Deutschlands nördlichster Weinberg Hamburg erntet Wein

Oberhalb der St. Pauli Landungsbrücken in Hamburg wurden 50 Flaschen Hafenwein vom wohl ungewöhnlichsten Weinberg Deutschlands produziert.

Die Hamburger Bürgerschaft hat rund 50 Flaschen Stintfang Cuvée vom wohl ungewöhnlichsten Weinberg Deutschlands oberhalb der St. Pauli Landungsbrücken produziert.

Bürgerschaftspräsident Berndt Röder sagte bei der Präsentation der ersten Flaschen der Weinlese 2007: "Dieser Wein ist nach wie vor eine Rarität, unglaublich nachgefragt." Die Flaschen sind unverkäuflich und werden nur an außergewöhnliche Gäste Hamburgs verschenkt. Das Parlament "betätigt" sich seit 1996 als Winzer. Damals schenkten Wirte des Stuttgarter Weindorfs auf dem Hamburger Rathausmarkt der Bürgerschaft Rebstöcke der Sorten Regent und Phönix.

"Seien Sie sicher, es ist ein guter Wein", sagte der Vorsitzende der Vereinigung Pro Stuttgart, Fritz Mutter, bei der Übergabe der ersten Flaschen. Wie jedes Jahr wurden die Trauben der 75 Rebstöcke auf dem 500-Quadratmeter-Weinberg hoch über dem Hamburger Hafen im September geerntet und anschließend nach Baden-Württemberg gebracht. Dort wiederum wurden sie von der Winzerfamilie Currle ausgebaut und der Wein anschließend zurück nach Hamburg transportiert.

"Sehr, sehr fruchtig"

"Der Wein ist ein Cuvée zwischen roten und weißen Reben", sagte Mutter. Der "Hanse primeur" sei lachsfarben und in diesem Jahr "sehr, sehr fruchtig", habe deshalb aber etwas weniger Volumen. Den Oechslegrad - also den Zuckergehalt des Weinmostes - bezifferte er auf um die 80 Grad. Der Alkoholgehalt des Weines liegt bei relativ niedrigen neun Prozent, was Röder mit den Worten kommentierte: "Wir liegen hier auch nicht mehr ganz auf der Höhe von Venedig."

Gleichzeitig betonte er jedoch: "Wenn wir den Wein verkaufen würden - was wir nicht tun - würden wir damit eine Menge Geld erzielen können."

Die Angebote seien beachtlich. Es bekomme aber nur jeder Senator eine Flasche. Darüber hinaus erhielten nur besonders verdiente Personen den Wein. Das neue in Serifenschrift gehaltene gold-silberne Etikett auf den schlanken 0,375-Liter-Flaschen wurde von Ingo Ferdinand Offermanns, Professor für Grafik an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, gestaltet.

Aber der Weinberg in Hamburg wird wohl nicht mehr lange der nördlichste Deutschlands sein, denn bald soll der Rebensaft aus Schleswig-Holstein in aller Munde sein: Mit der Übertragung von Neuanpflanzungsrechten für zehn Hektar aus dem Kontingent von Rheinland-Pfalz sei der erste Schritt zum Weinbau im nördlichsten Bundesland getan, erklärte das Kieler Landwirtschaftsministerium.

Nun werden noch eine Landesverordnung mit Regeln zum Weinanbau erarbeitet, und dann könnten die ersten Reben möglicherweise schon im kommenden Jahr gepflanzt werden. Wer sich dann im "Land zwischen den Meeren" als Winzer betätigen will und welche Rebsorten dabei zum Einsatz kommen könnten, gab das Ministerium nicht bekannt.