Die Beziehung von Handys und Männerslips Drunter und drüber

Wie Frauen bereits am Klingelton des Mobiltelefons erkennen können, was für Unterwäsche Männer tragen: ein Scanner für unterwegs.

Von Nika Scheidemandel

Eine Unterhose, natürlich, sie sollte eine Unterhose sein wie eine Rose eine Rose. Aber natürlich führt ausdrücklich die Unterhose immer wieder dazu, dass Frauen nach einem viel versprechenden Date die Wohnung eines Kerls verlassen, bevor sie ihn richtig kennenlernen. Denn sagt sie nicht schon alles?

Die Beziehung von Handys und Männerslips

Eine Sprache: Melodie und Unterwäsche.

(Foto: Foto: Istockphoto)

Die Unterhose eines Mannes ist mehr als ein Stück Stoff. Sie ist eine Klangfarbe, eine Melodie, in der sich der Mann selbst wiedererkennt oder eben gar nicht. Armes Kerlchen, mit all' den Mustern und Motiven. Ähnlich verräterisch wie Unterhosen sind bei Männern eigentlich nur noch die Klingeltöne am Handy, und wetten will man, dass vom Einen auf das Andere locker zu schließen ist.

Wartezeiten auf Flughäfen sind ein ziemliches Vakuum. Die eigene Person relativiert sich, man kann weder Lesen noch an Konkretes denken. Der hier zu Spielchen aufgelegte Mensch wird doch gerne mal zur Überwachungskamera seiner Umgebung. Die Wahrnehmung ist in dieser fremd auferlegten Meditationszeit sehr geschärft, man sieht auf einmal völlig unwesentliche Handlungen.

We will rock you in Hugo Boss

Da klappt zum Beispiel ein Mann am Stehtisch ein silbernes Acer Laptop auf. Das Ganze, so muss man sich vorstellen, geschieht in Einzelbildaufnahmen und mit der Präzision einer hochauflösenden Spiegelreflex-Digitalkamera. Wir sehen: eine Jeans. Dann klingelt es. Der stehende Herr bückt sich nach dem Telefon, das in der Außentasche seines Bordkoffers untergebracht ist. Ein roter Hugo-Schriftzug auf blauem Hintergrund schiebt sich wie ein zu breiter Untertitel aus dem Hosenbund des Trägers in die untere Bildkante. Dazu ertönt eine digitale Version des Songs "We will rock you" von Queen.

Warum trägt der Fremde eine Hugo-Unterhose? Warum hat er sich für dieses Modell mit dem zweifarbigen, wuchtigen Elastikbund entschieden, das an Badekleidung erinnert? Es besteht keine offensichtliche Parallele zu seinem sonstigen Erscheinungsbild: Jeans, schwarze Lederschuhe, dunkelblauer Blouson. Sein Telefon lässt keine Rückschlüsse auf die Wahl seiner Unterhose zu, denn es ist ein schlichtes Motorola. Bleibt nur zu vermuten: Hier soll, bei aller Schlichtheit, wenigstens etwas so richtig rocken. Diese Botschaft sendet der Fremde uns und sich selbst, als Autosuggestion, jeden Morgen beim Anziehen im Bad, unmissverständlich.