White Trash Ihr geht mir am Arschgeweih

Das sind die Leute, vor denen uns das Fernsehen immer gewarnt hat. Und hier sind ein paar Gründe, warum man so nicht sein will. Von Diedrich Diederichsen

"So ist man nicht, so will man auch nicht sein", schreibt die taz unter Bilder von Kandidaten der neuen Big-Brother- Staffel.

Wenn man sich Bilder sucht von Leuten, die den neuen negativen Konsens - die Unterschicht - repräsentieren, wendet man sich am besten an Darsteller und Figuren von Realityshows, Mittagstalk und Gerichtsfernsehen.

In diesen Genres ist erst die Unterschicht kenntlich geworden, von der sich abzugrenzen im selben Maße modern geworden ist, wie jede Hoffnung auf ihre Politisierbarkeit aufgegeben wurde.

Oder auf die Lösbarkeit der politischen Probleme, die man mit ihr verbindet. In der Konjunktur dieses Begriffs drückt sich der Wunsch aus, in stimmigen Bildern formulieren und bannen zu können, was sich als politisches Problem in diesem Leben und diesem System nicht mehr lösen lassen wird: Arbeitslosigkeit, Massenverarmung und Desintegration.

Wie also sind die auf den Bildern? Warum will man so nicht sein? Nun, im Gegensatz zu früheren, eher grauen Unterschichtsvertretern, die die naturalistische Ästhetik so liebt, sind sie sehr expressiv.

Ihre Frisuren erinnern an präkolumbianische Häuptlinge beider Amerikas. Ihre Outfits mischen orientalische Prunkgewänder mit den Hypertrophien von Football-Staffagen. Sie tragen tribalistische Signaturen an den komischsten Körperstellen: Arschgeweih, Nasenring und Trizeps-Tattoo. Das findet man nicht nur peinlich, weil man den ganzen Tiefsinn trübe findet, auf den Tätowierungen und Piercings verweisen. Vor allem finden die Beobachter der Unterschicht es überhaupt unangemessen, dass diese sich ausdrückt. Das nämlich ist nicht nur prinzipiell ein Privileg der selbstverwirklichenden Schichten.