Zivilisation als "permanenter Holocaust": Der Anarchist Derrick Jensen sieht als einzigen Ausweg die Rückkehr in die Wildnis.
Wollen wir uns wirklich darauf einlassen? Wollen wir hören, warum die Zivilisation an sich, die gesamte Errungenschaft der Menschheitsgeschichte, nicht nur untergehen wird, sondern untergehen muss? Diesmal geht es nicht um Veränderung oder um Wandel. Die Zivilisation an sich ist das Problem. Sie ist eine Struktur, die die Macht der wenigen über die vielen zementiert, sie versklavt die Menschen, sie zerstört die Natur, sie ist an sich und unausweichlich gewalttätig. Sie muss zerstört werden.
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Der Mensch soll wieder zum Tier werden: Derrick Jensen fordert die Zerstörung der Zivilisation. (© Foto: o.H.)
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Denn allein die Erde, die Natur und ihr Wohlergehen sind von Bedeutung, erklärt Derrick Jensen, amerikanischer Schriftsteller, Umweltaktivist und Anarcho-Primitivist.
Sein mehr als 1000 Seiten umfassender Aufruf zur notwendigen Zerstörung der Zivilisation ist nun in zwei Bänden auf Deutsch erschienen, wobei es scheint, als ob der Lektor selbst nicht genau wusste, wo er sie einordnen sollte. Das zumindest erklärt vielleicht die merkwürdig zweigleisige Titelwahl. Der erste Band, "Endgame", bleibt unübersetzt; der zweite nennt sich "Öko-Manifest" statt "Endgame II: Resistance".
Widerstand schließt das eine ans andere. Es handelt sich um eine Mischung aus persönlichen Eindrücken und Erlebnissen und Prämissen, deren Logik sich, um es wohlwollend auszudrücken, eher aus der Gesamtschau ergibt als aus einer konsequent eingehaltenen Argumentationskette. Dies ist "stream of consciousness", übertragen auf Sachliteratur.
Überall findet Jensen Belege für seine Theorie: in den Wanderungen der Lachse, in indianischen Lehren, bei Stadttheoretikern und Präsidenten, in Wirtschaftsmedien: "Jedes Jahr richten der Ölkonzern Shell und die Wirtschaftszeitung The Economist einen ,internationalen Schreibwettbewerb zur Förderung des Zukunftsdenkens' aus ... Das diesjährige Thema: ,Brauchen wir die Natur?' Erinnern wir uns an die erste Propagandaregel. Wer die Fragen kontrolliert, kontrolliert auch die Antworten."
Keine Gnade
Aber wir sollen ja auch gar nicht überzeugt werden. "Endgame", schreibt Jensen, richte sich nicht an Zaungucker, an diejenigen, die ungerührt und unentschieden danebenstehen, sondern an solche, "die bereits wissen, wie schrecklich Zivilisation ist, und die etwas dagegen unternehmen wollen". Jedoch legt Jensen, nur um die Sache klarzustellen, in 20 Prämissen dar, warum diese Zivilisation nicht überleben darf. Zivilisation, lautet die erste und wichtigste seiner Prämissen, "ist nicht nachhaltig und kann es niemals sein.
Dies gilt insbesondere für die industrielle Zivilisation". Oder sechs: "Die Zivilisation ist unumkehrbar. Diese Kultur wird sich nicht freiwillig zu einer vernünftigen und nachhaltigen Lebensweise bekehren ..." Dreizehn: "Die Herrschenden regieren durch Zwang. Und je eher wir uns von der Illusion freimachen, dies sei nicht der Fall, desto eher können wir zumindest anfangen, vernünftige Entscheidungen zu treffen, ob, wann und wie wir Widerstand leisten." Oder siebzehn: "Es ist ein Fehler, unsere Entscheidungen davon abhängig zu machen, ob die daraus erwachsenen Handlungen die Masse der Amerikaner oder die Menschen, die sich aus allem heraushalten wollen, in Angst versetzen oder nicht."
Dies ist ein Aufruf an alle Gläubigen, nach ihrem Glauben zu handeln und radikaler und militanter zu werden. Pazifismus funktioniert nicht. Denn die industrielle Weltwirtschaft, "unsere Zivilisation", erzeugt einen unersättliche, unendliche Nachfrage, sie vergiftet unsere Körper, sie verschmutzt die Natur und führt zur Herrschaft derjenigen, die ihre Gier und ihren Machttrieb am heftigsten und rücksichtslosesten ausleben. Ihre Entwürdigung der Welt muss aufgehalten werden, die Revolution gegen die Mächtigen, die globalen Unternehmen muss stattfinden.
Vor ein paar Monaten noch hätte Jensens Anklage der Gier und der Macht banal und extrem geklungen. Angesichts der wirtschaftlichen Erschütterungen, die unsere "industrielle Zivilisation" gerade durchlebt, hat die Gesellschaft, für eine begrenzte Zeit zumindest, für solche Positionen eine gewisse Sympathie entwickelt. Jensens Hang zur apokalyptischen Überhöhung spiegelt inzwischen zumindest in Teilen die allgemeine Verunsicherung über den Weg, den diese von Wirtschaft und Kapital regierte Kultur zuletzt eingeschlagen hat.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Gesellschaft die Erde bedroht.
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Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
das Fressen und Gefressen werden steht bereits im Grundgesetz, denn die Würde des Menschen ist schon lange antastbar ... das mit dem Schreibfehler un- wurde aus Kostengründen nicht mehr korrigiert.
.... das ist doch wirklich ein Sparprogramm ... die halt ein paar Rechte kosten, aber zumindest kein Geld mehr, nicht wahr !!!
In den afrikanischen Zivilisationen haben wir doch bereits die Rückkehr. Aber nicht zum Jäger, sondern zum Wanderer. Schön ist das für die Menschen dort aber nicht.
Solche Bücher unterstellen eine bewusste und absichtliche Entwicklung, dabei sind wir in Wahrheit Getriebene, die völlig schuldlos entweder hier oder dort geboren und aufgewachsen sind. Zivilisation ist kein Modell sondern ein Zustand. Und diesen können wir beklagen oder auch nicht, er ist da wie die Sonne und die Luft uns das schlechte Wetter.
Wir leben in Europa in einer Zivilisation, die über 2000 Jahre von Machtstrukturen geprägt worden ist, die den Großteil der Bevölkerung unterdrückt haben. Mit dem Fortschritt der Technik haben sich diese Machtstrukturen in einem fürchterlichen Maße verstärkt. Der zivilisatorische Holocaust ist Folge dieser Entwicklung. Und wenn wir diese Machtstrukturen beibehalten, wird es nur noch schlimmer werden.
Die ersten Amerikaner waren Europäer, die vor diesen europäischen Machtstrukturen geflohen sind. Die amerikanische Verfassung war ein Gegenentwurf. Leider sind die Amerikaner von diesen europäischen Machtstrukturen eingeholt worden und einige von ihnen sehen diese tödliche Wirkung aus ihrer amerikanischen Perspektive viel deutlicher als viele Europäer, die an sie gewöhnt sind.
Der Einwand einiger Kommentatoren, dass unsere Zivilisation mithilfe des technischen Fortschritts die Basis für das Überleben von bis zu 10 Milliarden Menschen geschaffen hat, ist ebenso richtig. Würden wir in die Steinzeit zurückfallen, wäre ein noch schlimmerer Holocaust die Folge. So leben wir Europäer ein unterdrücktes Leben im Wohlstand.
Für mich stellt sich die Frage, sind Zivilisationen ohne diese in Europa entwickelten Machtstrukturen möglich? Müssen sich Zivilisationen immer durch ein repressives gesellschaftliches Gefüge konstituieren? Gibt es Möglichkeiten für eine Gesellschaft auf dem Grundsatz der Freiheit, wie unsere Verfassung im Menschenrechtsteil dies zu garantieren versucht? Und wenn ja, wie können wir Erdbewohner uns von den alten Machtstrukturen befreien und lebenswertere Zivilisationen aufbauen?
Seit 68 werden Derrick Jensens Visionen in die Tat umgesetzt.
Unter Hinweis auf den Beitrag 08.04.2009 18:52:31:
Was ist mit der Politik und Wirtschaft?
Sie steuern niederträchtigste Interessen.
Wenn das nicht aufhört, wird es zu Zuständen kommen, die wie Alpträume sind.
Möchte darauf hinweisen, dass unsere Seite (fm-tv.net) nicht erst heute aufgewacht ist.
cc.
Paging