Chemikalie aus China Melamin im Hirschhornsalz

Die Chemikalie Melamin, die in China den "Milchskandal" mit 294.000 erkrankten Kindern auslöste, ist in Backtriebmitteln entdeckt worden.

Der Skandal um verseuchtes Milchpulver in China ist viel größer, als bisher bekannt. Sogar 294.000 Kleinkinder seien an dem mit der Chemikalie Melamin versetzten Pulver erkrankt und sechs gestorben, berichtete das Gesundheitsministerium am Dienstag in Peking in einer ersten Bilanz.

Mit der Gesamtzahl ging das Ministerium um mehr als das Fünffache über bisherige offizielle Angaben hinaus. Unterdessen wurde in Baden-Württemberg der gesundheitsschädigende Stoff auch in Hirschhornsalz aus China entdeckt, das gern als Backtriebmittel für Lebkuchen und "Amerikaner" verwendet wird.

Von den Säuglingen in China hätten 51.900 stationär behandelt werden müssen, hieß es. Heute lägen immer noch 861 Kinder mit Nierenproblemen im Krankenhaus. Davon seien 154 in einem schlechten, aber stabilen Zustand. Meist hätten sich bei den Säuglingen Nierensteine gebildet.

Der monatelang vertuschte Skandal war erst im September aufgeflogen, als immer mehr Kinder durch das gestreckte Milchpulver erkrankt waren. Bei rund zwei Dutzend Herstellern wurden Produkte festgestellt, die Melamin enthielten. Mit dem verbotenen Stoff, der in der Industrie als Bindemittel eingesetzt wird, lässt sich ein höherer Proteingehalt und damit beispielsweise bei verwässerter Milch eine bessere Qualität vortäuschen.

"Unbedenklicher" Weihnachtsgenuss

Der Tod von sechs Babys wurde offiziell bestätigt. Dabei seien drei bereits früher berichtete Todesfälle mitgezählt, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Zwei Todesfälle wurden aus der zentralchinesischen Provinz Gansu berichtet, während jeweils einer aus der Nachbarprovinz Shaanxi sowie den südlichen Provinzen Jiangxi, Zhejiang und Guizhou gemeldet wurde. Der Zusatz von Melamin war in der chinesischen Milchindustrie weitverbreitet.

Mit der Chemikalie wurde auch Viehfutter künstlich "aufgebessert", so dass der Stoff in die Nahrungskette gelangte und selbst in Eiern und Eiprodukten entdeckt wurde.

Das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium teilte am Dienstag in Stuttgart mit, es seien 28 Hirschhornsalz-Proben untersucht worden, davon fünf aus Apotheken oder Reformhäusern, vier von Bäckern, 13 aus dem Großhandel und sechs aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Sieben Proben aus fünf unterschiedlichen Chargen entsprachen dabei nicht den Reinheitsanforderungen nach dem Lebensmittelrecht.

"Die Lebensmittelüberwachungsbehörden haben das weitere Verarbeiten der beanstandeten Ware sofort untersagt", sagte eine Ministeriumssprecherin. Sie sei auch nicht mehr im Umlauf. Derzeit werden noch die vollständigen Lieferwege ermittelt. Für den Verbraucher, der Lust auf weihnachtlichen Lebkuchen hat, bestehe jedoch keine Gefahr.