Die Diddl-Maus wird 20 Ein funkelfamoses Fest

Echt edelgoudafein: Seit 20 Jahren polarisiert eine Figur mit Klotzfüßen und einem Sprachschatz wie Dieter Bohlen die Erwachsenenwelt. Granatengrandiosen Glückwunsch an die Diddl-Maus.

Von Ulrike Bretz

Bei den meisten Menschen ist mit dem Ende der Kindheit auch die Infantilität vorbei. Wir haben alle irgendwann über Pumuckl gelacht, warteten auf die neuen Abenteuer von Regina Regenbogen und schliefen mit einer Alf-Puppe im Arm in Bibi-Blocksberg-Bettwäsche. Aber mit 15 Jahren haben uns Regina, Bibi und Alf nicht mehr interessiert. Sie landeten in Kartons und wurden auf den Dachboden verbannt.

Der feste Wert von Mäuserich Diddl besteht darin, dass er unbeirrt eine so drollige Sprache spricht, die sich anhört wie Dieter Bohlen in nett.

(Foto: AP)

Diddl ist hartnäckiger. Seit 20 Jahren grinst die Maus, die in den ersten Zeichnungen ihres Erfinders Thomas Goletz noch als Känguru herumhüpfte, von pinkfarbenen Postkarten, Kalendern, Tassen, Briefpapier, Freunde-Büchern. Eben auf allen Dingen, deren einzige Existenzberechtigung darin besteht, verschenkt zu werden, weil einem nichts Individuelles einfällt. Auf all diesen überflüssigen Produkten sondert sie Allerwelts-Sprüche ab wie "Ich hab dich ganz doll lieb" oder "Für Dich - weil Du so bist, wie Du bist".

Der/die/das Diddl - offiziell ein Mäuserich, augenscheinlich geschlechtslos - ist ein Geschenkartikel-Motiv, wie es sich ein Unternehmen wie die Depesche Vertrieb GmbH in Geesthacht bei Hamburg nur wünschen kann. Eine Firma übrigens, die sich selbst als modernes mittelständisches Unternehmen mit Trend-Produkten, bunten Zielgruppen und festen Werten bezeichnet.

Der feste Wert von Mäuserich Diddl besteht darin, dass er unbeirrt eine so drollige Sprache spricht, die sich anhört wie Dieter Bohlen in nett. Da muss die Zielgruppe einfach kichern, so warm wird es einem ums Herz. Diese Maus ist turbolachfreudig, megastark, glitzerschön, funkelfamos und edelgoudafein. Auf Geschenkkarten fläzt sie gerne in Käselaiben herum, übergibt überdimensionale Blumen und Päckchen mit Riesenschleifen und erlebt dabei spitzenspannende und himmlischherrliche Abenteuer. Nachzulesen auch auf der Diddl-eigenen Homepage mit dem gewollt dümmlichen Namen "Käsepäitsch".

Damit alleine hat der Teil der Erwachsenenwelt, die diese Art Humor nicht teilt, noch kein Problem. Die weit verbreitete Ablehnung des Diddl-Motivs liegt eher in der Zusammensetzung der "bunten Zielgruppe". Denn auch wenn die Begeisterung in den vergangenen vier, fünf Jahren etwas nachgelassen hat: Die 20 Jahre andauernde Diddl-Epidemie hat von Anfang an nicht nur Kinder infiziert.

Auch Menschen jenseits der Pubertät bekennen sich zur sprechenden Springmaus. Sie baumelt als Plüschfigur von den Handtaschen junger Frauen und streckt auf Postern an Schlafzimmerwänden erwachsener Menschen ihre übergroßen Füße im löchrigen Käsebett von sich. Es soll sogar erwachsene Paare geben, die ihr eheliches Bett mit Diddl-Bettwäsche überzogen haben. Oder mit Diddlina, Pimboli und Galupy, den anderen Figuren aus dem großen "Käsekuchenland".

Auch wenn sich viele Menschen bei dieser Vorstellung an die Stirn tippen: Irgendein generationsübergreifendes Element muss diese Maus ja haben. Die bekennenden Diddl-Maus-Hasser haben nur noch nicht erkannt, welches. Herzlichen Glückwunsch, Diddl-Maus, zu zwanzig Jahren polarisierender Penetranz. Und dafür, dass man Dir die Volljährigkeit genauso wenig anmerkt wie vielen Deiner Fans.

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