Um im Netz aufzufallen, genügt es nicht, über ein Auto zu springen. Die Zauberformel lautet "Virales Marketing". Daraus ist eine eigene Industrie entstanden: Wie Agenturen den Erfolg von YouTube-Videos steuern.
Auch YouTube-Ruhm ist käuflich, und der Preis liegt momentan bei 30 Cent pro Zuschauer. Über Geld reden wir später, zunächst heißt es, den Schock zu verdauen, sollte man noch daran geglaubt haben, dass eine plebiszitäre Auslese auf den Videoportalen die besten der von den Nutzern selbst erschaffenen Clips an die Spitze bringt. Denn die Bilder sehen ja oft so unschuldig aus, als seien sie in die Charts der meistgesehenen Videos gestolpert wie ein knuffiger Welpe ins Rampenlicht der Hundeshow.
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Die Virenpandemie
Es beginnt etwa mit Franck Ribéry, der einen Fußball zielgenau und cool in den Mülleimer befördert. Mit ihm ist nur noch Luca Toni in der Umkleidekabine und nimmt sofort das Kräftemessen auf. Bald bespielen die beiden Superstars des FC Bayern München das komplette Stadion ihres Teams, am Ende schießen sie von der himmelhohen Tribüne aus Bälle ins Tor. Als sie gerade aufs Dach klettern wollen, macht der Hausmeister das Licht aus und wirft sie aus dem Stadion.
Toni und Ribéry werden viral
Der Clip ist witzig und gut gemacht, doch dass er momentan auf allerlei Websites zu finden ist und Büroarbeiter sich in der Mittagspause fragen "Hast du schon den Ribéry-Toni-Clip gesehen?", das ist alles andere als Zufall. Denn der Werbeclip für den namensgebenden Sponsor der FC-Bayern-Arena ist gezielt zur Fußball-Europameisterschaft von der Agentur GoViral auf den einflussreichsten Websites in Italien, Frankreich und Deutschland platziert worden.
Ein viraler Werbeclip, in der Branche kurz "Viral" genannt, soll sich über die E-Mail-Adressbücher der User weiterverbreiten, also im Idealfall wie ein pandemischer Virus das Netz befallen. Es ist kein Zufall, dass die Metapher nach biologischer Kriegsführung klingt. "Es geht um die Planbarkeit von Kampagnen", sagt Björn Ognibeni, der GoViral in Deutschland repräsentiert: "Wir können uns nicht auf Glück verlassen." GoViral ist auf Seed & Track (Säen & Verfolgen) spezialisiert. Die Agentur verteilt die Clips im Netz und kann durch "Embedded tracking codes", eingebaute Programme, messen, wie oft ein Clip auf welcher Site angeschaut wurde. Auf der GoViral-Homepage rühmt man sich, täglich fast 800 000 Views, das heißt Abspielvorgänge, zu erzeugen.
Die in 27 Ländern aktive Firma sitzt in London, an ihrer Spitze steht der Däne Jimmy Maymann, der als Guru des viralen Marketings gilt. "Maymann hat das Seeding perfektioniert und es zu einer Industrie gemacht", sagt Henning Patzner, Creative Director bei der Hamburger Werbeagentur Grabarz & Partner.
Telefoniert man mit Maymann, redet der 36-Jährige ohne Atem zu holen, als halte er eine Rede zur Eröffnung eines Fachkongresses. Er hat den Fuß auf dem Gaspedal der Clicks und Views, sein Selbstverständnis ist das eines Meisters des digitalen Universums, der über das Schicksal eines Videos entscheidet: "Wenn du viel Geld investierst, kann ich sehr viele Views generieren." Man bremst, will die Story von Anfang an hören: Was könnten Sie, Jimmy, für meinen Clip tun?
Maymann ist wählerisch, er nimmt nicht jeden Auftrag an. Doch wenn GoViral von einem Clip überzeugt ist, garantiert die Agentur dem Kunden pro 30 Cent einen Abspielvorgang, für 300.000 Euro gibt es mit Rabatt also eine Million Views. Erhofft wird jedoch stets, dass der Clip weit mehr als die garantierte Zuschauerzahl erreicht. GoViral streut den Clip auf den fruchtbarsten digitalen Feldern, indem die Agentur ihr Netzwerk von einflussreichen Bloggern, sogenannte Mavens, und Websites aktiviert, die das Video veröffentlichen. Das ist wesentlich effektiver, als einen Clip nur bei YouTube hochzuladen, wo er im Angebot von täglich 70.000 neuen Videos erst mal untergeht. Doch sobald genügend Links auf den Clip verweisen, schlägt sich das auch in YouTube-Views nieder.
Wer zu den 150 deutschen Mavens gehört, verrät Maymann nicht: Man spricht im Netzwerk nicht über Namen, sondern hat sie in der Kartei. Eigenen Angaben nach soll die Datenbank mehr als 10 000 Kooperationspartner umfassen, aus denen GoViral von Fall zu Fall die mächtigsten Verstärker auswählt. Henning Patzner ist sich sicher: "Bei diesen Kooperationen fließt in jedem Fall Geld."
Lesen Sie auf der nächsten Seite, mit welchen Methoden man YouTube-Videos in die Charts hievt.
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der "viralexperte" henning patzner hat noch vor einem jahr genauso gedacht wie das management von t-mobile und einen "viralfilm" einfach mal so in's internet gestellt.
leider hat das nicht so gut funktioniert. dummerweise war der spot auch wirklich langweilig:
http://www.youtube.com/watch?v=DPo6BDwpCOI
Mein bescheidener Beitrag ... :-) Ein weiteren Beispiel für gute Virale Kampagne ist, wenn ich richtig verstanden was virales ist, die Kampagne Aladygma. Ich verfolge es seit März, ist unglaublich. Über Aladygma sind auf youtube einige Videos erschienen aber sie scheinen alle von "fans" von Aladygma Website zu sein und nicht von Aladygma selbst oder irgendeine Agentur. Wobei man nicht genau weisst wer wie was macht. Wer auch immer dahinter steckt, wirklich genial gedacht, hier fühlen sich die User angesprochen die eigene kreativität einzusetzen. Ich selber hab noch nicht ganz verstanden ob das ein Spiel ist oder eine Virale Kampagne für einen Film oder sonst noch was...ich warte gespannt auf neue Indizien :-)
Als erstes muss ich mich outen: Mit moviebakery betreiben wir unsere eigene Viral Web Video Produktions- und Verteilungs Plattform. Transparenz ist für uns sehr wichtig - daher noch ein paar weitere Anmerkungen zu dem Thema:
Unsere Videos auf sind alle in mit Schlüsselwörtern gekennzeichnet die klar machen, dass es sich um ein Kommerzielles Video handelt das auf unserer Plattform produziert wurde.
Wenn man darauf setzt, die Betrachter in die Irre zu führen hat man ziemlich das Gegenteil von dem erreicht was eigentlich optimal wäre: Das sich jemand ein Video anschaut, es unterhaltsam findet und noch eine positive Verbindung zum Werbetreibendem hergestellt wird. Das klingt nicht einfach und ist es auch nicht.
Wir erarbeiten für jeden Kunden ein eigenes Distributionskonzept. Am Ende geht es um recht einfache Mathematik: Macht sich der Aufwand bezahlt?
Die Beispiele im Artikel von GoViral sprengen in der Regel die meisten Online Marketing Budgets. 30 Cent pro Video Betrachtung zu bezahlen erscheint uns unangemessen hoch.
Reine Betrachterzahlen lassen sich von bösen Fingern leider recht leicht manipulieren. Ich denke, das der Trend in Zukunft viel eher zu einem Cost-per-Action modell gehen wird: Wie viele neues Geschaeft lässt sich mit einem Viral Video generieren?
Dabei muss man oft ein wenig um die Ecke denken, denn ein Viral Video kann seine Betrachter nicht einfach dumpf anbrüllen oder in die Irre führen.
Wie kriegt man das am besten hin? Man muss sich schon etwas ausdenken, was für den Betrachter relevant ist. Zum Beispiel könnte ein Autohersteller heute auf der Grünen Welle schwimmen und schon mal Interessenten einsammeln die über zukünftige Modelle informiert werden möchten. Wenn man das richtig hinbekommt, kann man sich den Service von GoViral im Grunde auch sparen.
Das ist in meinen Augen eher eine Erfolgsabsicherung für die Marketing Abteilung. Die können dann nämlich ein paar Statistiken hervorkramen falls der Chef ankommt. Das beweist aber noch lange nicht das Sie in den Köpfen der Konsumenten angekommen sind.
Generell betrachte ich Viral Videos als seine weitere Stufe dem Konsumenten mehr Kontrolle zu überreichen. Das ist für viele Marken noch ein Lernprozess der radikales Umdenken erfordert. Wenn sich die Erfolgserlebnisse einsetzen - und das kann dauern - ist man allerdings wirklich im Internet angekommen;-)
Also 100.000 Views zu generieren ist fuer jedes Video Möglich :-) Es ist sogar möglich 1.000.000 Views zu generieren man muss nur die gesetze des Netzes kennen :-)
Christian Wilfer plädiert für eine faire und transparente Netzkultur
Das wird wohl eine Hoffnung bleiben. Gerade im Hinblick auf Werbung herrscht häufig keine Transparenz. Und das betrifft nicht nur das Internet. Auch im Printbereich gibt es oft keine klare Grenzziehung zwischen Journalismus, PR und Werbung: PR- Beiträge erscheinen im journalistischen Layout oder Anzeigen sind nicht als solche gekennzeichnet, obwohl sie nicht auf den ersten Blick als Werbung identifiziert werden können.
Das Grundproblem liegt wohl darin, dass man in der heutigen Zeit (auch aus rechtlicher Sicht) von einem aufgeklärten, durchschnittlich informierten und verständigen Verbraucher ausgeht. Dabei wird vergessen, dass man den Verbraucher auch erst einmal aufklären und informieren muss. Besonders Jugendlichen fehlt hier unter Umständen die Erfahrung.
Die Hauptnutzer von YouTube sind zwischen 12 und 17 Jahre alt und sicher nicht immer in der Lage, Werbung als solche zu identifizieren. Auch in den Communitiys, die angeblich fruchtbaren Boden für die Virals bieten, bewegen sich vorwiegend junge Leute.
Ein Verbot wie in Großbritannien halte ich dennoch für sinnfrei, denn das Internet zeichnet sich ja dadurch aus, dass es nur schwer zu kontrollieren ist.
Vielmehr sollte man den Verbraucher über die Methoden informieren und ihm Medienkompetenzen vermitteln.
Im übrigen erscheint es mir unplausibel, wenn Herr Ackermann Greenberg behauptet, er könne für jedes Video unabhängig vom Inhalt 100 000 YouTube- Views generieren.
Bei 65 000 neuen Videos pro Tag und ca. 100 Mio. Klicks erscheint mir das doch unwahrscheinlich. Viele Clips gehen einfach in der Masse unter. Auch über die Communitiys kann dem User nicht jedes Video schmackhaft gemacht werden. Denn über schlecht gemachte Clips diskutiert dort kaum jemand.
Paging