abstand zum Geschehen zu geben: Sie vermeiden, vor ihrem Kind zu weinen, sie lassen es nicht mit zur Beerdigung gehen und der Tod wird ihm mit ausweichenden oder sogar verfälschenden Worten veranschaulicht.

Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass Kinder genauso Zeit und Gelegenheit zum Trauern benötigen wie ein Erwachsener auch.

Trauer ist wie jedes Gefühl individuell. Auch für ein Kind hängt die Art seiner Gefühle davon ab, wer gestorben ist und unter welchen Umständen er gestorben ist. Und natürlich spielt auch das Alter des Kindes eine Rolle: Kinder bis sechs Jahre beispielsweise sind gar nicht in der Lage, den Tod als etwas Endgültiges zu begreifen, so die Erfahrung der Experten der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland Pfalz.

Nennen Sie die Dinge beim Namen!

Das Begreifen des Todes entwickelt sich erst in den darauffolgenden Jahren: Allmählich entsteht ein Bewusstsein dafür, dass alles Lebendige einmal sterben muss einschließlich man selbst. Diplompsychologin Ines Schäferjohann vom Bremer Zentrum für trauernde Kinder empfiehlt, mit Kindern altersgerecht, aber mit klarer und ehrlicher Sprache zu reden:

Eltern sollten Begriffe wie Tod, Sterben, Selbsttötung und auch das Wort endgültig nicht scheuen. Eine sprachliche Abmilderung kann unter Umständen Ängste auslösen, die Erwachsene gar nicht überblicken können. Die Umschreibung des friedlichen Einschlafens kann bei Kleinkindern beispielsweise Angst vorm Einschlafen auslösen.

Ines Schäferjohann hat in ihrem täglichen Umgang mit betroffenen Kindern festgestellt, dass es für diese wesentlich ist, den Prozess des Sterbens als Schnittstelle zwischen Leben und Tod zu begreifen. Dass der tote Opa nichts mehr sehen und hören kann, dass er keine Schmerzen mehr hat und nicht friert, sind für Kinder wichtige Informationen, die sie in ihrer Trauerarbeit einordnen können. So ist der Satz Gott hat den Opa zu sich geholt für Kinder im Prinzip zu abstrakt. Andererseits können religiöse Überzeugungen aber Hilfe und Trost spenden, wenn sie sich auf die Frage beziehen, was nach dem Tod passiert.

Wichtig für die Kinder ist oft auch die Teilnahme an der Beerdigung: Denn dieses Abschiedsritual ist eine der wenigen Situationen, in denen das Thema Tod nicht tabuisiert wird und die seine Normalität im Leben bezeugen. Das heißt natürlich nicht, dass man Kinder zwingt mitzukommen.

Wenn man erklärt, wie eine Beerdigung vonstattengeht, sind sie meist selbst in der Lage zu entscheiden, ob sie mitkommen möchten. Dabei sollten sich die Eltern auch auf kurzfristige Umentscheidungen einstellen. Auf der Beerdigung kümmert sich dann im Idealfall ein vertrauter Erwachsener um das Kind. Möchte es dann doch lieber wieder gehen, sollte dieser bereit sein, mit dem Kind die Beerdigung wieder zu verlassen.

Wie Eltern sich nach der Beerdigung verhalten sollten, lesen Sie hier