Westdeutsche Allgemeine Zeitung Der WAZ-Mann ruft

WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus spricht über den neuen Sparkurs und was er bei der Bild-Zeitung gelernt hat.

Interview: Caspar Busse, Dirk Graalmann

Seit Anfang Juli ist Christian Nienhaus WAZ-Geschäftsführer. Der 48-Jährige kündigt harte Sparmaßnahmen an und schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

SZ: Herr Nienhaus, gerade hat Ihr früherer Arbeitgeber, der Springer-Konzern, einen kostenlosen Wochentitel für Berlin angekündigt. Haben Sie Angst vor Gratiszeitungen?

Christian Nienhaus: Nein, es kommt auch darauf an, wie man Gratiszeitung definiert. Mit unseren Anzeigenblättern haben wir allein in Nordrhein-Westfalen eine Auflage von fünf Millionen pro Woche. Das sind gute Zeitungen. Ich bin allerdings der Meinung, dass anspruchsvollere Produkte für den Leser auch etwas kosten sollten. Sollten einmal Gratiszeitungen, etwa nach dem Vorbild von Metro oder 20 Minuten, zu uns kommen, werden wir aggressiv reagieren. Wir haben fertige Pläne in der Schublade.

SZ: Was halten Sie denn von der Springer-Idee, eine kostenlose Wochen-Ausgabe der Berliner Morgenpost zu verteilen?

Nienhaus: Das scheint eine Leseprobe, eine Art ARD-Wochenspiegel zu sein, den ja kaum jemand anschaut. Springer braucht offenbar einen Träger für Beilagen in Berlin, denn dafür sind die Auflagen der Titel zu gering. Ich finde es aber merkwürdig, dass nach dem Streit um Pin und eine Gratiszeitung der Deutschen Post gerade sie die Zustellung übernehmen soll. Das ist ein bisschen instinktlos. Wir wickeln Zustellgeschäfte für die Post ab und geben nicht Aufträge ab.

SZ: Sie sind seit Anfang Juli offiziell im Amt. Was ist der größte Unterschied zwischen Springer und WAZ?

Nienhaus: Die WAZ-Gruppe ist ein getarnter Riese. Wir werden nach außen nicht als großes Medienunternehmen wahrgenommen. Unser Haus ist ja deutlich größer als die meisten Leute wissen. Zu uns gehören 52 Tages- und Wochenzeitungen, 176 Zeitschriften und zwei TV-Sender, wir sind international tätig, besonders in Osteuropa und Südosteuropa sowie in Österreich. Wir haben sehr starke Marken, aber wir stellen unsere Größe insgesamt nicht in den Vordergrund. Ich finde, diese Art von Unterstatement passt zum Ruhrgebiet. Die WAZ-Gruppe ist ein klassisches Familienunternehmen, mir macht es Freude, die Gesamtverantwortung dafür gemeinsam mit Bodo Hombach zu tragen.

SZ: Die beiden Eigentümerfamilien der WAZ-Gruppe gelten als zerstritten. Ist die Gruppe handlungsfähig?

Nienhaus: Ja, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel.

SZ: Sie sind Geschäftsführer für die Eigner-Familie Funke, Bodo Hombach steht für die Familie Brost. Hombach kommt aus der SPD, Sie waren früher Mitglied der Jungen Union. Passen Sie überhaupt zusammen?

Nienhaus: Es stimmt: Bodo Hombach und ich haben unterschiedliche Lebenswege und Erfahrungen und sind jetzt zusammen gespült worden. Wir kommen aber so gut miteinander aus, dass es ein Glücksfall ist. Arbeit gibt es hier genug für zwei Leute.

SZ: Nicht nur Arbeit, auch Geld ist genügend vorhanden. Die fast schon legendäre Kriegskasse der WAZ-Gruppe ist gut gefüllt. Planen Sie Zukäufe?

Nienhaus: Wir glauben an das Zeitungsgeschäft. Natürlich denken wir an Zukäufe, vor allem dort, wo wir noch keine führende Position haben und das Kartellamt Übernahmen genehmigen könnte. Auch im Ausland wollen wir investieren. In Südosteuropa werden wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiter zukaufen - das kann auch im Onlinegeschäft oder in anderen Mediengattungen der Fall sein. Aber wir werden das Geld nicht raushauen, nur weil es da ist. Dafür sind wir zu konservativ.

Lesen Sie auf Seite zwei, warum die WAZ-Titel nicht verschmolzen werden.