Rätsel um Saint-Exupéry "Rippert sagt die Wahrheit"

Über 1000 Anrufe und die Suche nach Gewissheit: Ein oberbayerischer Taucher entdeckte den Jäger von Exupéry.

Von Interview: Martin Zips

Der Taucher Lino von Gartzen, 35, aus Berg am Starnberger See war es, der auf die Geschichte von Horst Rippert stieß.

SZ: Wie kamen Sie auf Horst Rippert, Herr von Gartzen?

Gartzen: Als im Jahr 2000 ein deutscher Flugzeugmotor in dem Gebiet, wo die Wrackteile Exupérys lagen, gefunden wurde, stieß ich zu dem französischen Forschungsprojekt. Man bat mich herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Motor und dem Wrack Saint-Exupérys gab. In etwa 1200 Telefongesprächen versuchte ich zugleich möglichst viele Informationen über die Einheit zu sammeln - es existierten nämlich kaum Unterlagen. Das Ziel war die Identifizierung dieses Motors. Doch beim 1100. Anruf etwa sagte mir einer der letzten noch lebenden Piloten aus der Zeit: Rufen Sie Herrn Rippert an.

SZ: Und dann?

Gartzen: Ich rief ihn im Juli 2006 an und erklärte, dass ich für die Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie arbeite - und wir mit ein paar französischen Kollegen schon seit einigen Jahren Untersuchungen an der Absturzstelle von Antoine de Saint-Exupéry durchführen. Ich sagte: Wir haben da einen alten deutschen Flugzeugmotor gefunden und versuchen herauszufinden, ob der in einem Zusammenhang mit dem Verschwinden Saint-Exupérys steht. Da unterbrach mich Herr Rippert und sagte: "Ihre Forschungen sind beendet. Ich habe ihn damals abgeschossen."

SZ: Woher wissen Sie, dass das stimmt?

Gartzen: Das habe ich mir anfangs auch gedacht. Also habe ich den Mann zweimal länger besucht und mir bei den Interviews alle Details aufgeschrieben. Gemeinsam mit meinem französischen Kollegen Luc Vanrell habe ich Ripperts Aussagen dann mit weiteren Details rund um das Wrack, aller Zeugenaussagen und den wenigen existierenden Dokumenten abgeglichen. Und wir haben für jedes von Rippert geschilderte Detail eine eindeutige Entsprechung gefunden.

SZ: Sie halten Rippert also für authentisch?

Gartzen: Aus unserer Sicht ist es nahezu unmöglich, dass jemand etwas derart detailreich erzählt und dabei auch Elemente nennt, die keineswegs typisch gewesen wären für diese Situation, ohne es selber gewesen zu sein. Das heißt: Alle Fakten, die wir haben, stimmen genau mit den Aussagen von Rippert überein. Nach eineinhalbjähriger Prüfung waren wir da sicher. Wir haben Rippert dann noch einmal für die Münchner Filmproduktionsfirma Tangram und das ZDF besucht, damit er seine Aussagen vor der Kamera bestätigt.

SZ: Aber die Exklusivmeldung, dass es Ivan Rebroffs Bruder war, der Saint-Exupéry getötet hat, kam nicht vom ZDF. Die kam von französischen Journalisten.

Gartzen: Sagen wir mal so: Das anfängliche Interesse an der Geschichte war in Deutschland nicht besonders groß. Warum auch immer.

SZ: Klingt es nicht zynisch, dass Rippert, der früher für das ZDF gearbeitet hat, sagt: Wenn ich gewusst hätte, dass es mein Lieblingsschriftsteller war, so hätte ich ihn nicht abgeschossen?

Gartzen: Man muss ihm zugute halten, dass er nachweislich möglichst nur auf Motoren und Flügel, nicht aber auf die Besatzung gezielt hat. Und man sollte seine Courage schätzen, diese Sache nun endlich zu erzählen.