Zum Tod von Dave Brubeck Meister Cool

Er brachte den Modern Jazz mit kühler Lässigkeit und sperrigen Rhythmen wie dem 5/4-Takt in "Take Five" in die Hitparaden. Gleichzeitig versuchte er sich an Experimenten mit damals äußerst ungewissem Ausgang. Nun ist der Pianist Dave Brubeck im Alter von 91 Jahren gestorben.

Ein Nachruf von Andrian Kreye

Es gibt kaum eine Musik, die so eindeutig für die Zeit des "California Modern" steht wie der kühle, intellektuelle Swing des Pianisten Dave Brubeck, der am Mittwoch gestorben ist. Es waren nicht nur die klaren Formen, die er mit seinem Quartett entwickelte. Als er 1959 das epochale Album "Time Out" aufnahm, versuchte er sich an Experimenten mit damals äußerst ungewissem Ausgang.

Anstatt den Swing auf die üblichen vier Viertelnoten zu legen, wagte er sich an zwei ungerade Takte, die das natürliche Rhythmusgefühl erst einmal empfindlich stören. "Blue Rondo a la Turk" überlagerte einen 9/8- mit einem regulären 4/4-Takt. "Take Five" hatte sein Saxofonist Paul Desmond im 5/4-Takt geschrieben, einem Rhythmus, der im Pop bis dahin nie und im Jazz nur sehr selten verwendet worden war. Es gehörte ein gehöriges Maß an Souveränität dazu, solche Metren mit der Leichtigkeit zu spielen, die der Jazz damals an der amerikanischen Westküste gerade perfektionierte.

"Cool Jazz" nannte man diese Sorte Musik schon bald, weil Musiker wie Dave Brubeck, Paul Desmond und Chet Baker dem Jazz in den Clubs von San Francisco und Los Angeles damals mit einem kammermusikalischen Verständnis eine Art stilistisches Ventil öffneten, das dem Jazz die Aggressivität und Schärfe nahm, durch die sich die Avantgarde damals immer weiter von der Tonalität und rhythmischen Geradlinigkeit entfernte.

Zweifel an der kantigen Metrik von "Take Five"

Brubecks Plattenfirma Columbia Records war äußerst skeptisch, ob "Take Five" beim Publikum ankommen würde. Selbst der Saxofonist Paul Desmond hatte Zweifel an der kantigen Metrik: "Ich hielt das für eine dubiose Idee. Ich hielt das für Ausschuss und hätte die Rechte an dem Stück gegen einen gebrauchten Elektrorasierer eingetauscht."

Doch Brubeck beharrte darauf, das Album mit "Take Five" zu eröffnen. Und Columbia-Chef Goddard Lieberson sorgte persönlich dafür, dass das Stück sogar als Single herauskam. Den überwältigenden Erfolg, den das Dave Brubeck Quartet daraufhin landete, hatten allerdings weder der Bandleader noch der Plattenchef erwartet. "Take Five" war die erste Modern-Jazz-Single, die mehr als eine Million Stück verkaufte. In den Pop-Charts stieg der Song auf Platz 25, in den Easy-Listening-Charts auf Platz 5, "Time Out" schaffte es sogar auf Platz 2 der Album-Charts. Bis heute hat sich "Take Five" gehalten. Als Paul Desmond 1977 starb, vererbte er seine zukünftigen Tantiemen an das Rote Kreuz, das seither sechs Millionen Dollar in seinem Namen überwiesen bekam.