Thriller "Blackhat" im Kino Hacker mit getuntem Body

Überzeugt nicht als Super-Hacker: "Thor"-Mime Chris Hemsworth im Thriller "Blackhat"

(Foto: dpa)

Chris Hemsworth als Super-Hacker, der Foucault liest - kann das funktionieren? "Blackhat" will die digitalen Kriege der Zukunft inszenieren. Doch bald geht es nur noch um Action, Geschwindigkeit und Rumballern.

Von Susan Vahabzadeh

Die Welt muss früher einmal wesentlich übersichtlicher gewesen sein. So schlicht, dass man in den Western der Stummfilmzeit den Fieslingen und den Verfechtern der Ordnung schwarze und weiße Hüte aufsetzen konnte, und keinen hat es gestört. Michael Manns Action-Cyberwar-Thriller "Blackhat" ist eher ein Eastern, und er meint mit dem Titel auch "Black hat hacker" - solche, die im Netz Schaden anrichten wollen. Aber es geht eben auch um moralische Unordnung und das diffuse Gefühl, dass Justiz und Staaten nicht sehr gut darin sind, die Guten von den Bösen zu unterscheiden. Und deshalb gerne jemandem die schwarze Kappe aufsetzen, der es nur möglicherweise verdient. Einfach weil es leichter ist.

Snowden ist ganz weit weg

Letztlich wird der Kampf nicht digital sondern ganz physisch mit den Händen ausgefochten: "Blackhat" ist mehr Actionfilm als Cyber-War-Thriller. mehr ... Trailer

"Blackhat" ist schon ganz spannend. Aber an Michael Manns große Erfolge - "Heat" oder "The Insider" - kommt der Film nicht heran. Es bildet sich eine merkwürdige Allianz am Anfang, eine Einigkeit, die nur die Angst ermöglicht hat. Es hat einen Anschlag gegeben auf ein Atomkraftwerk in Hongkong, eine Cyberattacke hat dort eine Kernschmelze ausgelöst. Kurz darauf schnellen die Soja-Aktien an der Börse in Chicago in die Höhe - auch das ist das Resultat eines Cyberangriffs. Terrorismus, ja - aber keiner weiß, wer da angreift, und vor allem: warum.

Die FBI-Computerspezialistin Carol Barrett (Viola Davies) tut sich trotz der Vorbehalte ihrer Vorgesetzten mit einem chinesischen Kollegen zusammen, Chen Dawei (Wang Leehom). Beiden ist aufgefallen, dass bei den Angriffen dasselbe alte Programm wiederverwendet wurde. Chen weiß ganz genau, wovon er redet - er hat in Amerika studiert und überrascht Barrett schnell mit dem Geständnis, dass er damals mit dabei war, als das Programm von einer Gruppe geschrieben wurde, unter Federführung seines Freundes Hathaway (Chris Hemsworth), den er deswegen unbedingt mit im Team haben will. Barrett bekommt das hin, obwohl es ziemlich schwierig ist - denn Hathaway sitzt im Knast: Er ist wegen seiner Codeknackerei verurteilt worden.

Letztlich wird der Kampf nicht digital sondern mit den Händen ausgefochten

Seit den gehackten E-Mails bei Sony im vergangenen Jahr mag es in Hollywood klar sein, dass die Hacker immer die Bösen sind - hier ist es das jedenfalls nicht, und "Blackhat" macht sich wenig Sorgen um den Datenschutz und viel um die Schwierigkeiten, das Böse aufzuspüren. Um herauszufinden, wer hinter all dem steckt, braucht es schon einen Hathaway, und auch der stößt an seine Grenzen. Letztlich wird der Kampf nicht digital sondern ganz physisch mit den Händen ausgefochten.

All das könnte sehr interessant werden: Dass man immerzu an Snowden denken muss und den moralischen Zwiespalt, in dem er steckt. Das Verhältnis von Körper und virtueller Welt - wie, das spiegelt sich immer in den Bildern, alles doch letztlich immer nur auf dem Erdboden stattfindet. Die Cyberattacke ist erst wirklich eine, wenn sie realen Menschen aus Fleisch und Blut Schaden zufügt.

In dem Thema steckt viel drin - aber Michael Mann, der eigentlich zu den ganz Großen des amerikanischen Kinos gehört, holt am Ende dann doch sehr wenig heraus. Vielleicht weil er genau die Konzessionen macht, die er früher mal verweigert hat, was Filmlängen angeht beispielsweise. Irgendwann geht es in "Blackhat" nur noch um Action, Geschwindigkeit, Rumballern, die Handlung wirkt sprunghaft. Ob das nun gewollt ist oder entscheidende Szenen im Schnitt im Daten-Orbit gelandet sind, der Länge wegen, sei dahingestellt. Der Effekt ist jedenfalls, dass die einzelnen Figuren auftauchen und abgehen und man das Gefühl nicht los wird, man hätte die entscheidende Szene, die sie hätte charakterisieren sollen, verpasst.

Verhuschte, schmuddelige Bilder sind nichts besonderes mehr

Auch der hyperrealistische Look, den Mann vor etwa zehn Jahren in "Collateral" mit Digitalkameras erzeugte, funktioniert hier nicht. Die etwas verhuschten, schmuddeligen Bilder sind heute nichts besonderes mehr, und sie nützen nichts, weil die Figuren nicht plausibel sind - was manchmal auch an den Schauspielern liegt. Weil Leute, die nach mehrstündigem Training und endlosem Styling aussehen, einfach keine Zeit hätten, auch Computergenies zu sein.

Chris Hemsworth mit seinem getunten Body ("Thor") ist nicht recht glaubwürdig. Manchmal funktioniert er als Hathaway, wenn er um sich schießt wie ein Profi-Agent - aber eben nicht als Super-Hacker. Man sieht ihn anfangs, mit Büchern von Foucault und Baudrillard, "Das System der Dinge". Das Buch ist hier selbst ein Zeichen im System der Dinge, ein Objekt, das seinen Nutzen daraus bezieht, dass es etwas erzählt - aber vielleicht mehr über den Filmemacher Michael Mann als über die Figur, die es in der Hand hält

Blackhat, USA 2015 - Regie: Michael Mann. Drehbuch: Morgan Davis Foehl. Kamera: Stuart Dryburgh. Mit: Chris Hemsworth, Tang Wei, Viola Davis, Wang Leehom. Universal, 124 Minuten.