Fleischkonsum Ein Hoch auf die Flexitarier

Sich ein bisschen verherrlichen, weil man auch mal Gemüse isst? Warum nicht - Umwelt und Tiere profitieren von jedem nicht gegessenen Schnitzel.

Es ist schick, zu behaupten, man esse wenig Fleisch und wenn, dann nur bio. Echte Vegetarier und Veganer halten diesen Lifestyle oft für inkonsequent. Doch jedes Schnitzel, das nicht gegessen wird, hilft Umwelt und den Tieren.

Ein Kommentar von Barbara Vorsamer

"Echte" Vegetarier oder gar Veganer verachten sie oft ein wenig: die Flexitarier. Die steigende Anzahl an Menschen, die - einem hippen Lebensgefühl und ein wenig auch dem schlechten Gewissen folgend - auf Fleisch verzichtet. Manchmal. Wenn es gerade passt. Und wenn die vegetarische Alternative in der Kantine lecker aussieht. Diese Menschen freuen sich an Weihnachten dann trotzdem auf den Rehbraten, und wenn sie nachts um drei nach dem Ausgehen der Hunger packt, darf es auch ein Döner sein.

Es ist schick, zu behaupten, man esse wenig Fleisch und wenn, dann nur bio. Gleichzeitig ist der Fleischkonsum in Deutschland nur um zweieinhalb Kilo pro Kopf im vergangenen Jahr gesunken - das entspricht etwa zehn Portionen Fleisch. Zyniker sagen: Der Deutsche hat es im Schnitt höchstens einmal im Monat geschafft, auf das Schnitzel zu verzichten.

Optimisten allerdings sagen: Ein Rückgang von 89 auf 86,5 Kilogramm Fleisch pro Person ist ein Rückgang von etwa drei Prozent. Drei Prozent der in Deutschland geschlachteten Tiere 2012, das entspricht etwa 20 Millionen Hühnern, 1,7 Millionen Schweinen und 97.000 Rindern. Ein geringer Anteil - trotzdem große Zahlen.

Nachhaltiger Konsum ist nicht einfach

Millionen von Tieren würden nicht geschlachtet werden, wenn jeder Deutsche einmal pro Woche auf Fleisch verzichtet. Gönnen wir es den Menschen, sich als Flexitarier hip zu fühlen, auch wenn sie damit nicht ihre Konsequenz unter Beweis stellen.

Es geht nicht darum, dass jeder sich zu hundert Prozent an die Regeln des nachhaltigen Konsums hält. Schon deswegen nicht, weil umstritten ist, was das Richtige ist: Die Bio-Milch aus der Plastikpackung? Die herkömmliche Milch aus der Glasflasche? Besser gleich Soja-Milch? Oder gar keine Milch, aber was dann?

Auf Fragen wie diese gibt es nicht die eine richtige Antwort. Jeder Konsument muss seinen eigenen Weg finden. Wenn sich aber mehr und mehr Leute solche Fragen stellen und in der Konsequenz ab und an zum überbackenen Blumenkohl statt zum Cordon bleu greifen - dann ist schon viel gewonnen.