Ein Single, vier Kuppler, ein Kandidat und jede Menge überflüssiger Kommentare - so sieht die erste Folge der neuen ARD-Dating-Show aus. Denn Ilka ist auf der Suche nach den berühmten drei "Ks": Kühe, Kerl und Kind.
Bruce' zuckersüß-tränenreiche Stylingshow ist abgedreht. Jetzt zieht die ARD andere Seiten auf, kehrt zurück zu seinen "Herzblatt"-Wurzeln und startet eine Dating-Show. In der ersten Woche des neuen Formats "Ich weiß, wer gut für dich ist" geht es um "ganze Männer". Damit hofft das Erste nun endlich die Lösung für den gewöhnlich quotenschwachen Sendezeitraum 18:55 Uhr bis 19:20 Uhr gefunden zu haben.
Bild vergrößern
Kandidat Nummer eins, Matthias aus Eckernförde - der Richtige für Ponyliebhaberin Ilka? (© Foto: Das Erste)
Anzeige
Man kennt das ja: Die beste Freundin kann ihren Mund nicht halten, wenn es darum geht, die Single-Freundin in Sachen Männerwahl zu beraten. Auch die Mutter verkneift sich ihre Tipps und Kommentare meist zu spät und weder großer Bruder noch bester Kumpel sind ergiebige Berater. Dieses Dilemma, gemixt mit einem Hauch von "Herzblatt" - und schon hat man die idealen Ingredienzien für eine Vorabendserie im Ersten.
Konkret bedeutet das: Eine nette Single-Dame - in diesem Fall Ilka, 36-jährige Projektmanagerin aus Husum, patent mit Pferd und Gummistiefeln - sucht einen Mann fürs Leben. Wer also sollte sie besser beraten als ihre engsten Vertrauten? Da wäre die gutherzige Schwägerin in spe, Luise, und Owe, der Bruder, "der zwar auch schon 31 Jahre alt ist, aber immer Ilkas kleiner Bruder bleibt" (O-Ton Das Erste). Außerdem Zickenalarm im Doppelpack mit Cousine Christina und bester Freundin Christiane: "Hauptsache Cabrio!" und "Der Traummann hat ein Haus, ein Boot, ein Auto ...!". Los geht's.
Jeden Tag in dieser noch jungen Woche sucht also eine(r) der vier - als Kuppler - einen Kandidaten für das Date mit dem Single aus. Die Auserwählten müssen sich ins Zeug legen, denn freitags ist Entscheidungstag. Daher ist der Bewertungsplan so wichtig, für den Fall, dass Ilka sich bis Freitag nicht mehr an die einzelnen Anwärter erinnern kann. Aussehen, Sympathie und Spaßfaktor sind die aussagekräftigen Kategorien, wie die auf Dauer-Ironie gepolte Off-Stimme erklärt.
Diesmal wählt Luise den Wirt Matthias ("Wer nichts wird, wird Wirt", weiß Bruder Owe), im Wikinger-Style aus, der mit Ilka - die schon seit einem Jahr Single ist - segeln geht. Zuvor durchstöbern Ilka und Luise noch Matthias' Männerbude inklusive Designerwohnzimmer. An zwei abgelaufenen Paketen Mehl und einer Sammlung kleiner Wichteltrolle droht das Blind-Date beinahe im Vorhinein zu scheitern, denn Ilka weiß nicht, ob sie damit glücklich werden kann. In diesen beiden Punkten sind sich Bruder und Lästerschwestern einig: So was geht gar nicht. Ordentlich muss er schon sein. Überraschenderweise hat Ilka dann aber doch noch Spaß mit dem Naturburschen aus Eckernförde mit Faible fürs Wasser.
Fängt so die große Liebe an? Die Wahrscheinlichkeit ist gering: In knapp 20 Jahren "Herzblatt" im Fernsehen haben nur zwei Paare geheiratet. Wozu also der Aufwand? Schließlich hätte Ilka eigentlich lieber einen Landwirt - "weil ich glaube, dass es in der Landwirtschaft noch echte Männer gibt". Außerdem soll ihr Traummann groß, kräftig, lustig, humorvoll, kinderlieb und zupackend sein und ... natürlich ihr Pony Paul mögen.
Liebe Ilka, sei nicht traurig, wir hätten da was für Dich: Auf RTL soll eine total tolle Show laufen. Landwirt sucht Anschluss, oder so ähnlich. Vielleicht versuchst Du's mal bei denen. Wir glauben, die wissen wirklich, wer gut für Dich ist.
(sueddeutsche.de/rus)
Partyzone Flußufer
Als ich den Trailer zur neuen Show sah, war klar, dass das kommende Format einmal mehr ein mißratener Abklatsch privater Fernsehkultur sein würde. Im Trailer sah man gleich zwei Bauern/Landwirte, die um die Gunst der Kandidatin buhlten. Großartig! Warum kopieren sie es nicht gleich Eins zu Eins und nennen es "Landwirt sucht Weib"?
Da tun sich Abgründe auf, die mich stets zweifeln lassen, warum die Öffentlich-Rechtlichen mit der GEZ als Eintreiber noch eine Berechtigung hat. Natürlich schaue ich die Tagesschau und gern "Hart aber Fair" oder "Frontal". Aber rechtfertigen diese Formate ein stetiges Steigen der Gebühren, wenn an anderer Stelle ausschließlich von den privaten Sendern kopiert wird? "Brisant" heisst es hier, "Explosiv" dort. Jörg Pilawa kopiert die Rolle des Günther Jauch und wenn man mal "Wetten, dass..." schaut und die Prominenz auf dem Sofa begutachtet fällt auf, dass auch hier immer mehr "gemachte Stars und Sternchen" der Privaten rumsitzen. Bruce Darnell wurde auch auf ProSieben berühmt, bevor ARD die Übernahme startete, die ebenso lächerlich, wie zum Scheitern verurteilt war. Und nun nochmal die Frage: Warum GEZ? Oder warum finanziert die GEZ nicht direkt die Projekte der Privaten? Leider kann man diesen Verein nicht boykottieren. Schade.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wann Peter Zwegat als Schuldenberater im ZDF auftaucht...
... ich wissen wollte, was die ARD gegen die schlechten Quoten zwischen 18.55 und 19.20 Uhr unternehmen wird...
"Einmal und nie wieder" - war meine Devise um 19.20 Uhr.
Liebe Kandidatin, sei nicht traurig, wir hätten da was für Dich: Auf RTL soll eine total tolle Show laufen. Landwirt sucht Anschluss, oder so ähnlich. Vielleicht versuchst Du's mal bei denen. Wir glauben, die wissen wirklich, wer gut für Dich ist.
Besser hätte ich es auch nicht ironischer schreiben können..