Weimar Brand in historischer Anna-Amalia-Bibliothek

Bei einem Großfeuer in der zum Weltkulturerbe zählenden Anna-Amalia-Bibliothek sind wertvolle Bestände der berühmten Sammlung mit Bänden von Goethe, Luther und Humboldt schwer beschädigt worden.

Rund 30.000 wertvolle Bücher seien vermutlich als Totalverlust zu beklagen. Etwa 40.000 seien beschädigt und sollen tiefgefroren werden, um sie vor dem Zerfall retten zu können, sagte Stiftungspräsident Hellmut Seemann am Freitag in Weimar. Die Decken im einzigartigen Rokokosaal seien weiter einsturzgefährdet. Das Technische Hilfswerk versucht derzeit, das Gebäude im oberen Bereich zu stabilisieren. Der Dachstuhl ist nur noch ein Gerippe. Er wurde fast vollständig zerstört.

Auch von den Flammen heimgesucht: Der Rokokosaal der Bibliothek.

(Foto: Foto: ddp)

Brand entstand im Dachgeschoss

Die meisten der Bücher waren in der Bibliothek zur Restauration eingelagert. Der Brand entstand nach ersten Erkenntnissen im Dachgeschoss des nahe des Weimarer Goethehauses gelegenen Gebäudes. Die Flammen griffen dann auf den prunkvollen Rokokosaal über, der das Herzstück der Bibliothek bildet und in dem zahlreiche wertvolle Bücher lagerten.

Fast 200 Feuerwehrleute kämpften rund zwei Stunden gegen die Flammen und konnten sie am späten Abend unter Kontrolle bringen und löschen. Etwa einhundert Polizisten waren im Einsatz. Ein Teil des Schadens, der noch nicht genau abgesehen werden konnte, geht auf das Löschwasser zurück. Um welche Bücher es sich genau handelt, war zunächst unklar, die Bibliothek verfügt jedoch fast ausschließlich über wertvolle historische Exemplare.

Die 1691 gegründete Bibliothek hat einen Bestand von fast einer Million Büchern, darunter die weltweit größte Sammlung zu Goethes "Faust". Im vergangenen Jahr wurde ein großer Teil des Bestandes ausgelagert und in einem modernen Archiv deponiert.

Bücher-Rettungsaktion per Menschenkette

Von dem Feuer, das gegen 20.30 Uhr im Dachgeschoss ausbrach, wurde auch die zweite Galerie des berühmten Rokokosaals erfasst. Dort standen nach Auskunft von Bibliotheksdirektor Michael Knoche allein 12.000 bis 13.000 historische Bände. Davon konnten während des Feuers mit Hilfe einer Menschenkette rund 5.000 bis 6.000 in sichere Nebenräume gebracht werden, darunter eine Luther-Bibel aus dem Jahr 1534 und Reiseberichte von Alexander von Humboldt. Über den Zustand einer wichtigen Bibelsammlung herrschte zunächst noch Unklarheit.

Die Brandursache ist derzeit weiter unklar. Gut 500 Menschen waren in der Nacht im Einsatz. Etwa 120.000 Bände konnten geborgen werden. Die Bücher sollten wegen des derzeitigen Umbaus der Bibliothek in fünf Wochen umziehen.

Die Bibliothek ist nach Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach benannt, die Mitte des 18. Jahrhunderts das so genannte Grüne Schloss zur Bibliothek im Rokoko-Stil umgestalten ließ. Das Schloss war das bereits im 16. Jahrhundert von Renaissancebaumeister Nicol Gromann erbaut worden.

Die Bibliothek gehört zu den Bauten aus der Zeit des klassischen Weimar, die in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden.