Zwar kann durch privates Stromsparen zunächst der CO2-Ausstoß eines nahegelegenen Kohle- oder Gaskraftwerks sinken, es ermöglicht den Kraftwerksbetreibern jedoch, die nun überschüssigen Zertifikate an der Strombörse zu verkaufen. Die Emissionen werden also lediglich verlagert, entweder auf andere Kraftwerke oder hin zu industriellen Großverbrauchern von Elektrizität.
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Je mehr die umweltbewussten Haushalte einsparen, desto mehr und demzufolge günstigere Zertifikate kommen auf den Markt. Davon profitieren vor allem energieintensive Industrien wie Stahl- und Aluminiumhütten, für die der Druck zur Anpassung ihrer Produktionsprozesse ein wenig abgemildert wird - was in volkswirtschaftlicher Hinsicht nicht das Schlechteste ist, für den klimabewussten Verbraucher aber sich nicht der Grund war, sich eine effizientere Waschmaschine zu kaufen.
Die Liste alltäglicher Beispiele für nicht-intendierte Effekte oder nur unzureichend durchschaute Zusammenhänge ließe sich beinahe beliebig verlängern. Eine Minderheit konsultiert in solchen Fragen nicht nur eifrig die einschlägigen Fachmedien, mit noch größerem Eifer diskutiert sie darüber in zahllosen Online-Foren. Die Mehrheit aber steigt an genau diesem Punkt aus, eben weil der Alltag in der Spätmoderne noch ganz andere Herausforderungen bereit hält, als einen zweifelsfrei nachhaltigen Lebensstil zu pflegen, etwa: Geld verdienen, die Kinder zum Sport bringen, mal eben kurz in die Mails schauen.
Der Alltagsverstand
Weil der Alltagsverstand aber nichts mehr fürchtet als fortwährende Ambivalenzen, wird das Wissen einfach den eigenen Möglichkeiten und Präferenzen angepasst. Die Systemausschnitte für die möglichst positive Bewertung der eigenen Alltagspraxis werden so gewählt, dass der Vorreiter-Anspruch gewahrt und das Gewissen beruhigt bleibt.
Vielen wird es genügen, nun nur noch "im Kleinen" einen Unterschied zu machen. Hin und wieder das Auto stehen lassen. Flüge in Kombination mit den angebotenen Projekten zur CO2-Kompensation buchen: "Immer noch besser als nichts". Wer ein bisschen Geld in die Hand nimmt und sorgfältig plant, kann aber auch mit strategischen Kaufentscheidungen beträchtliche Distinktionsgewinne erzielen - mit einer Solaranlage auf dem Dach natürlich leichter als mit einer Modernisierung der im Keller versteckten Heizungsanlage. Und das neue Auto sollte nicht nur über einen Hybrid-Antrieb verfügen, sondern als solches auch deutlich zu erkennen sein. Der Anspruch ist schließlich, durch nachhaltigen Konsum den uneinsichtigen Mitbürgern ein gutes Beispiel zu sein.
Misst man den Ansatz einer ökologisch ausgerichteten "Alltagspolitik" aber an seinen eigenen Ansprüchen, so fällt die Bilanz der letzten 30 Jahre doch recht bescheiden aus. Nicht einmal Energiesparlampen und CO2-arme Autos haben sich bislang am Markt durchsetzen können. Auf die Energie- und Materialeffizienz von industriellen Produktionsprozessen haben Endverbraucher ohnehin keinen Einfluss. Eine "Individualisierung von Verantwortung" kann deshalb nicht zum Ersatz für den erfolgversprechenderen Weg einer politischen Regulierung werden.
Es hat sich als wenig effektiv erwiesen, energie- und klimapolitische Entscheidungen mit gruppenspezifischen Moralvorstellungen aufzuladen. Weitaus zielführender ist es, durch politische Rahmensetzungen vermehrt Anreize für professionelle Akteure zu schaffen, eine Vielzahl von energieeffizienten und klimafreundlichen Lösungen zu entwickeln.
Ungefragt
So ist etwa der vergleichsweise hohe Ausbaustand bei erneuerbaren Energieträgern in Deutschland keineswegs einer besonders großen Zahl an bewussten Ökostromkonsumenten zuzuschreiben, sondern dem regulatorischen Modell der Einspeisevergütung, das die großen Energieversorger dazu zwingt, die Gesamtproduktion an Wind- und Solarstrom zu staatlich festgelegten Preisen in die Elektrizitätsnetze einzuspeisen und die anfallenden Kosten "ungefragt" auf alle Stromkunden umzulegen.
Und seit die EU im vergangenen Jahr beschlossen hat, den Anteil der Erneuerbaren am Energieverbrauch bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern, investieren auch die großen Energieversorger massiv in diesen Sektor. Nicht deshalb, weil sie plötzlich "grün" geworden wären, sondern weil dieses Geschäftsfeld aufgrund politischer Grundsatzentscheidungen ökonomisch lukrativ zu werden verspricht.
Eine De-Politisierung der Alltagspraxis wäre keineswegs gleichbedeutend mit dem Ende von Umweltpolitik, ganz im Gegenteil. Sie brächte dem Einzelnen nicht nur eine Entlastung von letztlich uneinlösbaren Ansprüchen an sein individuelles Handeln. Sie könnte zugleich auch eine Re-Politisierung des Umweltbewusstseins beflügeln. Denn die entscheidenden Auseinandersetzungen um gesellschaftliche Veränderungen werden nicht auf dem Feld des privaten Konsums ausgetragen, sondern auf dem der institutionalisierten Politik.
Der Autor ist Kulturanthropologe und Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.
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(SZ vom 11.8.2008/rus)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
...die Natur und das Klima sind immer stärker der Ausbeutung ausgesetzt und wirtschaftliche Einzelinteressen stehen über dem Allgemeinwohl. Naturgesetze so auszunutzen und den gesamtwirtschaftlichen Schaden von mehr als 400 Billionen US $ sind langfristig zu multiplizieren und ergeben somit einen Bankrott, da Einzelgewinne nicht über den Belangen der gesamten Menschheit stehen dürfen. Die Globale Betrachtung der Erde als Gesamtkunstwerk tut Not und die Weltregierung zum Wohl nicht zum Unwohl sollte mal angedacht werden, damit das Gleichgewicht nicht radikal kippt und derzeitige Währungen und Reichtümer gar keine Rolle mehr spielen, da die Weltordnung dann eine komplett andere wird.
Resourcenverschwendung und Raubau und -ausbeutungen haben Folgen und die können durch nichts abgefangen werden. Vielleicht stehen wir kurz vor einem Kollaps und die Weltgemeinschaft steht nicht mal zusammen, sondern begeht Kriege und andere Vernichtungen von Resourcen am laufenden Band.
Eigentlich spricht man von der Generation der Hochtechnik, aber wenn die Natur angegriffen wird, scheint sich die Dummheit und Verständnislosigkeit leider rasant zu verbreitern, denn wer zerstört schon den Ast, auf dem er sitzt ?
Macht und Gier sind nicht mit Gemeinwohl zu vereinbaren und das Oberste Gericht dürfte hier wohl eine Verurteilung planen, da das Weltklima an verschiedene Grenzen
stößt und kollabiert - zum Schaden aller, nicht von Einzelnen.
Möge die Politik sich seiner Verantwortung bewußt sein, denn dann gehen ca. 5 Millarden Menschen auf die Straße und schlagen den Verantwortlichen alles um die Ohren, weil eine Rettung nicht in Sicht ist und versucht wurde.
Zuviele wollen durch Ausbeutung profitieren und das ohne Rücksicht auf den Verlust der Lebensgrundlagen aller !!! Was für eine riesen Sauerei und bodenlose Gemeinheit, dies unseren Kindern als Erbe anzubieten !!! Schämt Euch Ihr Politiker, die Ihr nur hinschaut und wegschaut, statt wie die Feuerwehr zu reagieren und den Brand zu löschen, aber nicht mit Öl, Benzin und Kraftwerken usw.!!!
Profitgier in einer Welt des Ultrakapitalismus erscheint derzeit eher als edel und gewünscht, als verwerflich. Das gesunde Wachsum muss man da bezweifeln !!!
sehr realistische Einschätzung, kann mich nur anschließen
@Dowanda
Wer sagt denn das jener der gegen den Tiertransport ist und gleichzeitig Tierversuche befürwortet?
Ein wenig über den Kamm geschert?
Im Prinzip haben sie auf eine Weise recht, Es wird immer schnell Panik gemacht, so als ob wir Morgen sterben würden. Es vermitelt einem das Gefühl eines wilden Hühnerhaufens, welches von einer Ecke in die nächste gescheucht wird.
Warum etwas gegen die Mülltrennung spricht, verstehe ich nicht im Zusammenhang mit der Regierungsfreundlichen profitierenden Industrie? Nur weil jemand die Taschen aufhält um abzuzocken ist einfach kein Argument gegen die Mülltrennung.
Es ist sicherlich richtig, dass das Konzept "Emissiionshandel" dramatischer Verbesserungen bedarf. Nicht nur innnerhalb der EU, sondern weltweit.
Allerdings kann der Einzelne sehr wohl ein grosses Stueck zum globalen Klimaschutz beitragen: Indem er, inzwischen ja beinahe unabhaengig von Einkommen und Status, weniger fliegt.
In einer grossen US Tageszeitung stand vor kurzem eine Formel, in die man seine Flugmeilen, gefahrene Kilometer mit dem Auto (unter Beruecksichtigung des durschnittlichen Benzinverbrauchs), Strom- und anderen Energieverbrauch im Haushalt etc. eintragen konnte, um so den persoenlichen CO2 "Fussabdruck" zu ermitteln.
Ergebnis: Nichts beeintraechtigt das Endergebnis auch nur annaehernd so stark wie das Fliegen. Beispielsweise liegt mein persoenlicher CO2 "Fussabdruck" bei - fuer mich schockierenden - 42 Tonnen pro Jahr. Der US Durchschnitt (ohnehin der schlechteste der Welt) liegt bei etwa 22 Tonnen. Ohne meine beruflich bedingte Vielfliegerei (rund 200,000 Meilen im Jahr) laege mein persoenlicher Wert bei 11 Tonnen. (Lieber waere mir lediglich 5 oder 6 Tonnen, aber das liesse sich durch die Abschaffung meines relativ spritfressenden Autos und bestimmter Umruestungen im Haushalt erzielen).
Darueberhinaus sollten sich viele Menschen mal einfach folgenden Wert vergegenwaertigen: Um ein Pfund (500 Gramm) Rindfleisch fuer den Supermarkt zu produzieren, sind knapp 10,000 Liter Wasser notwendig. Vom Methangasaussstoss der Rinder mal ganz zu schweigen. Vielleicht sollte man allein deshalb versuchen, so vegetarisch wie moeglich zu leben....
Kernzitat aus dem Artikel:
"Die gesteigerten Ansprüche an das Klimabewusstsein des verantwortungsbewussten Einzelnen sind jedoch nur um den Preis einer Verkomplizierung seiner Alltagspraxis zu haben."
Ich denke, das ist falsch. Eine wesentliche "Alltagspraxis", welche die Klimaveränderung überhaupt erst heraufbeschwört hat, ist nämlich schlicht die (zu) hohe menschliche Vermehrungsrate. Und die Entscheidung, wie viele Kinder ich habe, würde ich nicht als besonders kompliziert bezeichnen.
Mein Verdacht nährt sich aufs Neue:
Der saure Regen ist weg, das Ozonloch zieht nicht mehr genug, BSE bleibt auf der britischen Insel und dort nur selten, die Vogelgrippe war ein paniktechnischer Rohrkrepierer - also muss CO2 herhalten.
Obwohl sich immer mehr kritische Stimmen mehren; aber die werden mundtot gemacht oder als Spinner hingestellt. Was im Endeffekt dasselbe ist.
Anstelle der Religion tritt bei uns immer mehr ein Ökoterrorismus. Der fängt bei den obigen Beispielen an, geht über die Ernährung (ich sage nur Cholesterin, Transfette etc) bis hin zur Forderungen nach Menschenrechten für Tiere. Diese Themen werden mit dem Tauchsieder im inzestiösen Feuilleton embeddeder Journalisten so lange hochgekocht, bis sie zwar nur heisse Luft sind - aber eine heisse Luft, die allgegenwärtig ist und allein schon deswegen den Eindruck erweckt, es wäre was dran.
Damit erregt man nicht nur zurecht Trotz und Ungläubigkeit, sondern man diskreditiert auch all diejenigen, die in diesen Fragen mit Maß an die Sache herangehen. Die z.B. auch nicht dafür sind, Motoröl auf die Wiese zu kippen - sich aber fragen, wozu es gut sein soll wenn man teure Mülltrennungssysteme aufzieht von denen offenbar eine regierungsfreundliche Industrie profitiert. Die gegen Tiertransporte quer durch Europa sind, aber Tierversuche z.B. im medizinischen Bereich befürworten usw.
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