Das "größte deutsche Talent im Fernsehen" soll Harald Schmidts Late-Night-Talk in der ARD auffrischen. "Wir haben "Rent a Pocher" ernst genommen, heißt es.
Als Harald Schmidt zur ARD zurückkehrte, erst mit einer Sondersendung und langen Haaren im Dezember 2004, dann gewissermaßen in Serie von Januar 2005 an, war ein Teil des Ensembles schon nicht mehr dabei, das er mit sich gezogen hatte in den langen Sat-1-Jahren mit den beinahe täglichen Late-Night-Auftritten.
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Es gab nun eine neue Band, auch die stets sichtbare Aufnahmeleiterin wurde ersetzt. Aber der getreue Andrack, als Sidekick von 2000 an ein echter Sancho Pansa, saß immer noch vorne links - von Schmidt aus gesehen. Und die gebildete Französin Nathalie thronte stilvoll auf einem Barhocker. Allerdings ist das dann eine eher stilvolle Form der kreativen Verarmung geworden, bei beiden. Das Meiste ist nicht mehr für ein Berufsleben ausgelegt.
Und deshalb, zumal auch der FC Bayern München in Person seines Managers Uli Hoeneß festgestellt hat, dass man zuweilen die halbe Mannschaft austauschen muss, wird der Entertainer Schmidt im Herbst vermutlich sein halbes Team wechseln und seinen Betrieb restrukturieren. Genau vom 25. Oktober an wird ihm Oliver Pocher zur Seite stehen für zunächst 22 Folgen. "Wir haben Rent a Pocher wörtlich genommen", sagte ARD-Programmdirektor Günter Struve.
Schmidt politisch, Pocher unter der Hüftlinie
Was Struve in Anspielung auf eine frühere Pro-Sieben-Sendung Pochers meinte, erläutert Fred Kogel, Schmidts Geschäftspartner, mit dem er Harald Schmidt produziert: "Oliver Pocher ist bei der Kogel & Schmidt GmbH exklusiv unter Vertrag und wird von Kogel & Schmidt bezahlt. Der ARD entstehen keine Mehrkosten für die Sendung."
Entstanden sein muss die Idee dafür in einer Art dreifaltigen Gleichzeitigkeit. Weil Pocher, sagt Kogel, "immer einer der besten Gäste" bei Schmidt gewesen sei, "haben Oliver, Harald und ich den Wunsch verspürt, es einmal gemeinsam zu versuchen". Pocher, 20 Jahre jünger als der 49-jährige Schmidt, ist für Kogel das "größte deutsche Talent im Fernsehen". Das größte Talent darf aber sein laufendes Tour-Programm bei Pro Sieben noch ausstrahlen lassen.
Man kann sich vorstellen, wie das mit Schmidt & Pocher, so der neue Titel, immer donnerstags, 60 Minuten lang von 22.45 Uhr an, laufen könnte: Schmidt packt's politisch an, Pocher schlägt unter der Hüftlinie zu. Fred Kogel ist sicher, dass das Konzept funktionieren wird. Mit einem halbstündigen Auftritt habe niemand, auch nicht Schmidt, nach den Tagesthemen "eine Chance", da die Quoten zum Ende der Tagesthemen sänken und kein Format bei der Konkurrenz um diese Uhrzeit endete.
Die Zuschauer kämen erst wieder um 23.15 Uhr, "bei einer Stunde Sendelänge können wir sie mitnehmen'". Das würde die ARD wahrscheinlich entlasten, derzeit kommt Schmidt bei allen Zuschauern auf 7,8 Prozent Marktanteil, 2005 waren es 10,1 Prozent. Man muss ihn sich eben leisten können. Und Pocher, das zynische Bürschchen, erst Recht.
Harald Schmidt hat eine künstlerische Fusion aus Pochers Altersperspektive im Übrigen schon einmal erlebt. Als er für den WDR 1990 mit Schmidteinander begann, war ihm Kollege Herbert Feuerstein 20 Jahre voraus. Getrennt geht es beiden inzwischen bestens.
(SZ vom 15.5.2007)
Partyzone Flußufer
Liebe ARD, ich gehe mal davon aus, dass Sie dieses nicht verhersehbare und überaus positive Echo Ihrer Zuschauer, was das "größte Talent im Deutschen Fernsehn" (wie bitte, was ist los?) Herrn Oliver Pocher angeht, ihn in eine ARD-Sendung zu placieren, sicher auch überwältigt hat und nicht entgangen ist.
Unaufhaltsame, unbändige Zustimmung von allen Seiten!!! Begeisterung. Jubel. Extase. Aller Ortens. In meiner unmittelbaren Nachbarschaft wurde augenblicklich die Nationalhymne gesungen. Ich selbst war ergfriffen.
Ich möchte mich den Glückwünschen, die Sie ob dieser phänomenalen, beeeindruckenden, sensationellen Entscheidung, einen untalentierten Antikomiker, dessen hervorstechende Gabe es ist, zu Lasten von wie z. B. in Schillerstarße (Zitat: "Ich bin ein arbeitsloser Alkohliker....") von Randgruppen, unqualifizierte Dummheiten abzusondern.
Ich gratuliere nochmals. Auch Herrn Schmidt. Das war ein Schachzug von nicht zu überbietender ....... Dummheit.
:-) Mulholland
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Kogel glaubt an das Format - das will nicht viel heißen. Schon zu seinen Zeiten bei Sat1 hatte er keinen "Riecher für die Quote". Kogels Sender lag immer meilenweit hinter dem Konkurrenten RTL und eilte von einem Flop zum nächsten. Dass Pocher das Niveau der Schmidt-Show deutlich senken wird ist wohl beabsichtigt, schließlich will Struve das Husarenstück hinkriegen die Zuschauermassen der Privaten anzulocken. überdies drängt sich der Verdacht auf, dass man Dirty Harry dank schlechter Quote schonend aber sicher aufs Altenteil befördern will.
Wenn die beiden Sprüchemacher anrücken wird das klassische ARD-Publikum wahrscheinlich längst die Flucht vor der drohenden Zotenlawine ergriffen haben. Ob im Umkehrschluss aber Pro7-Hardliner in die erste Reihe übersiedeln, muss man ernsthaft anzweifeln. Fragt sich abschließend wie viele Tiefflieger sich Herr Struve vor seiner gnädigen Pensionierung noch leisten will.
... als ob Armin Müller-Stahl mit Sascha Hehn dreht ... als ob Roger Federer mit Marc-Kevin Göllner Doppel spielt ... als ob Xavier Naidoo mit Dieter Bohlen ein Duett zum besten gibt.
Vielleicht wird Harald Schmidt erpresst?
Ist er fremdgegangen und wurde von einem ARD-Oberen beobachtet?
Hat er in der Kantine silberne Löffel... ach Quatsch.
Aber anders kann ich mir diese absurde Entscheidung nicht erklären.
Oder, ist's diese Absurdität, die Schmidt reizt?
Paging