Von Andrian Kreye

Sie wohnen in verbarrikadierten Häusern, fliegen im Privatjet - und Steuern zahlen immer die anderen. Superreiche sind nicht mehr von dieser Welt.

Will man die jüngsten Steuerskandale diskutieren, dann stößt man schnell an rhetorische Grenzen. Denn in den Stammtischargumenten und Schlagzeilen der Boulevardpresse findet sich immer noch das antiquierte Bild vom "ihr da oben, wir da unten". Das aber geht davon aus, dass die Reichen und Mächtigen in der selben Welt leben wie die Normalverdiener und Durchschnittsbürger.

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Schöpfen aus dem Vollen: Glamour-Lady Xenia Merz und ihr reicher Ehemann in Moskau. Phoenix widmet ihnen am 2. März, 18.45 Uhr, eine Sendung. (© Foto: Phoenix/ZDF/Dietmar Schumann)

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Und das tun sie schon lange nicht mehr. Denn es geht nicht mehr um oben und unten oder links und rechts. Der neue Gegensatz ist vielmehr zwischen wir hier drinnen, ihr da draußen. Da reicht schon ein Blick auf die Entwicklung von Design und Architektur in den letzten anderthalb Jahrzehnten, in jener Zeit also, in der sich eine ganz neue Klasse des superreichen Weltbürgers etablieren konnte.

Die nicht nur anders leben, sondern auch anders denken. Das Lebensmotto dieser neuen Elite formulierte die milliardenschwere New Yorker Hotelbesitzerin Leona Helmsley zu Beginn dieser Ära, im Jahre 1989, als sie sagte: "Wir zahlen keine Steuern. Nur die kleinen Leute zahlen Steuern."

Nimmt man die Entwicklung der Luxusautomobile seit Mitte des 20. Jahrhunderts, kann man die Entfremdung der Reichen von der Welt bildlich darstellen. In den fünfziger Jahren war der Inbegriff des Luxus eine Limousine. Mercedes und Cadillac bauten jene Wagen, die als Straßenkreuzer das prunkvolle Bild von der Luxusyacht zu Lande beschwörten, Porsche und Ferrari die Sportwagen, die Überlegenheit durch Geschwindigkeit bewiesen.

Hinter Mauern und Fassaden

Die neue Klasse der Luxuswagen aber basiert auf dem Grundmuster von Nutzfahrzeugen. Allerdings haben so genannte Sport Utility Vehicles nur noch in der Anmutung etwas mit den Geländewagen der Vergangenheit zu tun. Viele Luxusgeländewagen haben kaum noch die Bodenfreiheit, um einen Bordstein zu überwinden, geschweige denn einen geländegängigen Vierradantrieb.

Die eigentliche Funktion dieser Fahrzeuge ist es, ihre Fahrer und Passagiere von der Außenwelt abzuschirmen. Da sitzen sie weit über dem automobilen Proletariat in luftiger Höhe, die verdunkelten Scheiben schützen weniger vor Sonne als vor neugierigen Blicken, und ihre Geräumigkeit dient vor allem dazu, eine Inneneinrichtung unterzubringen, die mit mächtigen Ledersitzen und üppigen Konsolen das Interieur eines Salons beschwören.

Ähnliche Entwicklungen kann man auch in der Architektur beobachten. Dienten die Villen des 19. und 20. Jahrhunderts noch dazu, Ehrfurcht vor dem Reichtum zu erzeugen, so verstecken die Bewohner modernistischer Luxushäuser in Hollywood und Grünwald ihren Status hinter Mauern und Fassaden, die von außen eher an eine Lagerhalle oder einen Werkhof erinnern denn an die Kreation eines teuren Architekten wie Rem Koolhaas und Frank Gehry.

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