Sendung "Literaturclub" Eklat um Heidenreichs Heidegger-Fälschung

Schriftstellerin Elke Heidenreich bei einer musikalischen Lesung im Kurhaus Bad Tölz.

(Foto: Manfred Neubauer)

In der Sendung "Literaturclub" im Schweizer Fernsehen hat die Schriftstellerin Elke Heidenreich gleich doppelt falsch zitiert: Martin Heidegger und die SZ. Trotzdem muss nicht sie, sondern ihr Ko-Moderator den "Literaturclub" verlassen.

Am 22. April standen im von Elke Heidenreich und dem Kritiker Stefan Zweifel moderierten "Literaturclub" des Schweizer Fernsehens die im März publizierten "Schwarzen Hefte" Martin Heideggers auf dem Programm. Heidenreich las dabei als Heidegger-Zitat den Satz vor: "Die verborgene Deutschheit müssen wir entbergen, und das tun wir, indem wir die Juden endlich beseitigen aus Deutschland." Zu Recht entgegnete der Ko-Moderator Stefan Zweifel: "Dieser Satz steht aber nicht in dem Band, den wir lesen." Heidenreich beharrte darauf, der Satz stamme aus dem Buch, Zweifel auf seinem Dementi.

Statt den Konflikt durch eine Nachprüfung des Zitats zu klären, entband der Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Stefan Zweifel von seiner Funktion als Moderator - nicht Elke Heidenreich, die für das falsche Zitat keinen Beleg bringen konnte. Stattdessen berief sie sich gegenüber der Basler Zeitung auf die SZ, der sie das Wort "entbergen" entnommen habe.

In der Tat gibt es in Heideggers "Schwarzen Heften", wie in der SZ am 25. März zu lesen, die "verborgene Deutschheit" und das "entbergen", aber nicht ein klares Bekenntnis zum "Beseitigen" der Juden. Auf die SZ kann sich Heidenreich für ihr selbstgebasteltes Zitat nicht berufen. Unerfindlich bleiben die Gründe des SRF für die Degradierung Stefan Zweifels, der - was die Aufgabe eines Kritikers nun mal ist - ein falsches Zitat als solches kenntlich machte.