Heimwerkerabende für Frauen Hammer-Frauen

Frauen im Baumarkt sind nichts ungewöhnliches mehr - 43 Prozent der Kunden sind inzwischen weiblich.

Der Baumarkt war mal der letzte Rückzugsort des Mannes. Doch das ist jetzt anders. Auch Frauen bohren, dübeln und fliesen - nachts und nur unter sich. Heimwerkerabende für die weibliche Kundschaft boomen.

Von Hannes Vollmuth

Manchmal beginnt etwas Großes ganz klein, zum Beispiel mit einem Loch. Denise bohrt. 20:25 Uhr, ein Bauhaus-Markt in Köln-Kalk, Gang 65. Die Bohrmaschine ist klein und leicht, bohrt und bohrt und frisst sich durch Beton, bis Dreck auf Denise' Turnschuhe springt. Egal. Egal auch der Lärm, das Lachen der anderen Frauen, die Handy-Videos, die Haare, die ihr aus dem Zopf rutschen. Denise bohrt.

"Jetzt sind Sie gleich beim Nachbarn", sagt der Bohrmaschinen-Mann von Bauhaus. Männerhumor - das ist das Problem.

Ein neuer Trend flutet die Regalschluchten der deutschen Baumärkte: Heimwerkerabende für Frauen, die dübeln wollen, fliesen, bohren, Laminat verlegen, am Siphon schrauben. Es gab schon Frauen, die wollten elektrische Leitungen verlegen, aber das lassen die Sicherheitsbestimmungen des Baumarkts nicht zu.

Das Prinzip: Ein männerleerer Baumarkt und viele Frauen, die lernen wollen, wie Heimwerkern geht. Es kommen Singles, Ehefrauen, Geschiedene, Studentinnen, die eine WG gründen, Witwen. Manche zum zweiten Mal.

Alleine an diesem Abend in Köln-Kalk versammeln sich 400 Frauen in den gefliesten Gängen. Bauhaus, Hornbach, Obi, Globus - alle berichten von dreistelligen Anmeldezahlen für ihre Frauenkurse, die sie "Women at Work" nennen, "Hammerfrauen Workshop", "Macherinnen", "Women's Night", "Frauenpower-Abend". Ein Baywa-Markt in Würzburg hatte einmal 600 Anmeldungen für den ersten Frauenabend. Der Marktleiter kapitulierte. Und organisierte einen weiteren Termin. Es laufe brutalst gut, sagt er.

Auf dem Boden knirscht der Dreck

Die neue Begeisterung für das Do-it-yourself ist eigentlich alt. Vor 60 Jahren emanzipierten sich die Männer von den Handwerkern und verhalfen den Baumärkten erst zu ihrem Erfolg. Bei der neuen Do-it-yourself-Bewegung sind es die Frauen, die sich emanzipieren: von den Handwerkern im Speziellen und den Männern im Allgemeinen.

21 Uhr. Auf Denise' Pulli klebt der Staub, sie klopft ihn nicht ab. Links kreischt die Säge, rechts brummt der Bohrer. Auf dem Boden knirscht der Dreck. Heimwerker-Euphorie, 15 Regalmeter lang.

Denise ist gerade mit ihrem Freund zusammen gezogen. Ihr Freund besitzt Werkzeug: Bohrer, Schraubenzieher, Hammer, er hat eigentlich alles, was man so braucht. "Darf ich nicht nehmen", sagt Denise, "er sagt, ich mache alles nur kaputt." Sie lässt den Satz im Raum stehen, bis der Lärm ihn schluckt.

Hinter Denise steigt eine Frau mit Schlauchschal auf eine Bierbank und schaut, was vorne passiert. Monika ist 54 Jahre alt und verheiratet. "Beim Bohren zu Hause bin ich immer dabei", sagt Monika. "Staubsauger halten." Wenn die Klospülung klemmt oder das Schlafzimmer einen neuen Anstrich vertragen kann, macht das Monikas Mann. Manchmal dauert es Wochen. Oft Monate. "Und mein Mann pfuscht immer nur", sagt Monika, springt von der Bank und geht zum Werktisch. Die Stichsäge gleitet wie durch Butter.

Heimwerkerabende für Frauen gibt es wegen der Männer, das sehen auch die Männer so. "Die haben einfach jeden Kurs versaut", sagt der Stichsägen-Mann in Köln-Kalk. Ein dummer Spruch jagte den nächsten. Und mit jedem Schenkelklopfer bröckelte das Selbstvertrauen der Frauen wie alter Beton. Nach einem Frauen-Kurs in Duisburg bekam er Besuch von einem Mann: "Spinnst du, meiner Frau zu sagen, ich säge falsch?"