Von Gottfried Knapp

Die Unesco setzt ein Ultimatum: Wenn der Bau der Waldschlösschenbrücke nicht gestoppt wird, verliert Dresden den Welterbe-Status. Kann man eine Katastrophe vertagen?

Die Welterbekommission der Unesco hat auf ihrer Tagung im kanadischen Quebec ihre alte Drohung, das Elbtal in Dresden wegen des begonnenen Brückenbaus von der Liste der Welterbestätten zu streichen, nicht wahrgemacht, doch die Frist, die sie der Stadt eingeräumt hat, ist kurz und die Bedingung, an die sie ihre Entscheidung geknüpft hat, eindeutig: Wenn der Bau der Waldschlösschenbrücke im Naturschutzgebiet der Elbauen nicht sofort eingestellt und der vorige Zustand der Landschaft wiederhergestellt wird, geschieht in einem Jahr das unsagbar Peinliche, dann vollzieht die Unesco-Kommission den einstimmig gefassten Beschluss und kickt die sächsische Landeshauptstadt aus dem Verband der bedeutendsten Kultur- und Natur-Monumente der Welt hinaus, in den sie nur hineinkam, weil sie ihre Bewerbung nicht mit historischen Bauten motiviert hat, sondern mit erhaltenen Landschaftsformen in der Stadt, also genau mit jenem Bereich, den sie jetzt zerstören will.

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Ein Jahr Aufschub, doch Dresden muss weiter um den Status als Weltkulturerbe bangen. (© Foto: ddp)

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Politische Tricks

Nur wenn sich die Stadt für die alternative Tunnellösung entscheiden würde, könnte die Welterbe-Kommission einer Querung der Elbe im geschützten Bereich zustimmen. Doch wer beobachtet hat, mit welchen Tricks die politischen Protagonisten in den letzten Wochen eine Volksbefragung zu diesem Thema verhindert haben, der kann sich ein Einlenken in diese Richtung kaum vorstellen.

Warum die Unesco-Kommission nicht schon jetzt, da die Stadt in flagranti erwischt worden ist, den Ausschluss Dresdens aus der Kulturgemeinschaft beschlossen hat, lässt sich nur mit dem Ansehen erklären, das die Vertreter des Denkmalschutz-Musterlands Deutschland in den Gremien immer noch genießen. Außerdem wollte man den Gegnern der Brücke, die nicht müde werden zu protestieren, eine weitere Chance geben.

Für die Betreiber des Brückenbaus ist der abermalige Aufschub kein Grund zum Triumphieren, sondern eher ein Ärgernis. Die heftigen Reaktionen auf das neue Zeitlimit zeigen, dass man nervös geworden ist, die Brückenbaupläne aber umso trotziger durchsetzen will.

Wäre der Stadt schon jetzt der Welterbetitel abgesprochen worden, könnten sich die Brückenbauer wenigstens als Märtyrer gerieren und die Unesco als Gegner bloßstellen. Vor allem aber: Dann könnten sie endlich den totalen Sieg feiern über ihre Gegner, die hufeisennasigen Feingeister, die Naturschützer und Nobelpreisträger, die Künstler, Theologen, Architekten und Historiker.

Präzedenzfall

Dass die Aberkennung des Welterbestatus aber nicht nur die Beschädigung des Elbtals beschleunigen, sondern auch im Kulturbewusstsein der Stadt, des Landes, ja Deutschlands Schäden anrichten wird, scheinen die verbissenen Vorkämpfer des Brückenbaus bislang kaum bedacht zu haben. Sollte im nächsten Jahr Dresden wirklich vom Olymp der internationalen Staatengemeinschaft verstoßen werden, belädt sich Deutschland mit einem kulturellen Makel, der nur schwer zu tilgen sein wird.

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