Die Dramaturgie hätte ihm als Spiegel-Geschichte vermutlich gefallen: Im Urlaub auf Bali erfährt Stefan Aust von seiner vorzeitigen Kündigung.
Die Kündigung ist vorzeitig, weil die Gesellschafter des Spiegel-Verlages eine Option nutzten, um Austs Arbeitsvertrag als Chefredakteur nicht bis 2010 weiterlaufen zu lassen, sondern ihn zum 31.12. 2008 zu beenden.
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In der offiziellen, sehr kurzen Meldung am Donnerstagabend hieß es, die Gesellschafter des Spiegel-Verlags hätten einvernehmlich und auf Initiative der Mitarbeiter KG beschlossen, den Vertrag von Aust nicht weiterlaufen zu lassen. Über eine Nachfolge werde "zu gegebener Zeit" informiert. Nun wird Aust seinen Vertrag möglicherweise nicht bis Ende 2008 erfüllen.
Damit hatte der Machtmensch Aust wohl nicht gerechnet, mit einem Privatjet soll er die sofortige Rückreise angetreten haben, wahrscheinlich wird er die Entscheidung nicht hinnehmen und auf Auszahlung seiner Bezüge drängen.
Die Mitarbeiter KG, die die Mehrheit am Spiegel-Verlag hält, hat das Votum gegen Aust vorangetrieben. "Wir sind der Meinung, dass der Spiegel einen Modernisierungsschub braucht", sagte der Geschäftsführer der Mitarbeiter KG, Armin Mahler. Schlechter Führungsstil und mangelnde Innovationskraft werden dem 61-jährigen Aust, der den Spiegel seit 13 Jahren leitet, offenbar schon länger vorgeworfen.
Schlechte Personalentscheidungen
Ihm werden schlechte Personalentscheidungen angekreidet, Debatten im Innern sollen abgewürgt worden sein. "Wir wollen mehr junge Leute an das Blatt binden. Dazu braucht es eine frische, neue Kraft," so Mahlert. Angeblich haben auch Redakteure gegen die Entscheidung protestiert. Die Aufregung in der Redaktion ist jedenfalls groß.
Aust sieht damit zunächst wie der Unterlegene in der internen Auseinandersetzung mit dem seit Jahresanfang verantwortlichen Geschäftsführer des Spiegel-Verlags, Mario Frank, aus. Aber auch die Position des Geschäftsführers gilt nicht unbedingt als gefestigt. Er wollte zuletzt die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland kaufen, doch er scheiterte damit ebenfalls am Widerstand der Mitarbeiter KG.
Angeblich habe Frank auch schon einen Nachfolger angesprochen, überraschenderweise den Journalisten Thomas Kleine-Brockhoff, lange Washington-Korrespondent der Zeit, inzwischen ist er für den German Marshall Fund der USA tätig.
Über Nacht, wie es am Donnerstag den Anschein hatte, wurde Austs Ende jedenfalls nach Lage der Dinge nicht beschlossen. Schon länger, so meinen Insider, seien sich die Mitarbeiter KG, Geschäftsführung und Gruner + Jahr einig gewesen über die Personalie. Seitdem ist man offenbar auch auf der Suche nach einem möglichen Nachfolger für Aust, mehrere Kandidaten sollen bereits angefragt worden sein, bisher aber ohne Ergebnis.
Aust ist seit Dezember 1994 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins und auch für Spiegel-TV aktiv, im Sommer wurde er hier Herausgeber. Aust fing 1966 als Redakteur bei der Zeitschrift Konkret und bei den St. Pauli-Nachrichten an. Dann arbeitete er für den Norddeutschen Rundfunk (NDR) und das Politmagazin Panorama, schrieb das Buch Der Baader-Meinhof-Komplex.
Der Spiegel-Verlag befindet sich zu 50,5 Prozent in Besitz der Mitarbeiter KG, weitere 25,5 Prozent gehören dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr, der Rest ist in den Händen der Erben von Rudolf Augstein. Gruner + Jahr, eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns, wollte sich am Donnerstag nicht zu der Entscheidung äußern.
(SZ vom 16. November 2007/odg/aho)
Brasiliens Präsidentin Roussef
OT
weit über 100 Leserkommentare,bei der Qualitäts-online aus Frankfurt dagegen nur 12( in Worten:zwölf).Woran mag das liegen, grübel,grübel!
in der täglichen Rubrik "Blick in die Feuilletons" finden sich auch Hinweise auf den Austabschied ,wobei,so meine ich bei Auswahl und Schreibstil eine deutliche Schadenfreude zu erkennen ist.Wohl Rache von Angestellten am Chef.
1. Journalisten sind Menschen, die genauso Geld verdienen müssen wie Sie und ich. Sie müssen ihre Familien ernähren. Sie werden beim nächstmöglichen Unternehmensverlust gekündigt - ein ständiges Damoklesschwert - wie in jedem anderen Unternehmen. Nur hat es bei Medien grössere Konsequenzen, weil ein falscher Artikel öffentlich ist.
2. Manche "intelligente" Medien lassen sogar sogenannte Alibitexte zu. Wie Diktaturen, die sich als Demokratien geben.
3. Jedes Medium hat also eine Range von Richtlinien, manche ist breiter und manche schmaler - je nach Toleranz.
4. Das, was stutzig machen muss, ist, wenn ein Medium über ein aktuelles heisses Thema nichts bringt - wie der Spiegel jetzt über die Hintergründe Aust. Neulich sagte eine Sprecherin der Tagesschau, dass in China über gewisse chinesischen Missstände nicht berichtet wird - ich musste lachen, denn das es soll den Bürgern unsere Pressefreiheit veranschaulichen. überall wird "weiss gewaschen"....
5. Herr Leyendecker ist zwar ein mächtiger (und guter) Journalist, aber seine Themen unterliegen genauso der Philosophie des Hauses, nur kann er mehr durchsetzen als andere Journalisten.
Ich habe übrigens in mehreren Redaktionen gearbeitet - als "freie" und damit unabhängig - und manches (kritische Recherchen Zahnärzte/Krankenkassen) wurde nicht angenommen. Das beste Beispiel ist aber meine aktuelle Entdeckung schweizer rechtstaatswidriger Gesetze zum Betrug und zur Richterbestechung. Damit wäscht die Schweiz "weisser" und ist "die Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens" (siehe Jean Ziegler, Schweizer, UN Kommissar für Menschenrechte).
Alle angesprochenen Redaktionen, waren zunächst sehr interessiert. Selbst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte nahm die Beschwerde in der 2. Kammer an. Doch dann kamen Interessen der Schweiz und ihrer Banken.
Anrufe "von oben" in die (Wirtschafts)Redaktionen bewirkten, dass alles gekippt wurde. Ein Verleger gab zu, dass er unter Druck gesetzt wurde, und sein Verlag zu klein sei, um das durchzustehen!
überall sitzt ein Schweizer oder (einer mit Schweizer Bankkonto), in Strassburg war es der Vorsitzende und Richter Luzius Wildhaber, der " aus gesundheitlichen Gründen" nach dem Fall pensioniert wurde).
Also schrieb ich das Buch "Schweizer Schwindel" im Eigenverlag (und "Die Schweiz - wenn die Maske fällt. Meine
will keinen Beitrag schreiben, nur diesen Reaktionen auf die Aust-Personalie positiv zustimmen!
Paging