Vorschlag-Hammer In geistigen Sphären

Vertraute Rituale: Jedes Jahr im Dezember ähneln sich die Kulturveranstaltungen doch sehr. Es gibt allerdings Ausnahmen

Von Egbert Tholl

Schon sind wir wieder mittendrin in der Zeit der tröstlichen, weil so vertrauten Rituale. Im Klassikbereich bedeutet der Dezember stets eine Engführung des Repertoires - es gibt festliche Barockkonzerte, mit und ohne Trompete, es gibt eine schier unüberschaubare Fülle der Aufführungen von Bachs Weihnachtsoratorium, lustigerweise auch jedes Jahr dargeboten von denselben Interpreten. Nun gut, die Weihnachtsgeschichte selbst ändert sich ja auch nicht, wurscht ob sie nun in Form des Krippenspiels im Volkstheater daherkommt oder eben in Bachs Vertonung.

Wobei: Vielleicht ist es in diesem Jahr doch ein bisschen anders. Dieses Jahr gibt es die "Wirtshausweihnacht". Diese ist eine Unternehmung eines bezaubernden Paares, dessen weiblicher Teil Liesl Weapon heißt, sehr groß, sehr blond, sehr bairisch ist und extrem lustig. Der männliche Teil ist der Andreas Bittl, begnadeter Darsteller, den über seine Bühnenkünste hinaus jene aus seligen Zeiten des Münchner Nachtlebens kennen könnten, die einst die Fraunhofer Schoppenstuben zu verlassen pflegten, wenn der Morgen bereits graute - Bittl spielte dort manchmal Akkordeon und sang schöne Lieder.

Der Andi und die Liesl nahmen sich nun Dickens Weihnachtsgeschichte "A Christmas Carol" vor, übersetzten sie ins Bairische und tragen sie in Wirtshäusern vor. Dazu, weil sie beide nun einmal musikalisch hochbegabt sind, singen sie Gstanzl und Wirtshauslieder, spielen Gitarre und Akkordeon. Bis kurz vor Weihnachten treiben sie dies, in verschiedenen Wirtshäusern in München und der Umgebung, die erste Station ist vielleicht gleich die allerschönste, die Kulisse im Fraunhofer, also das kleine Wirtshaus hinten beim Theater vom Fraunhofer. Dort treten sie am 12. Dezember auf, die anderen Termine schaut man am besten auf der Liesl-Weapon-Homepage nach. Auf der steht übrigens nichts über Mel Gibson, dafür aber eine Beschreibung der "Wirtshausweihnacht". "Ein Programm wie Weihnachten selbst: bsinnlich, bseelt und bsuffa."