Ernährung (6): Dickmacher Die Saftfalle

Um nicht dick zu werden, greifen Jugendliche gerne zu Fruchtnektar - dabei sind A-Saft und O-Saft aus der Tüte ungesünder als Limo und Cola

Von Josephina Maier

Die Pubertät ist besonders für Mädchen manchmal schwer zu ertragen. Zu Gefühlsverwirrungen und Unsicherheit kommt die ständige Konfrontation mit einem unerreichbaren Schönheitsideal. Was die Gesellschaft von den jungen Frauen will, ist ihnen klar: bloß nicht dick werden! Statt zu Softdrinks, das zeigt jetzt eine Langzeitstudie des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung, greifen Mädchen lieber zu Fruchtsäften.

Saft; iStockphotos

Hinterhältig: Fruchsäfte haben zwar Vitamine, aber auch nicht gerade wenig Kalorien.

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"Das hilft leider überhaupt nicht dabei, das Körpergewicht zu kontrollieren", sagt Ökotrophologe Lars Libuda, der Autor der Studie. Bei den jungen Frauen, die über den untersuchten Zeitraum von fünf Jahren eine steigende Menge an zuckerhaltigen Getränken zu sich nahmen, sei währenddessen auch der Body-Mass-Index (BMI) gestiegen.

Ausgerechnet bei den Mädchen, die im Gegensatz zu Jungen eher auf Limonaden verzichteten und mehr Fruchtsäfte tranken, war der Zusammenhang zwischen Trinkverhalten und Gewichtszunahme offensichtlich. Der Fruchtsaftkonsum habe bei den jungen Frauen einen messbaren Einfluss auf den Body-Mass-Index (BMI), der sich aus dem Gewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat ergibt.

Apfelsaft oder lieber Limo?

Grundlage der neuen Ergebnisse sind Daten aus der Dortmunder Donald-Studie, die seit 1985 Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen untersucht. 244 Teilnehmer hatten einmal pro Jahr für drei Tage akribisch genau aufgeschrieben, was sie an flüssiger und fester Nahrung zu sich nahmen. Obwohl die Jungen zwischen 9 und 18 Jahren insgesamt deutlich mehr Kalorien aus Flüssigkeit aufnahmen als die Mädchen, konnten die Wissenschaftler bei ihnen keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und erhöhtem BMI feststellen.

"Wir vermuten, dass die Jungen während der Pubertät mehr Sport treiben", sagt Libuda. Durch die größere Muskelmasse würden Jungen ohnehin mehr Kalorien verbrauchen als Mädchen und so möglicherweise den Effekt der Getränke kompensieren. Seine Kollegin Heidegret Bosche von Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin gibt ihm recht, betont allerdings: "Diese Begründung ist noch zu belegen." Die männlichen Studienteilnehmer nahmen im Laufe eines Tages durchschnittlich einen halben Liter zuckerhaltiger Getränke zu sich. "Die Auswirkungen dieses Konsums werden sich bei den Jungen wohl erst nach der Pubertät zeigen", so Libuda.

Für die Mädchen steht aber schon fest: Wer Fruchtsaft statt Limo trinkt, tut sich damit nichts Gutes. Die Autoren der Studie konnten beobachten, dass der Körper Kalorien, die er in flüssiger Form aufnimmt, bei der festen Nahrung nicht einspart - sowohl Saft als auch Limo führten letztlich dazu, dass die Teilnehmer insgesamt mehr Kalorien zu sich nahmen. "Das positive Image, das Fruchtsäfte in Deutschland haben, sollte zumindest im Zusammenhang mit der Gewichtszunahme überdacht werden", sagt Libuda. Die Nährwerttabelle gibt ihm recht: Ein Glas Apfelsaft enthält etwa 90 Kilokalorien - genau so viel wie die gleiche Menge Limo.