Tanz-Musik-Drama "Lo Real/Le Réel/The Real" Ein Stück für die Deutschen

Für "Tiefland", in dem Riefenstahl selbst die weibliche Hauptrolle übernahm, ließ sie Sinti und Roma aus den "Zigeunerlagern" Maxglan bei Salzburg sowie Berlin-Marzahn Rastplatz rekrutieren. Angeblich stellte sie ihnen in Aussicht, sich bei der SS-Führung für sie zu verwenden, brach dieses Versprechen aber. Der Film kam erst 1954 in die Kinos, die Szenen mit den "spanischen Komparsen" waren herausgeschnitten. In "Lo Real" wird das Geschehen um den Film angedeutet, Kamera und Scheinwerfer aufgefahren.

Die Zerrissenheit des Nazis zwischen Rassenlehre und dem heimlichen Aufgeilen an den "Zigeunertänzen" verkörpert ein Klavier: Als es aufklappt, offenbart es seine innere Zerstörung. Die Klaviatur wird weggezogen, die Saiten bilden nun den Elektrozaun des KZ.

Eine Gefangene kommt erst darin um, überwindet dann aber tanzend den todbringenden Zaun. Sie tanzt auch zum Lied "Hitler in my heart"von Antony and the Johnsons, das laut Galvàn nicht zufällig im Fandango-Rhythmus, einer Flamenco-Art, geschrieben ist; auch der "Tango des Todes" von Edoardo Bianco, den Roma-Musiker im Lemberger Ghetto gespielt haben, scheint auf.

Disharmonische Geräusche veranschaulichen den NS-Terror

Galvàns Flamenco-Ensemble erzeugt auf vielfache Art disharmonische Geräusche, die das Grauen des NS-Terrors veranschaulichen sollen: knallende Peitschen, übersteuerte Elektrogeräte, das Kratzen und Kreischen von metallenen Zaunpfählen, die über den Boden gezogen werden, Rauschen und Stampfen einer Lokomotive - in Viehwagen wurden die Sinti und Roma nach Auschwitz gebracht. Die lakonische Erklärung dazu kommt auf Deutsch.

Ein Teil des Madrider Premierenpublikums verließ während der Aufführung hörbar indigniert das Teatro Real - der andere Teil feierte Israel Galvàn und Gerard Mortier. 2013 kommt das Stück auf mehrere europäische Bühnen, es wird auch bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen aufgeführt. Eigentlich ist es ja ein Stück vor allem für die Deutschen.