Das Schaulaufen der Eitelkeiten ist vorbei: Nach zwei Jahren wird die deutsche Ausgabe der Zeitschrift Vanity Fair eingestellt.
Die Zeitschrift Vanity Fair wird eingestellt. Vom Ende erfuhren die Mitarbeiter heute vom Verleger persönlich. Sie planten die Berichterstattung zur Oscar-Verleihung am Sonntag, doch dann kam der Verleger im schwarzen Anzug in die Berliner Redaktion mit der Adresse Unter den Linden. Die Redakteure beschlich schnell das Gefühl, der eigenen Beerdigung beizuwohnen.
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In Deutschland gescheitert: das Lifestyle-Magazin Vanity Fair. (© Foto: dpa)
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Es sprach Jonathan Newhouse aus der amerikanischen Verlegerdynastie, die das Zeitschriftenhaus Condé Nast (Vogue, Glamour) besitzt. Er dankte und verkündete das Aus für den deutschen Ableger des in Amerika und Italien erfolgreichen Blatts Vanity Fair. Eine Ausgabe noch, dann ist Schluss mit dem gehobenen Lifestyle-Prominenten-Journalismus.
"Es ist ein Schock, wenn ein ausgezeichnetes Magazin geschlossen wird", erklärt Newhouse. Erst vor elf Wochen habe er ja geschworen, die deutsche Vanity Fair weiter zu verlegen, trotz aller Probleme. Aber die Welt ändere sich schnell in einer Art und Weise, auf die niemand vorbereitet sei - und nannte die aktuelle Wirtschaftskrise.
O-Ton Newhouse: "Medieneigentümer sehen sich schweren geschäftlichen Herausforderungen ausgesetzt. In einem normalen ökonomischen Klima hätten wir tapfer mit Vanity Fair weitergemacht - jetzt ist es unmöglich." Und: "Im Geschäft wie im Leben gibt es Siege und Niederlagen. Wir taten unser Bestes."
Das ist die Frage. Angekündigt war das deutsche Vanity Fair als letztes großes Print-Abenteuer, hinterlassen hat es vor allem Kosten von geschätzten 100 Millionen Euro. Die anfänglichen Macher - Chefredakteur Ulf Poschardt und Manager Bernd Runge - haben längst das weiße Großraum-Redaktionsbüro in Berlin verlassen. Auch Poschardts Nachfolger, Nikolaus Albrecht, ist längst weg.
Auf die einst avisierten großen journalistischen Storys, die es dem US-Original gleichtun, hat das Publikum vergebens gewartet.
Betroffen vom Ende des Magazins sind nun die Redaktion in Berlin und die Verwaltung in München.
Die deutsche Vanity Fair war Anfang 2007 gestartet. Chefredakteur war zunächst Ulf Poschardt gewesen, der den Posten nach nicht einmal einem Jahr abgegeben hatte und stellvertretender Chefredakteur der Welt am Sonntag geworden war. Im Frühjahr 2008 wurde Nikolaus Albrecht offiziell neuer Chefredakteur. Ende Januar hatte der Verlag mitgeteilt, dass Albrecht seinen Posten zum Jahresende aufgebe und künftig als US-Korrespondent für die deutschen Ausgaben von Vogue und Vanity Fair tätig sein werde. Newhouse hatte seinerzeit betont, unter Albrechts Leitung sei die Auflage auf ein Niveau von 200.000 gestiegen.
Anfang Dezember 2008 war bekannt gegegeben worden, dass der Vice President Condé Nast International und Herausgeber des deutschen Verlages, Bernd Runge, zum Jahresende auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen ausscheidet.
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(sueddeutsche.de/dpa/ddp/holz)
Daß der Verleger - Eigentümer immerhin der Vogue - persönlich aus den USA anreist, um den Mitarbeitern diese Nachrricht zu überbringen, finde ich sehr anständig und bemerkenswert.
Das ist doch ein ziemlicher Gegensatz zu anderen US- und auch großen deutschen Firmen, wo die Mitarbeiter das schlimmstenfalls aus der Presse erfahren - nicht zuletzt deswegen, weil sie auch nur entlassen wurden, um den Aktionären ein Geschenk zu machen, in falsch verstandenem Kapitalismus.
Der Artikel stellt in Frag, ob Vanity Fair Deutschland das Beste gegeben hat. Das scheint sich aber eher auf die deutsche Redaktion als auf den Eigentümer zu beziehen.
Ich werde solchen Magazinen nicht nachweinen. Das fängt beim Namen an, geht über den Inhalt und hört bei den Folgen auf. Um Vogue und Elle würde es mir leid tun, aber vor allem, weil meine Mode-begeisterte Mutter die auf dem Nachttisch haben.
Das dieser Schritt kommt, kann doch keine Überraschung sein. 2 Jahre lang sind Titel und Fotoserien des Originals in schlechtester Weise kopiert worden und dazu hat man dann noch ein bisschen Promi-Journalismus á la Gala und Bunte dazugeklebt.
Das ganz Ding war doch von Anfang an eine peinliche Nummer. Vor allem dann wenn man das Original kennt.
Die amerikanische Ausgabe hat einen wirklichen Stellenwert in der Presselandschaft und ist weit mehr als ein "Gesellschaftsmagazin". Dazu hat man mit Graydon Carter einen Chefradakteur, der ganz seiner feinen Nase nach, immer einen herrliche Mischung aus neuem mit altem Glamour und darüberhinaus noch seine kompromisslosses politisches Statement publiziuert. Besonders nach dem totalitären Umgang der Bush-Administration mit der Presse war Vanitiy Fair ein kleiner Fels in der Brandnung und ist von seiner Bush-Kritik nie abgewichen.
Und das ist auch das interessante von Vanity Fair - Regenbogenpresse gepaart mit professionellen, investigativen Journalismus. In der deutschen Ausgabe leider nicht zu finden. Sie wird in keiner Weise fehlen.
Man wusste nie, handelt es sich hier um die Exklusivausgabe der Bunten oder wirklich um die Vanity Fair, die die legendär trüffelschweinartig in den USA eine Institution ist?
Die deutsche Vanity Fair erschien mir wie ein von Faul-Hans-Küchenmeistern, sich selbst dauer-feiernden Redakteuren aus der aristokratischen Gesellschaftsschicht gemachten Blatt. Hier war nichts inhaltlich zu finden, was nicht auch woanders zu finden war. Ausser das es geschrieben wurde, als stünde jeder Redakteur weit über den Dingen. Heike Makatsch ist ein Mover & Shaker ??? Für mich hätte die deutsche Vanity fair eine Mischung aus Brand Eins, der Sueddeutschen, der Weltwoche und der amerikanischen Vanity Fair sein sollen. Stattdessen war die wöchentliche Themenauswahl ein Potpourri aus der Udo Walz Bibliothek. Und trotzdem die Redakteure bestimmt herrschaftlich bezahlt wurden, und die Visitenkarten als EIntrittskarte in viele Vip-Lounges benutzten, über den Berliner Tellerrand hat man selten rausgeschaut. Es gab wohl keine Ausgabe, in der nicht mindestens einmal der Name Grill Royal fiel, Iris Berben erwähnt war, der Bürgermeister Wowereit, Designer Michalsky oder Nadja Auermann als Berliner Muse. Frei nach Baby Schimmerlos: Reinkommt wer drin ist.
Die Kapitäne haben das sinkende Schiff rechtzeitig verlassen. Vielleicht haben sie gemerkt: US Starimporte alleine machen auch kein Magazin. Und für die ganz großen europäischen Themen fehlte der Redaktion vielleicht das Gespür. Mein Bedauern hält sich in Grenzen.