Claudia Schiffer wird 40 Fräulein Immerschön

Sie bleibt sich treu: Claudia Schiffer, deutsches Supermodel und Karl Lagerfelds langjährige Muse, wird 40 und sieht seit 23 Jahren gleich aus. Eine Ode an ihren Mut zur Monotonie.

Von Sarina Pfauth

Die Schiffer ist eine Langweilerin. Jedenfalls bemüht sie sich seit Jahren, diesen Eindruck zu erwecken: Urlaub mache sie am liebsten auf Mallorca, sie gehe gern früh zu Bett und trinke keinen Alkohol, erzählt Claudia Schiffer Journalisten über sich.

Nein, dieses Foto wurde nicht vorgestern aufgenommen, sondern schon vor 14 Jahren: Supermodel Claudia Schiffer mit gewohnt blonder Haartracht.

(Foto: dpa)

Die Zeiten, in denen Sie eine öffentlich diskutierte Beziehung geführt hat, sind schon lange vergangen - ob die Verlobung mit dem Zauberkünstler David Copperfield nun vorgetäuscht oder echt war, interessiert heute kaum mehr jemanden. Schiffer hat inzwischen drei Kinder und schon jahrelang den gleichen Mann.

Außerdem trägt sie seit 23 Jahren diese gewohnt blonde Frisur. Kate Moss hat da natürlich spannendere Geschichten zu bieten. Dafür ist sie aber auch nicht mehr so dick im Geschäft wie ihre Supermodelkollegin Claudia Schiffer.

Gut, die Sache mit dem "Gesicht der 90er Jahre" ist zwar schon eine Weile her. Groß verändert hat sich Claudia Schiffer seit ihrer ersten Kampagne für Chanel aber tatsächlich nicht: Gleiche Frisur, gleiche Figur. Sie ist immer noch unbestritten schön, und erst kürzlich zierte sie das Cover der deutschen Vogue - splitternackt mit Babybauch.

In dem Modeheft, das ausschließlich ihr gewidmet war, räkelt sie sich mit schwarzer Maske vor den Augen auf einem samtigen Sofa - dunkler Raum, schwarze Highheels, knappe Unterwäsche, Babybauch. Nackte, weiße Haut. Auf einer anderen Fotografie im selben Heft inszeniert ihr langjähriger Förderer Karl Lagerfeld sie als Jungfrau Maria. Die Schwangere als Heilige und Lustobjekt - ein gewollter Tabubruch. Allerdings keiner, der gelingt.

Denn das Topmodel wirkt nicht nur immer noch schön, sondern auch schön langweilig. Claudia Schiffer ist und bleibt die nette junge Frau von nebenan, sie bleibt das Gretchen, als das Lagerfeld sie einst inszenierte. Da hilft auch kein SM-Outfit. Und das Alter kann schon gar nicht an ihrer perfekten Aura kratzen. Am Mittwoch wird sie 40 - und zeigt keine Falte (Botox lehnt sie aber natürlich strikt ab), keinen Pickel - und auch keine Delle am Image.

Claudia Schiffer fährt am Wochenende aufs Land, kauft Bio ein, ihr Sofa hat abgeschrabbte Ecken und ihre Kinder tragen Schuluniform, was sie, wie sie in Interviews beteuert, sehr unterstützt. Schiffer pflegt ihre öffentliche Wahrnehmung als biedere Frau mit Hingabe.

Eine Journalistin schwärmte kürzlich gar, Schiffer sei die "Verkörperung aller Tugenden", sie sei "tüchtig, bescheiden, höflich" und zudem sei ihre Stimme "so ruhig und rein wie das Wasser in ihrem Glas". Ach du meine Güte.

Aber gut, was soll der Neid? Nein, man muss tatsächlich loben, wie angenehm unglamourös und unexzessiv das Leben der Frau ist - oder zumindest nach außen hin wirkt - , die schon vier Jahre nach ihrer Entdeckung als teuerstes Model der Welt galt und von der französischen Illustrierten Paris Match mal zum Topmodel der Topmodels gekürt wurde. Und deren Foto auch mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrer Entdeckung, also im Model-Methusalem-Alter, noch auf die Cover der großen Modezeitschriften gedruckt wird. Claudia Schiffer ist wohl auch der lebende Beweis dafür, dass ein unauffälliger Lebenswandel und das Maßhalten dem Aussehen tatsächlich langfristig guttun. Und sie zeigt: Man kann auch ohne Skandale im Gespräch und im Geschäft bleiben. Und dabei außerdem noch ganz glücklich wirken.

Die bald 40-Jährige selbst verteidigt ihren eher spießigen Lebensstil übrigens vehement: "Nur weil die Form meines Lebens sehr diszipliniert organisiert ist, bedeutet das ja nicht, dass es an Fröhlichkeit mangelt", sagte Schiffer in einem Interview mit der Welt. Und überhaupt: "Für meine Freunde und meinen Mann bin ich nicht öde."