Tamiflu gilt als Waffe gegen eine mögliche Vogelgrippe-Epidemie beim Menschen. Doch es könnte bereits Vögel mit resistenten Viren geben.
Wenn die Vogelgrippe den Menschen angreift, gibt es nur zwei Waffen. Und die eine nutzt sich schon ab, obwohl sie noch gar nicht richtig eingesetzt wurde. Wirklich dringend benötigt werden Grippe-Medikamente, sobald die nächste große Grippewelle um die Welt geht - zum Beispiel ausgehend von dem derzeit in Asien grassierenden Vogelgrippevirus H5N1.
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In so einem Ernstfall aber könnte das Grippemittel Tamiflu vom Hersteller Roche schon wirkungslos sein. Dass immer häufiger Grippeviren entstehen, gegen die das Mittel nichts mehr ausrichten kann, hatten Meldungen aus aller Welt bereits befürchten lassen.
Doch nun kommen schwedische Wissenschaftler noch mit einer neuen Warnung. Demnach ist die aktive Komponente von Tamiflu ausgesprochen widerstandsfähig. Sie wird von Menschen, die das Mittel eingenommen haben, unverändert ausgeschieden und übersteht dann sogar die Abwasserreinigung in Kläranlagen, berichten Chemiker und Virologen von den Universitäten in Uppsala, Umea und Kalmar (Public Library of Science One, Bd.10, S.e986, 2007).
Enten als Brutstätte
Auf diese Weise, warnen die Forscher, kann Tamiflu in seiner aktiven Form in Gewässer gelangen. Eben dort aber trifft es auf Wasservögel, welche als die ursprünglichen Wirte der Vogelgrippe gelten. "In infizierten Enten könnten so resistente Viren entstehen, die mit den Fäkalien in die Umwelt gelangen", sagt der Studienleiter Björn Olsen.
Seit Jahren sorgen sich Grippeexperten, dass sich das unter Vögeln hochansteckende und meist tödliche Grippevirus vom Typ H5N1 zu einem Erreger wandelt, der unter Menschen einen Seuchenzug antritt. Das hat viele Regierungen dazu gebracht, für die Bevölkerung die beiden einzigen verfügbaren Grippemittel millionenfach einzulagern, Tamiflu und Relenza vom Konkurrenten GlaxoSmithKline.
Tamiflu, das im Gegensatz zu Relenza nicht inhaliert werden muss, sondern einfach als Tablette geschluckt werden kann, hat dadurch solche Berühmtheit erlangt, dass auch Privatpersonen es in ihren Kühlschränken horten.
In Japan ist die Angst vor der Vogelgrippe und die Begeisterung für Tamiflu inzwischen so groß, dass viele Menschen das Medikament schon einnehmen, wenn sie nur einen Schnupfen haben. Denn das Mittel hat einen entscheidenden Nachteil: Es wirkt nur, wenn es sehr schnell nach der Ansteckung eingenommen wird - am besten noch vor dem Auftreten der ersten Grippe-Symptome.
Der allzu schnelle Gebrauch aber rächt sich bereits. Immer wieder müssen japanische Ärzte feststellen, dass ihre Patienten an einer Grippe leiden, die sich nicht mehr mit Tamiflu behandeln lässt.
Schon im Jahr 2004 berichteten Wissenschaftler von der Universität Tokio, dass während einer Behandlung ausgesprochen schnell Resistenzen entstehen. Bereits vom vierten Behandlungstag an fanden die Forscher mutierte Viren, denen Tamiflu nichts mehr ausmachte.
"Die meisten Tamiflu-resistenten Virenstämme sind bisher jedoch bei Patienten entdeckt worden, die selbst gar nicht mit dem Medikament behandelt worden waren", gibt Björn Olsen zu bedenken. Sie haben sich mit den Viren womöglich bei behandelten Grippe-Patienten angesteckt, wie zuletzt von sieben Personen aus Japan berichtet (Journal of the American Medical Association, Bd.297, S.1435, 2007). Die Viren könnten aber auch in der Umwelt entstanden sein - entweder spontan, wie schon in Australien geschehen, oder eben durch Tamiflu aus dem Abfluss.
Wie groß der Beitrag des Abwassers ist, kann derzeit niemand sicher sagen. "Die Publikation aus Schweden wurde bisher nur in die Public Library One gestellt, sie wurde von keinem Wissenschaftler begutachtet", betont der Influenza-Experte Stephan Becker vom Robert-Koch-Institut. Gleichwohl sei die Entdeckung eine weitere Mahnung, Tamiflu nur im Notfall zu nehmen - und zu verschreiben. In Japan, sagt Jerker Fick aus der schwedischen Arbeitsgruppe, geben Ärzte das Mittel bereits jedem dritten Grippe-Kranken.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 10.10.2007)
Endgültiger DFB-Kader für EM
Die Vogelgrippe soll uns schon seit Jahren als eine bedrohliche Welle verkauft werden, die nur durch ein Heilmittel zu stoppen ist - Tamiflu. Kaum das Sommerloch in Sicht, schon gibt es drei Enten an irgendeinem See, die mit dem hochgefährlichen H5N1-Virus infiziert sind. Sobald eine Spalte frei wird in den Zeitungen, liest man von ein paar verendeten Hühnern auf einem englischen Bauernhof, die eine europaweite Vogelgrippewelle befürchten lassen. Eine einzige Rettung wieder in Sicht - Tamiflu.
Und jetzt? Schlucken die Menschen Tamiflu schon bevor ein Vogelgetier daran verendet ist! Das nennt man erfolgreiche PR...
Aber - oh Wunder, Tamiflu gerät jetzt selbst ins Abseits - aus welcher Ecke kommt nun diese Meldung? Wohl der Hersteller eines neuen Anti-Vogelgrippevirusmittel am Horizont? Die nächsten Wochen werden es zeigen.
Warte nun auf eine Meldung, die in etwa so klingt: Henne in Ostfriesland beim Baden verendet, der hochgefährliche H5N1-Virus steht im Verdacht... jetzt können Sie sich mit Timaluf sicher schützen!
Wetten werden angenommen :-)
wenn das stimmt, was uns die Wissenschaftle hier präsentieren, muss es sich wohl um den lange erhofften Nachweis der Wirksamkeit von Homöopathie handeln, nimmt man die maximal denkbare Menge des ausgeschiedenen Wirkstoffs im Verhältnis zur aufnehmenden Menge ("Gewässer"). Warum kann man es nicht bei dem ebenso sinnvollen wie einfachen Appell belassen, mit hochwirksamen Medikamenten sorgsam und verantwortungsvoll umzugehen?Würde man alle Wissenschaftler (und Medien) bei solchen Meldungen vergattern, je 5 ins Katastrophenschweinderl zu zahlen, käme wohl ein signifikanter Beitrag zur Sanierung des Staatshaushalts zusammen
Sie haben nicht verstanden, worum es geht. Das Medikament wurde übermäßig und falsch eingenommen, also ist kaum die entwickelnde Firma Schuld.
Ich will die Pharmaindustrie nicht schützen, da läuft sehr vieles aus dem Ruder aufgrund von enormen Geldsummen, die da kriminelle Begehrlichkeiten schüren. Aber Ihre mittelalterliche Uninformiertheit gepaart mit dem Drang, die Meinung rauszuposaunen, ist noch schlimmer. Ohne den Medizinfortschritt wäre das Leiden heute deutlich schlimmer. Verlieren Sie die Verhältnismäßigkeit nicht aus den Augen, solange Sie gesund sind, das könnte böse werden, wenn sie mal erkranken.
Also behalten Sie bitte Ihren Ruf nach der alten Kräuterschule oder nach was für Quacksalberei auch immer für sich.
"Die meisten Tamiflu-resistenten Virenstämme sind bisher jedoch bei Patienten entdeckt worden, die selbst gar nicht mit dem Medikament behandelt worden waren", gibt Björn Olsen zu bedenken. Sie haben sich mit den Viren womöglich bei behandelten Grippe-Patienten angesteckt, wie zuletzt von sieben Personen aus Japan berichtet.
Bravo. Wie schon mit HIV, welches vermutlich durch mutiertes AIV (sowas wie HIV bei Affen) bei der Pockenimpfungproduktion/erforschung (von einem europäischen Wissengschaftler) in Afrika entstanden ist, wieder gleiche Situation.
Ein Mittel, das helfen soll, verursacht noch mehr Schaden.
Und dafür kassieren Unternehmen Unsummen an Gewinnen.
Die sollten Strafe zahlen bzw verboten werden.
Wenn man Heilpraktiker werden möchte, muss man beweisen, dass man keine Gefahr für die Volksgesundheit ist - Pharmaunternehmen scheinen davon ausgeschlossen zu sein.
Meine Meinung: Zurück zu den Wurzeln (Heilkräuter) - soweit wie es geht.