Der endgültige Videoblog: Antiquar Wengerzink berichtet jeden Mittwoch auf sueddeutsche.de vom Leben mit seltenen Büchern und Menschen. In der ersten Folge befreit Wengerzink eine Familie vom tonnenschweren Erbe des Großvaters.
18.000 Bücher, verteilt auf seine Wohnung, drei Lager und das Antiquariat in Paderborn: Das ist der papierene Kosmos des Lothar Wengerzink. Zum Antiquar wurde der Grundschulrektor erst nach seiner Pensionierung, weniger aus Geschäftstüchtigkeit denn aus Leidenschaft. "Es kann im Laden zehn oder elf Uhr werden", berichtete er mal: "Dann ruft meine Frau an und fragt, ob ich wieder im Laden übernachten möchte und ob sie mir die Luftmatratze bringen soll."
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Gerät er ins Erzählen, entpuppt sich der Antiquar als Entertainer und sagenhaftes Story-telling-Talent. Selten hat man jemandem mit größerer Freude zugehört: Denn labern können viele, aber Lothar Wengerzink demonstriert die Kunst des gepflegten Erzählens aus dem Stegreif. Mit Leichtigkeit schüttelt er Anekdoten aus dem Ärmel, ob es nun um das Leben mit zu vielen Büchern, finanzkräftige Bettler oder geizige Chefarzt-Gattinnen geht. Sogar über seinen eigenen Tod wusste Wengerzink leichthin zu plaudern.
Sein Lieblingsbuch
Ende Februar 2008 ist Lothar Wengerzink im Alter von 72 Jahren gestorben. Seine sechsteilige, von Thilo Kortmann produzierte Video-Kolumne, ist gewissermaßen das Vermächtnis eines Büchermenschen an das Internet. Wir veröffentlichen die Folgen von nun an jeden Mittwoch um 14 Uhr.
Für den Fall, dass Sie wie wir zu Wengerzink-Fans werden: Sein Lieblingsbuch war "Das malerische und romantische Westfalen" von F. Freiligrath und L. Schücking, mit 22 Stahlstichen, Paderborn: Schöningh Verlag 1872.
(sueddeutsche.de/korc)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
... zum Lob des Buches - und als Dank an Bücher-Überbringer:
Ein gutes Buch ist der Seel ein Küchel.
... von Abraham a Santa Clara.
*
Und auch von ihm -
Abraham a Santa Clara:
(im Vorwort zu seinem Buch Etwas für alle; 1699)
Es sind die Bücher wie die Becher/
es gibt goldene/silberne/zinnerne Becher/
auch einige aus schlechter Erde.
Es sind gemeiniglich die Büchel
wie die Bächel. Es gibt fischreiche Bächel/
auch klare/nicht weniger trübe/in denen nichts
als grünhosige und geschwätzige Frösche logieren.
Schön auch mal authentische Personen im Internet zu sehen, die etwas zu erzählen haben.
"Schämen Sie sich Ihrer Mutterprache oder sind Sie einfach nur nicht mehr in der Lage, den Ausdruck auf Deutsch zu Papier zu bringen?"
Wenn Sie doch geschwiegen hätten. 'Storytelling' ist eben sehr viel spezieller als 'Geschichtenerzähler'. Letzteres kann durchaus negativ konnotiert sein, jaja, ein 'Schwätzer' halt ... Immer wieder drollig, wenn selbst ernannte Sprachschützer voll daneben greifen.
Sympathischer erster Teil der Video-Kolumne mit einem noch sympathischeren
Protagonisten. Werde mit Interesse die weiteren Teile verfolgen.
Schämen Sie sich Ihrer Mutterprache oder sind Sie einfach nur nicht mehr in der Lage, den Ausdruck auf Deutsch zu Papier zu bringen? Nun denn, dann helfe ich gerne nach: Geschichtenerzähler heißt der Ausdruck.
Paging