Verdacht auf Schleichwerbung ARD feuert TV-Star Bankhofer

ARD-Gesundheitsexperte Hademar Bankhofer hat einen Beratervertrag mit der Firma MCM Klosterfrau. Der WDR will sich keine Schleichwerbungs-Vorwürfe einhandeln - und hat Bankhofer fristlos entlassen. Der geschasste "Mr. Gesundheit" weist die Vorwürfe zurück.

Er war "Mr. Gesundheit" der ARD, ein netter älterer Herr, der das Publikum am frühen Morgen im österreichischen Plauderton über Wehwehchen und angebliche Mittel dagegen informierte. Das machte Hademar Bankhofer, 67, populär. Doch nun verlor er den lukrativen Job - Knall auf Fall.

Der zuständige WDR teilte am Donnerstagnachmittag per Pressemitteilung mit, dass die Zusammenarbeit mit Bankhofer, dem Gesundheitsexperten der Service-Rubrik des ARD-Morgenmagazins, "mit dem heutigen Tage beendet" sei. Grund dafür sei "der Anschein auf Schleichwerbung unter anderem für Produkte aus dem Gesundheitsbereich". Bankhofer habe gegenüber dem WDR unterschiedliche Angaben zu dem Sachverhalt gemacht.

Die Version des WDR geht so, dass Bankhofer der Redaktion des ARD-Morgenmagazins noch gestern schriftlich versichert habe, dass er "mit keiner Firma, die mit dem Thema Gesundheit, Nahrungsergänzungen und Arzneimittel zu tun hat, einen Werbe- und PR-Vertrag" geschlossen habe. Von Seiten einer Firma sei an ihn "kein Geld geflossen".

Auf erneute Nachfrage des WDR habe der freie Mitarbeiter am Donnerstag dann jedoch bestätigt, mit der Firma Klosterfrau einen Beratervertrag abgeschlossen zu haben. Damit könne der Anschein von Schleichwerbung nicht mehr ausgeschlossen werden, teilte der WDR mit.

Über den Wissenschaftler Gerd Antes vom Universitätsklinikum Freiburg sind nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Hinweise eingegangen; Blogs stellten Details zur Diskussion, der WDR spricht von einer anonymen E-Mail. Auf dem Internet-Portal YouTube hatten Pharmakritiker ein Bankhofer-kritisches Video eingestellt. Darin finden sich Ausschnitte aus seinen Fernsehsendungen mit scheinbar werblichen Hinweisen auf bestimmte Gesundheitsprodukte zusammengestellt.

Ausschlaggebend für den Rausschmiss von Bankhofer war offenbar eine Erklärung des Hauses Klosterfrau, wonach Bankhofer "seit geraumer Zeit beratend für unser Haus tätig" sei. Er berate und informiere "über weltweite Trends im Hinblick auf Gesundheitsthemen, Naturstoffe, Vitalstoffe, prophylaktische Maßnahmen und Studien, sowie darüber hinaus über innovative Zusammensetzungen, insbesondere naturbelassener Produkte". Werbe- und PR-Verträge gebe es nicht. Bankhofer sei nicht gezielt veranlasst worden, "Produkte oder Wirkstoffe unseres Hauses zu nennen."

Der TV-Gesundheitsguru erwähnte schon mal Klostermelisse, was auf den "Klosterfrau Melissengeist" verweist, ein eingetragenes Warenzeichen von MCM Klosterfrau.

In einer langen Stellungnahme zu den Vorgängen und Vorwürfen äußerte sich Bankhofer gegenüber dem Handelsblatt: Der Name Klostermelisse sei in der ARD vor drei Jahren ein einziges Mal gefallen. Er beziehe für seine Arbeit in den Medien Honorare "und von Seiten einer Firma ist für diese Arbeiten kein Geld geflossen". Wenn man sich seine Auftritte im ARD-Morgenmagazin anschaue, werde man "nichts, absolut nichts finden". Ihm Schleichwerbung vorzuwerfen, sei "an den Haaren herbeigezogen". Das Wort Klostermelisse sei "doch mit keinem Produkt erkennbar verbunden."

Im Übrigen, so erklärte Bankhofer gegenüber Bild, habe er die "Klostermelisse" im Jahr 2005 erwähnt, der Vertrag mit Klosterfrau Melissengeist sei aber 2006 zustande gekommen.

Der WDR jedenfalls fühlte sich nicht beruhigt. Er handelte.

Lesen Sie die ausführliche Geschichte zum Wirken Bankhofers im Fensehen in der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.